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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-11-28 · Heft 48 (28.11.1840) · p. Seite 689

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 48 (28.11.1840)
Date
1840-11-28
Page
Seite 689 (sequence 13)
Language
German
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689 beglückte. Nur der Jude, der sich gänzlich von seinen Glaubensgenossen trennt, der allen ihren Bestrebungen und Verhältnissen absagt, der sich aus eitler Ueberschätzung zu einer Verachtung derselben hinneigt, der ist unglücklich, und — offen gesagt — verdient es nicht besser. Sind erst alle Pforten offen, dann geh', wohin du willst, so lange noch viele verschlossen sind, warum willst du die Deine verlassen, und an den verschlossenen harren und klopfen, vergeblich? Und nun in der Jugend — der Judenknabe ist nicht unglücklicher, als der Ehristenknabe. Er hat seinesgleichen genug, er spielt mit diesen so heiter, wie jeder, tummelt sich mit ihnen lustig umher, und die Schmähreden etwa, er vergilt sie mit Schlägen, oder vergißt sie, und geht davon. Gerade das Kind nimmt Alles, wie es ist, und philosophirt und klagt nicht darüber, denn dazu fehlt ihm das Bewußtsein. O, ich war sehr glücklich, als Knabe! Spielplätze meiner Kindheit, Tummelplätze jugendlichen Uebermuths, wie undankbar wäre ich, sollte ich euch als ungenügend bedauern! Und dann, gilt das Bewußtsein, Jude zu sein, Nichts? Erhebt das Bewußtsein, um seines Glaubens willen zu dulden, gar nicht? Gießt solches gar keinen Balsam in die Wunden? Mitglied zu sein jener Menschenmasse, die als ein erwähltes Rüstzeug der Gewissensfreiheit für die Menschheit ein Operationsobjekt, eine Retorte, ein prozessualischer Stoff ist — stets hat mich in den Stunden, wo ich von den Verhältnissen des Judenthums benachtheiligt war, der Sieg meiner Ueberzeugung über äußere Nachtheile — innig beglückt! » Noch ist alles Irdische unzuverlässig, noch giebt es Schmerz pnd Leiden auf allen Gebieten, Kampf und Roth in allen Verhältnissen: wie sollten wir es verlangen können, als Juden davon ganz befreit zu sein? Zeigt uns einen Menschen, der ganz frei, der ganz unbefangen, ganz ungebunden ist — und wir wollen uns besiegt erklären. So aber — trage Jeder, was er zu tragen, kämpfe Jeder, was er zu kämpfen, wirke Jeder, was er zu wirken hat, dann kann ihm das Ziel und der Erfolg niemals fehlen! Homiletik. Gedankenlese aus jüngst gehaltenen Vorträgen. Dritte Sammlung. Der Tod ist das größte Geheimniß deS Lebens! Warum der Mensch hinweggerissen wird von dem Erdenrunde, nicht am Ende sondern meist in der Mitte seiner Lebensbahn, nicht nachdem er die irdische Vollendung erlangt, sondern gerade in der Entfaltung, nicht nachdem das Maaß irdischer Kräfte erschöpft ist, sondern noch in ihrem vollen Besitze — wer löset dieses Räthsel? Warum die Bande der Liebe, der Freundschaft, des Lebens, kaum und mühsam geknüpft, wieder zerrissen werden? warum die Stellung im Leben, kaum und mühsam errungen, wieder verloren wird? warum heute noch voll Ringens und Strebens, voll glühenden Feuereifers, morgen für alles dies nicht mehr vorhanden — wer beantwortet diese Fragen im Sinne des Meisters droben, des Herrn des Lebens, im Sinne der Wahrheit? Da der entwickelte Mann noch so schön sich entwickeln, noch so Vieles wirken, noch so Tüchtiges leisten und nützen konnte — warum muß er schon, ohne dieses, von hinnen? — Und warum ist der Tod ein völliger Abschied? ein ganzer Riß? eine vollständige Trennung? und wenn wir auch ahnen und glauben eine Verbindung der Geister mit unfern Geistern auch nach dem Tode: diese Ahnung ist so schwach, dieser Glaube so dünn, aber der Abstand zwischen Lebendem und Todtem so unendlich groß! Sehet, hier liegen sie Alle, die vor uns, die in unsrer Mitte gewandelt, die uns angehört als das Theuerste, wir ihnen das Theuerste — horcht, da wir auf ihre Gräber treten, klopfen sie etwa an ihre Särge? lauscht, rufen sie etwa unsre Namen? freuen sie sich unsers Kommens, beklagen sie unser Gehen? Das Grab der Todten ist stumm, und wäre die Klage der Lebenden noch so laut! — Würde nur der Greis, der Verlebete, der sein Ziel erreicht, seinen Zweck, seine Sendung erfüllt, seine Freude genossen, seinen Schmerz ausgelitten, seine Kräfte erschöpft hat, vom Tode entführt, wir wüßten seine Deutung! Würde' vom Jenseits noch irgend ein Faden, vom Vater zu seinen Waisen, vom Gatten zu seiner Gattin,

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