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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-12-05 · Heft 49 (5.12.1840) · p. Seite 694

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 49 (5.12.1840)
Date
1840-12-05
Page
Seite 694 (sequence 2)
Language
German
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694 Umstände woh! erwogen, und hat sich deshalb hierher begeben. Am 28. Okt. hat er mit einigen unsrer Glaubensgenossen eine Audienz bei Sr. k. Hoheit den> Sultan gehabt. Herr Crvmieur nebst Gattin ist bereits in Triest angekommen, Herr Munk in Paris. Von letzterm, der von der königl. Bibliorhek in Paris eine namhafte Summe zum Ankauf orientalischer Manuskripte erhalten hatte, berichten die Zeitungen folgendes: — Herr S. Munk, von der königl. Bibliothek in Paris, der mit Sir Moses Montcsiore und Hrn. Crömieur nach Aegypien ging, sagt in einem Schreiben an Champollion-Figcac: „Ich bringe eine Anzahl Werke mit, die der Sekte der Karaiten angehören, mehre Schriften nämlich über die Gebräuche und den Ritus dieser Sekte und verschiedene Thcile eines riesenhaften Commentars über die Bibel aus dem JO. Jahrhundert. Alle diese Werke sind ungemein selten, in Europa ganz unbekannt und finden sich, so viel ich weiß, in keiner europäischen Bibliothek. Ich erhielt sie von dem Ueberreste dieser Karaitensekte, der noch in Kahira lebt, und ich glaubte, diese Trümmer einer fast unbekannten Literatur retten zu müssen, die für die Literargeschichte des Mittelalters nicht ohne Wichtigkeit ist." Aegypten. Die Mainzer Zeitung vom 20. Nov. bringt, wir wissen nicht, aus welcher Quelle, folgenden Artikel. „Crömieux hat während seines nculichen Aufenthalts in Aegypten .zu Kairo zwei jüdische Schulen gegründet, eine für Knaben und eine andere für Mädchen. Er fand die jüdischen Kinder im verwahrlosetsten Zustande, sie waren mit Lumpen bedeckt, ohne alle Fußbekleidung und litten beinahe Alle ohne Ausnahme an der in jenem Lande so häufigen Augenkrankheit. Erömieux ließ eine große Anzahl Knaben vom Kopfe bis zum Fuße kleiden, und bildete aus zwölf jüdischen Bewohnern der Stadt einen Ausschuß, welcher künftig für die Kinder sorgen soll: Er hat ihm jährlich eine Summe von 0000 Frs. versprochen. Die Knaben werden von nun an unterrichtet im Hebräischen, Arabischen, Französischen und Italienischen, Rechnen und Erdkunde; die Mädchen sollen vorzüglich die beiden ersten Sprachen lernen und zu nützlichen Handarbeiten Anleitung erhalten. Clot Bey will die ärztliche Aufsicht über die Anstalt führen. Die Kinder sollen fast täglich sich baden, jährlich zweimal neue Kleider erhalten, in der Schule selbst beköstigt werden, und wohl bemerkt, nicht nach orientalischer Art mit den Fingern, sondern mit Gabeln und Messern ihre Speisen zum Munde führen. Die Schule wurde feierlich eingeweihet; Crömieux ließ die Juden Kairo's im Tempel zusammenkommen, setzte ihnen die Vortheile des Unterrichts auseinander, bemerkte, daß die Religion denselben gebiete, daß durch ihn der Glaube gekräftigt werde, und daß die abendländischen Juden ihre bürgerliche und gesellschaftliche Gleichstellung durch ihre Bildung und Erziehung erworben hätten. Diese Rede, welche Crömieux französisch hielt, übersetzte der gleichfalls anwesende deutsche Orientalist Munk den Juden ins Arabische. Letztere zeigten sich für die ihnen gespendeten Wohlthaten in jeder Hinsicht dankbar. —" Allerdings hat überhaupt das unglückliche Ereigniß in Damaskus und das glückliche Eingreifen der europäischen Juden, eine nähere Verbindung zwischen diesen und den orientalischen Stammgenossen hervorgebracht, die nicht ohne Wechselwirkung sein wird. In nächster Zeit werden einige Artikel ein Näheres hierüber bringen. Großbritannien. Upper Edmenton, I. Nov. (Privatmitth.) sWir lassen das folgende Schreiben um so lieber in seiner ganzen Ausdehnung hier Platz nehmen, als cs abermals einen Beweis giebt, wie dasselbe Be-? dürfniß in unseren Glaubensgenossen aller OrterH sich kräftig äußert, das der lauten Aussprache unsres Glaubens und unsrer Lehre, und in England, Frankreich und Deutschland unaufhaltsam sich Bahn bricht. Redakt.j „Es ist höchst erfreulich zu sehen, daß man auch in England anfängt, dem ruhmvollen Beispiele Deutschlands nachzusolgen, indem man den Gottesdienst durch Predigten in der Landessprache zu erhöhen sucht. Die Vorsteher der neuen Synagoge beriefen nämlich Hrn. Salomon, Vorsteher einer Erziehanstalt, eine Predigt am Sabbat zwischen dem Neujahrs- und Versöhnungsfeste zu halten. Dieser Mann gehört zu den Wenigen in England, die eine genaue Kenntniß der hebräischen Literatur mit der

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