Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1840)
- Date
- 1840-12-05
- Page
- Seite 695 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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695 ihres Vaterlandes verbinden, und, mit unermüdetem Eifer für das Beste der Gemeinde wirkend, ist er auf jede Weise zu jenem Amte geeignet und desselben würdig.— Er wählte den dem Tage angemessenen Vers: nbiro ■o -ppb« N2 btn-w"1 npiur" zum Texte, wendete sich an die verschiedenen Klassen oes Alters und Standes, beschrieb ihre eigenthümiche Ungerechtigkeiten (iniquities), und wies ihnen >en Weg zur Besserung an. Die Predigt im Ganjen, war frei von talmudistischen 'Auslegungen hingegen wurden die Propheten häufig in Anwendung gebracht. — Die Gemeinde scheint sehr oefriedigt gewesen zu sein, denn schon am Sabbat des Laubhüttenfcstes verlangte man eine zweite Predigt. Herr Salomon nahm diesmal die wenigen, aber vielbedeutenden Worte: „ni-an nsipn tposn sn" zu seinem Terte, theilte die Predigt abermals nach den verschiedenen Stufen des Alters ein, fragte jedes im Einzelnen, was es im vergangenen Jahre geleistet und weß Guten cs sich beim Ablaufe desselben zu erinnern habe und drang ernstlich darauf, daß man Predigten regelmäßig einführe. Seine Worte waren um so eindrucksvoller, als er freiwillig seine Dienste angeboten und als strengrcdlicher, der Religion seiner Väter getreuer Mann bekannt ist. Es läßt sich nun hoffen, daß man der Sache einen ernsten Gedanken widmen wird, und so wäre denn auch hier der Anfang zu einer schonen Entwickelung gemacht.— Möchte doch die Gemeinde hierdurch aufgemuntert werden und einsehen lernen: „was ihr Noth thut." A. Deutschland. Emden, im November. (Privatmitth.) Am 31. October, am Sabbat Noach, hielt Herr vr. Herzfeld, Rab. Assistent in Braunschweig, der Einladung hiesiger Gemeinde folgend, seine Probe-Predigt. — Die Gediegenheit der Predigt, die schöne vom Judenthume und für dasselbe begeisterte und begeisternde Sprache, die mit sinnreichen, edlen, durchaus nicht gesuchten Worten die göttliche Beschirmung des Bundes und das Schicksal seiner Anhänger schilderte, ein Vortrag, wie ihn. nur Redner haben, erregten allgemeine Sensation, bei Christen wie bei Juden. — An die talmudische Erzäblung, daß das Manna jedem gemundet habe, knüpfte Herr Vr. Herzfeld, gleichsam als Entschuldigung, die Bemerkung, daß er als Fremdling, unbekannt mit den religiösen und moralischen Bedürfnissen der Gemeinde, nur das einfache Wort Gottes heranbringe, das ja auch Kost für Jedermann sei. Darauf ging er zur homiletischen Erklärung der heutigen Haftora Jes. 54, 1—10 über. Der Inhalt dieser Stelle sagte er, sei scheinbar geschichtlich nicht in Erfüllung gegangen, indem er treffend und wahr die Jahrhunderte langen Leiden der Kinder Israels schilderte. Gleichwol enthalte die heutige Parascha, ebenso wie jene jesajanische Stelle, in der Stelle ' über den Regenbogen, die Verheißung auf Gottes Hilfe. Denn, wie der Regenbogen, dem düstern Gewölke gegenüber, auf eine Sonne Hinweise, ebenso sei Gottes Wort eine Sonne, die jedes Unglück/verscheuche, und wenn für die ganze Menschheit, um wie viel mehr für das Volk seines Bundes: denn dieses habe die Bestimmung erhalten, vorzugsweise die Religion anzubauen, und es sei auch unter allen Verhältnissen, dieser Bestimmung nachgekommen. Wirklich erfüllt sei aber Jesajas Wort darin, daß es geschichtlich feststehe, daß die Juden sich immer wieder emporrafften und wunderbar erhalten haben. Mit Emphase wies der Redner nach, daß unsere Auspicien jetzt günstiger seien, als je, sowol in Bezug auf unsere bürgerliche Stellung, wobei er des glänzenden Ausgangs des Vorfalls in Damaskus erwähnte, als auch in Bezug auf dir günstigen Verhältnisse innerhalb unseres Volkes selbst, namentiu!) Wissenschaft, Kunst und Handwerk betreffend. Die Religion sei aber Israels eigentliches Feld; Scheinbar zeige sie jetzt zwar die größte Zerrüttung, wirklich aber und tiefer gesehen, sei diese Zerrüttung nur der Prozeß, aus welchem eine höhere Entwickelung des Judenthums hervorgehen werde. Diese hervorzurufen läge vorzugsweise dem Geistlichen ob. Seine Funktionen seien 1) Zurückrufen derer, welche sich abgewendet halten, durch Darlegung, daß das jüdische Gesetz aller Anforderung der Vernunft und echter Religiosität genüge. 2) Belehrung der noch Festhaltenden am väterlichen Glauben über den Sinn der Satzungen. 3) Unterweisung Beider in ungegeschminkter Gottesfurcht. 4) Regulirung des Kultus. 5) Als Hauptsache, Sorge für den religiösen Unterricht der Kinder beiderlei Geschlechts, und eigenes Eingreifen in denselben. — Wenn das geschehe,