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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-11-28 · Heft 48 (28.11.1840) · p. Seite 687

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 48 (28.11.1840)
Date
1840-11-28
Page
Seite 687 (sequence 11)
Language
German
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687 «taten, endlich Hab: ich noch größere Unruhstifter gefunden," rief Julian noch aus {Ammian. Mar- ■cellin. üb. XXII.]) Darum mußte, als endlich die Juden in der römischen Welt aus dem Staube sich erhoben, alsbald die christliche Kirche sie feindselig zurückdrängen aus allen schon gewonnenen Positionen. Warum? offenbar, um das Judenthum zu erhalten. Denn nur durch soziale Jsolirung konnte das Judenthum durch die Jahrhunderte allgemeiner Finsterniß sich erhalten, nur durch soziale Jsolirung konnte das zerstreute Israel vor der Auflösung und dem völligen Schwinden geschützt werden. Mögen es unsre Gegner leugnen, die Geschichte spricht es deutlich aus, beweist es für uns, daß die Juden erhalten werden sollten, weil sie in ihrem Schooße noch Elemente trugen, die für eine spatere Entwickelung der Menschheit von Wichtigkeit waren, die aber der damaligen Menschheit noch nicht angemessen waren. Wer in der Geschichte nur irgend Konsequenz, nur ein wenig Plan finden will, muß dem beistimmen, wer die Geschichte als ein göttliches Gewächs eben so wie die Natur erkennt, der wird es gewiß so annehmen müssen. Das Christenthum und der Islam hatten den Inhalt des Judenthums noch lange nicht erschöpft und aufgezehrt, es war noch mehr darinnen, das aber erst derweilen Zukunft zufließen sollte, und darum mußte sein Substrat erhalten werden, und dieses konnte nur durch soziale Jsolirung geschehen. Strengste Logik. Eben so lehrt uns aber die Geschichte, daß die neuere Zeit die Tendenz hat, die soziale Jsolirung der Juden aufzuheben. Christen und Juden, Volk und Staat, Gesellschaft und Gesetz rüttelten und rütteln, rissen und reißen daran nieder, und die Schranken fallen überall. Wie weit dies hie und da schon geglückt, ob hie und da ein Rückschritt geschieht — was kümmert dies die Geschichte? Blind müßte sein, wer mit seinen Augen das nicht sehen will, daß von Tage zu Tage die soziale Jsolirung der Juden sick auflöset. Zuerst schlugen die Staaten das jüdische Gericht nieder, wiesen allen ihren Unterthanen denselben Richter und dasselbe Gesetz an. Jeder weiß jetzt, daß bei Mein und Dein, bei Ehe und Erbe, bei Injurie und Kapitalverbrechen ' das Glaubensbekenntniß ganz gleichgültig ist, Jude und Christ dieselbe Stufe einnimmt. Dann wurde durch Militärpflichtigkeit die Vertheidigung des Vaterlandes einem Jeden, ohne Unterschied des Glaubens, auferlegt. Ob nun in einigen Staaten der Jude beim Kolben bleiben muß, der Christ zum Degen gelangen kann, in der Stunde der Roth wird auch dieser Unterschied wieder schwinden. Ferner die gleiche Belastung, Besteuerung, alles dieses gab dem Juden die Gemeinschaftlichkeit der politischen Gesellschaft. Hierzu trat nun die Gewerbefreiheit. Diese ist einer der mächtigsten Hebel, denn sie bringt Juden und Christen in allen Zweigen der gewerblichen Thätigkeit mit einander in Berührung, läßt Einen auf den Andern sich stützen, weist Einen auf den Andern an, und vermengt die Interessen mit einander. Endlich die europäische Politik, und wie alle singulären Interessen jetzo in diese aufgehen, die Oeffentlichkeit, die jede Hütte in das große Ganze der civilisirten Welt hinaufzieht, sie umfassen den Menschen ohne Unterschied, und drängen die Bedeutung des Glaubensbekenntnisses zurück. Und diese Tendenz der neuern Zeit, die soziale Jsolirung der Juden aufzuheben, und die also so sehr in die Augen springt, in unsrer Konsequenz sagen wir, die Geschichte führt sie herbei, um die Elemente des Judenthums, welche dieses durch die Jahrhunderte bewahrt hat, und um derentwillen es erhalten wurde, für die,allgemeine Menschheit heran- und herauszusührcn, um die Zeit zu bereiten, in der auch diese für die allgemeine Menschheit flüssig werden sollen. Nun aber, nach dieser Anschauung des Sachverhältnisses, was haben wir über jene Klagen, daß die Juden in der Gesellschaft noch so vielfach zurückgewiesen und ausgeschlossen werden, zu sagen? Hauptsächlich, daß die Forderung sehr unbillig ist, daß die Wirkung und Eigenthümlichkeit von achtzehn Jahrhunderten in fünf Dezennien verschwinden soll. Ja, noch ist viel Judenhaß und Judenvvrurtheil vorhanden — aber wie viel ist dessen schon geschwunden? Eine ungeheure Summe. Ja, noch werden die Juden oft verletzt, ausgeschlossen, zurückgewiesen — aber in wie viel sind sie schon hineingezogen, wie viel ist ihnen schon geöffnet worden? Wahrlich, das Wichtigere und Bedeutungsvollere. Ja, sie sind noch in Vielem sehr ungleich gestellt — aber in wie vielem schon gleich! Ja, der Jude hat als solcher noch viele Hindernisse zu überwinden — aber wie viele sind ihm schon geebnet worden! Wir

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