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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-11-28 · Heft 48 (28.11.1840) · p. Seite 691

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 48 (28.11.1840)
Date
1840-11-28
Page
Seite 691 (sequence 15)
Language
German
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691 in bestimmter Richtung; ein Jeder kannte seinen Weg, wußte seine Bestimmung, und mit Fleiße und Anstrengung kam er zum Ziele. Aber die Ueberfüllung an Menschen, die Aufregung politischer Leidenschaften, der vermehrte Luxus, die erweiterten Bedürfnisse, die Vervielfältigung der Genüsse, und die dadurch geweckte Sucht nach Genüssen, der Ehrgeiz und die Prunksucht, Alles dies zusammengenommen hat das Leben der Menschen umgewandelt, durchfluthet, durchstürmt, hat es verworren und bedranglich gemacht, alte Verhältnisse umgekehrt. Und da kann sich Niemand frei machen, da drängt Einer auf den Andern, da reißt Einer dem Andern den Boden hinweg. Was sonst reich war, ist jetzt kaum begütert, was sonst begütert, jetzt fast ärmlich, was sonst ärmlich, ist jetzt blutarm. Da heißt es ringen, streben, rasten, zuvorkommen, verdrängen. Und nun sehen wir nach innen. Weil das ächte, innerliche Leben des Geistes aus dem Menschen geschwunden, und dafür einem oberflächlichen nichtssagenden, flachen Wesen Platz gemacht. Wonach strebet der jetzige Mensch? Etwa nach tiefer, religiöser Bildung des Herzens? Nach Erkenntniß des Geistes? Nach Aufklärung über die ewigen Wahrheiten? Nach Kenntniß des Wortes Gottes, und der großen Schöpfung des Herrn? Ja, nach Bildung, Aufklärung und Kenntniß, aber, o ihr mißbrauchten Worte: Kenntnisse heißt ein oberflächliches Wissen von dem und jenem, was zur Tagesgeschichte gehört. Aufklärung heißt, leichtsinniges Hinwegfetzen über die göttliche Lehre, und jedes Forschen im Geiste, über jede Vorschrift der Religion. Bildung heißt: sich in der Gesellschaft leicht bewegen, einiges zu plaudern, einiges sich zu beugen, sich hübsch zu tragen und zu benehmen wissen. Ach, Freunde, alles dies ist schön und gut, wenn es Nebensache im Leben bleibt, aber die Hauptsache, das Herz zu adeln, den Geist zu läutern. Gott zu erkennen, die Religion zu lieben. Die Tugend zu üben. — Dies ist die Hauptsache, muß und soll die Hauptsache sein. Wenn unsre Schwächen und Gebrechen uns in Klarheit vor das Bewußtsein treten, ist ein Großes gewonnen. Nur der Schwächling scheut den Mahner, der Kräftige liebet und suchet ihn. Glaubet nicht, daß ich den hohen Werth der Zeit verkenne, daß ich die alte vergöttere. Viele schwachen Seiten der Vorzeit hat die jetzige bei Seite geschafft, aber sie hat dafür noch nichts Solides dafür hingestellt. Darum am Ende dieser Darstellung dessen, was uns mangelt, lasset mich offen zu Euch reden. Denket daran, daß Ihr Israeliten seid, auch im äußern beweglichen Leben, glaubet, daß wenn auch der Dienst der Erde, das Ringen nach dem Schaffen der Welt ein Würdiges ist, höher und würdiger ist der Dienst Gottes und das Ringen nach dem Schassen der Religion, Jenes verschwindet, dieses bleibt ewig und überraget das Leben. Denket daran, daß Ihr Israeliten seied, auch im geistigen Leben drinnen, glaubet, daß, wenn auch die Bildung des Geistes, die Ausnahme der Kenntnisse ein Hohes ist, höher und würdiger ist die religiöse Bildung, die Erkenntniß des Ewigen. Jenes ist Mittel, dieses Zweck, jenes verschwindet mit der Erde, dieses bleibt in Ewigkeit. Denker daran, daß Ihr Israeliten seid, Ihr, die den einigen Gott bekennet seit drei Jahrtausenden, und ihn bekennen sollet bis ans Ende der Tage, aber mit Mund und Herz, mit Miene und Seele. So Ihr dieses Bekenntniß verabsäumt, wer übernähme es dann? Denket daran, daß Ihr Israeliten seid, die dämm doppelte Pflicht der Religion und doppelte Rechenschaft haben, Söhne jener, die Gut und Blut für Religion dahin gegeben, Schmach und Martern für Religion übernommen. Sie haben gelebt, gekämpft, gelitten für Euch und nun würfet Ihr Euer Erbtyeil hin in den Staub? So kommet zurück, und heiliget Euch in Eurer Religion, und werdet zum Weinberge Gottes, wo der Härlinge wenig, wo der Trauben Ueberfluß reifet, damit Friede sei in Euren Hütten, Segen auf Euren Häuptern, damit Friede sei in Euren Herzen, Segen auf Euren Geistern! Ja, strenge ist hierin die Religion Israels, eisern strenge. Denn das Göttliche darf sich nicht beugen vor dem Irdischen, und die ewige Wahrheit nicht gemodelt werden nach den Wünschen und Lüsten der Menschen. Der einige Gott ist das Panier

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