Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1840)
- Date
- 1840-12-05
- Page
- Seite 696 (sequence 4)
- Language
- German
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696 dann würden Jesajas Verheißungen ganz in Erfüllung gehen und dem Judenthume bald die Sonne in ihrem Mittagsglanze erscheinen, die sich ihm bereits in einer freundlichen Morgenröthe angekündigt habe. Mit herzlichen Worten forderte der Redner am Schlüsse die Gemeinde aus, die Wichtigkeit der bevorstehenden Wahl zu beherzigen, und bei Vornahme derselben nur an Gott und was in Hinblick aus ihn durch dieselbe geschehen müsse, zu denken.— Gebe Gott, daß dieses Schlußwort des würdigen Mannes Anklang gefunden habe im Herzen Aller, die diese Wahl besorgen! Gebe Gott, daß wir einen Rabbinen bekommen, der seine Stelle in jeder Beziehung auszufüllen, Willen und Kraft habe! Gebe Gott, daß der Verbesserung unserer inneren Angelegenheiten, auch bald die der äußeren, der politischen und sozialen nämlich, die noch Manches zu wünschen übrig lassen, folge! Wir wollen, wir können cs hoffen! — Schließlich sei noch erwähnt, daß wir hier eine vor 4 Jahren erbaute Synagoge haben, die zwar einfach ist, aber doch zu den schönsten in Deutschland gezählt werden kann, und daß inmitten unserer Gemeinde, trotz der großen offizialen Abgaben, wol ein Dutzend Wohlthätigkeits-Vereine gezählt werden können. — Sine ira ac stutlio. Frankfurt am Main, 11. Nov. (Fr. I.) Der hiesige Verein zur Beförderung der Handwerke unter den israelitischen Glaubensgenossen hat seinen 15. Bericht über den Bestand und Fortgang dieser wohlthätig wirkenden Anstalt im Druck erscheinen lassen. Nach demselben stieg die Gesammtzahl der Unterstützten in dem letztverflossenen Jahre auf 487. Von diesen gehören 230 dem Großherzogthum und 83 dem Kurfürstenthum Hessen, 70 dem Herzogthum Nassau, 3b der Landgrafschaft Hessen-Homburg, 17 dem Königreich Baiern und 51 der freien Stadt Frankfurt an. Neu ausgenommen wurden verflossenes Jahr nur 17 Lehrlinge, und 20 nach beendigter Lehrzeit als Gesellen entlassen. Beim Antritt ihrer Wanderschaft wurden 23 und bei ihrer Niederlassung als Meister 9 Handwerker unterstützt. Außerdem erhielten 47 Lehrlinge Kleidungsstücke, 25 das zum Betrieb des Handwerks erforderliche Werkzeug, 19 Unterricht in den ihrem Handwerke entsprechenden wissenschaftlichen Fächern und 7 verwaiste Lehrlinge monatliche Geldbeiträge für ihre nothwendigsten Bedürfnisse. Ueber alle hiermit verbundenen Ausgaben enthalten die beigefügten Rechnungen, welche der statutenmäßigen Prüfung eines Ausschusses unterworfen worden, die nähere Nachweisung. Am Schluffe des Berichtes heißt es u. A.: „Man kann es nicht genug wiederholen, der Verein hat nnumstößlich dargethan, daß die Juden, was ihnen Vorurtheile lange abstritten, zu jeder bürgerlichen Thätigkeit fähig sind. Vorurtheile haben das Eigenthümliche, daß sie nicht Argumenten, sondern nur Beweisen durch die Thal weichen. Der Verein hat solche reichlich geliefert. Ist gleich der äußere Fortschritt der jüdischen Verhältnisse unmerklich, in dem Geiste der deutschen Nation ist ihrer Beschränkung längst das Urtheil gesprochen und die Zeit kann nicht mehr fern sein, in welcher der Verein jede politisch-bürgerliche Beziehung verlieren und nur noch als reine Wohlthätigkeitsanstalt erscheinen wird. Nach beiden Richtungen hin hat er im Verlaufe stines Bestehens die aufmunterndste Unterstützung gefunden. Es ist ihm hierdurch das Gepräge der Gemeinnützigkeit aufgedrückt worden, bei welcher das durck sein Wirken geförderte Staatswohl höher in Anschlag kömmt, als die Vortheile, welche durch dasselbe unmittelbar für die Unterstützten erzeugt werden. An Theilneh» mern und Beförderern kann es ihm solchergestalt niemals fehlen." Hamburg, 20. Nov. (Privatmitth.) Bestem Abend eröffnet« der Prediger Herr t)r. Frankfurter im Logensaale auf der Drehbahn vor einem zahlreichen Publikum seine öffentlichen (und gratis gehaltenen) „Vorlesungen über Religion." In diesem einleitenden Vortrage erklärte er die gewählte Benennung also: er gedenke zuerst über Religion im Allgemeinen und ihre historische Entwickelung unter den verschiedenen Formen und Nationalitäten zu lesen, dann aber zu der ihm durch sein Amt speziell angewiesenen Belehrung — die von Erbauung in der Predigt, .wo alle Postülate schon als im Voraus zugegeben angenommen werden, wol zu unterscheiden sei — über die jüdische Religion, besonders in ihrer gegenwärtigen Phase übergehen. Aus dieser Behandlungsweise werde sich ergeben: 1) gegenseitige Duldsamkeit, erzeugt durch das Wiedererkennen der Einen, dem Menschen überhaupt