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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-12-05 · Heft 49 (5.12.1840) · p. Seite 697

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 49 (5.12.1840)
Date
1840-12-05
Page
Seite 697 (sequence 5)
Language
German
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697 einwohnenden Ahnung der Gottheit in den, nun transparent zu machenden, verschiedenen Gestaltungen, selbst der widerwärtigsten, der religiösen Ideen, die durch die Urgeschichte der Menschheit überall zum Keimen gebracht und dann durch unsere spezielle Offenbarung der Reife zugeführt seien, eine Duldsamkeit, die zu dem in vielen seiner Predigten in Aussicht gestellten Ideal einer letztlichen Universalreligion, wo eben weder die Aufhebung noch die Einheit der Formen gemeint sei, leite — und 2) das Aufgeben der bei vielen Gebildeten vorherrschenden Gleichgültigkeit gegen alle religiösen Formen, der es nachgerade schon fast unmöglich wird, sich auf den Standpunkt von Menschen zu versetzen, die für diese oder jene Form und Modifikation zu kämpfen und zu dulden bereit wären. Das spezielle Judenthum werde er durch alle seine Evolutionen bis auf diesen Tag begleiten, und insbesondere dessen scheinbare Sprödigkeit gegen das europäische bürgerliche oder lieber gesellige Leben zu überwinden streben; nicht indem er den Knoten durchschaue und etwa die Tradition als eine „Menschensatzung" ablehne, um auf den nackten Buchstaben der h. S. zurückzuweisen, sondern im Gegentheil, indem er die Tradition als göttlich (so wie auch die Weltgef, ichte göttlich ist) epochenweise verfolge, ohne sie jedoch an einem willkürlich sirirten Zeitpunkte für geschlossen zu erklären, sie vielmehr für ein noch Lebendes und Leben erzeugendes anzuerkennen, und lediglich für uns Jetztlebende so wie für die Nachwelt das Recht zu vindiziren, das unsere Vorgänger in der Tradition, die Talmudisten und Rabbinen, in so reichen: Maaße selbst der Tora gegenüber ausgeübt: das Recht, die Praxis der Gebote nach den Zeitumständen zu akkomodiren. Dieser bezeichnete Weg, er selbst möge darin nun mehr oder minder recessiren, sei unbezweifelt der einzige, dem heutigen Zustande des Judenthums angemessene, und mit diesem Programm trete er hier nicht nur vor sein gewöhnliches Auditorium vom Tempel, sondern bitte auch Andersdenkende und, wenn auch mit reicheren Kenntnissen begabte, Gelehrte seine Erklärungen anzuhören. Wir sehen nun dem weitern Gange dieser Vorlesungen entgegen; denn Zeit ist es allerdings einmal, daß die modernen Juden, die nicht nur die wilde alte Spnagogenvrdnung, sondern auch einen großen Theil der bestehenden äußerlichen Religionsgcsetze abweisen, sich über ihren eigentlichen Standpunkt Rechenschaft geben, da sie sich doch mit wenigen Ausnahmen trotzdem noch immer warm und fest mitten im Judenthum stehend fühlen. Hierzu ist aber die Stellung eines Predigers am hiesigen Tempel aber die allerpassendste. Unserm Docenten werden indeß die Schwierigkeiten nicht entgangen sein, denen er auf dem betretenen Wege begegnen muß, da die Zulässigkeit einer Modifikation der Tradition durch die Tradition von unfern jüngern Orthodoxen allerdings zugegeben, aber zugleich mit der gleißnerischen Klausel „sobald ein hiezu kompetentes Bet-Din sich dazu findet" an die griechischen Kalenden verwiesen wird. Ferner dürfte es gewagt sein, ein Grundmotiv an die Spitze zu stellen, dessen hinlängliche Wichtigkeit von dem Einen geläugnet wird, während anoere behaupten, für den, der es ächt mit der Religion meinte, wäre die Vereinigung leicht zu beschaffen: ich meine die Unverträglichkeit der jüdischen Observanzen mit dem geselligen Leben, indeß, wir werden sehen: -— Das Vergnügen Zu hören wie ein solcher Mann sich auscedt; Mit welcher dreisten Stark' entweder er Die Stricke kurz zerreißet; oder auch Mit welcher schlauen Vorsicht er die Netze Vorbei sich windet: dies Vergnügen hast Du obendrein.- (Lessing)"). *) Da unser Korrespondent selbst schon sich einige Einreden gegen die Aussprüche des Vortesecs gestattet, also jedenfalls die obige Exposition, die er giebt, als zuverlässig ansieht, so wird man auch uns ein Wort nicht verargen, wenn auch aus der Ferne über Gesprochenes. Die Tradition für göttlich, wie die ganze Weltgeschichte! zu erklären, ist noch nichts Anderes, als selbst die! größten Gegner der Tradition ihr nachsagen. Denn dies heißt, nach dem allgemeinen Satze: alles, was eine ganze Zeit producict hat, um selbst wieder eine Zeit zu produciren, ist göttlich, d. h. ist unter göttlicher Leitung und Absicht geworden. So ist auch die Tradition als Produkt einer Zeit, und eine Zeit durchdringend und producicend, göttlich. Dann ist aber die Tradition gerade eben so göttlich, wie die Leibeigenschaft, wie das Feudalrechk, wie die Kammerknechtschast der Juden. Dies meint aber die Tradition und ihre Anhänger nicht, sondern mehr. Sie ist von Gott Moscheh auf Sinai unmittelbar gegeben worden. Man sehe z. B. Berach. 5.2.

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