Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1840)
- Date
- 1840-11-28
- Page
- Seite 690 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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690 vom Freunde zu den Freunden reichen, noch ein Klang, ein Ton ertönen: wir begriffen den Tod! So aber Alles anders mit ihm ist, — welch' Geheimniß, welch' ein Räthsel!- Und wenn wir nun also mit tiefer Wehmuth anrufen den Tod, so er an uns vorüberrauscht: Steh' uns, und gieb uns Antwort, Tod!- Einen Ausschluß giebt er uns dennoch; er sagt uns: Bruchstück, Mensch, ist dein Leben auf Erden, Bruchstück deine Zeir, Bruchstück dein Wollen und Streben, Bruchstück dein Erringen, Bruchstück deine Entwickelung, deine Kraft, deine Tugend, Bruchstück deine Liebe, deine Neigung, dein Wissen, dein Erkennen — aber dieweil Alles Bruchstück ist hienieden, dieweil Nichts in und vor dir über das Bruchstück hinauskömmt: daraus erkenne, daß der Herr des Lebens dir noch ein Leben bestimmt, vergönnt, verliehen hat, worin die Bruchstücke zu Ganzen und Ganzheiten werden, worin der Mangelnde hinzugefügt, und aus dem Bruchstücke ein Vollkommnes und Vollendetes wird! Denn der Herr der Allmacht kann kein Bröckelwcsen schaffen, der Inhaber der Allwissenheit kein Unvollkommnes lassen, der Allgütige kein Viertel-, Halb-, und Dreivicrtel-Dasein verleihen, der Allzerechte muß das Bruchstück zu vollendetem Meisterwerke bringen, und die angczündete Sehnsucht löschen, und das angefachte Streben zu Ende führen, und die irdischen Schmerzen zu himmlischen Freuden bringen, und — bemerkt es wohl — er kann auch nicht Wesen enden lassen, die noch mit Fehlern und Schulden belastet, mit Makeln und Flecken versehen sind, in ihm und durch ihn muß Alles rein und vollendet werden! Und so ist es dennoch eine Offenbarung, die gerade aus dem Geheimniß des Todes hervorgeht, eine Kunde, die aus seinem Räthsel entspringt, und der dunkele, verschlossene, stumme Tod, er rust uns ein Wort klar, hell und deutlich entgegen: Unsterblichkeit, Unvergänglichkeit, Fortbestand, Ewigkeit! Aller Geschehnisse Resultat, was ist es? Wenn eine That, ein Schicksal, eine ausgezeichnete, gesonderte Zeit an uns vorübergegangen, was bleibet uns davon, was ist der eigentliche Werth davon? Der Eindruck, den es auf unfern Geist und auf unser Herz gemacht! Die Kraft, die es auf unsre Seelausgeübt, die tiefe, bleibende Erinnerung, und wie er unfern Geist umgebildet und veredelt hat. Dies ist dal Einzige, was davon übrig bleibt, alles Andere, se es Freude, sei es Leid, Lust oder Schmerz, es schwin det. Die härtesten Schläge des Schicksals wie bi' hellsten Glückesspenden und Freuden, die höchste Er Hebung wie die tiefste Demüthigung, Alle sie ent fliehen vor dem Fuße der fortschreitenden Zeit — nu welchen Eindruck sie auf unfern Geist gemacht, wi> sie ihn umgeprägt, umgebildet haben, das bleibe übrig für das ganze Leben und Dasein, dies wiri selbst im Tode nicht auslöschen, sondern in unfern Geiste auf immer verharren. Die Religion macht die Erde zu einem großer Erziehungshause, in der der Mensch zu einem gött liehen Dasein unterwiesen werden soll, sie nimmt ihn seinen Stolz, seine Selbstständigkeit, weil er in ihner vor jedem Hauche der Leidenschaft und des Mißge schickes untergehen würde, aber sie giebt ihm dafüi eine Göttlichkeit des innern Seins, einen himmlischer Ursprung und ein himmlisches Ende! Warum übet die Religion jenen hohen mächtiger Zauber auf den jetzigen Menschen nicht aus, der sie sollte und wollte? warum hält sie ihn nicht ir ihren süßen und erquickenden Banden? warum folg' er nicht ihrer Spur, ihrem Pfade zu Gott hinauf! warum entschlägt er sich ihrer Leitung? warum ver gißt er ihrer bei seinen Rathschlägen, gedenkt ihre, nicht bei seinen Thaten, erinnert sich ihrer nicht be seinem Schaffen und Treiben, übet sie nicht bei sei nein Vollbringen? läßt sein Herz nicht ausfüllen uni heiligen von ihr? Sehen wir zuerst nach außen. Weil das gesammte äußere, weltliche Leben zu beweglich, zu verworren, zu äußerlich und weltlich geworden, und der Israelit sich ganz und zu sehr in dieses bewegliche, äußere Leben versenkt hat. Man kann es nicht leugnen, das Leben früherer Zeit war einfacher, geordneter, regelmäßiger, häuslicher, in gemessnem Gange,