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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-11-28 · Heft 48 (28.11.1840) · p. Seite 685

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 48 (28.11.1840)
Date
1840-11-28
Page
Seite 685 (sequence 9)
Language
German
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685 Palästina begonnen, hatten sie sich bereits bis nach Spanien gezogen, aber überall blieben sie ein isolirter, ungemischter und unrecipirter Körper. Von der einen Seite das Vae victis, welches sie tief unter die Verbindung mit allen denen stellte, die eine Geltung im römischen Weltreiche gewonnen, und daher ein innigeres Zusammenthun der Besiegten und Verachteten unter sich bewirkte, von der andern Seite ihre fremdartige Gesittung, ihre um eine Welt verschiedenen Religionsansichten und religiösen Gebräuche, die sie vielfach in das gesellige Leben der anderen Völker und in soziale Verbindungen zu treten behinderten — diese beiden Momente mußten eine Jsolirung Hervorbringen. Zunächst mochte wol das traurige Schicksal, das die römischen Sieger den zerstreuten Juden bereiteten, das Elend, dem diese unterlagen, bis sie sich durch Fleiß und Gewandtheit wieder hervorgearbeitet, nicht die freundlichste Gesinnung in ihnen wider die Machtinhaber erwirken können: aber es war eine traurige, wenn auch sehr natürliche Folge ihrer isolirten Stellung, daß man in ihrem Beharren bei den väterlichen Sitten nur eine feindliche Gesinnung annahm. ÄUe Vorurtheile dieser' Art wider die Juden, die bis heute noch so vielfach im Schwange sind, finden sich schon bei den griechischen und römischen Autoren. Diodorus Siculus bringt (10 nach d. g. Z.) schon Ursache und Wirkung ganz dicht zusammen, indem er (Bibi. hist. Tom. II. Eclog. XXXIV, 1. p. 524) sagt: „Sie allein halten sich von aller Vermischung mit den anderen Völkern fern, und sehen Alle als feindlich an." Ja, Apion (30 nach d. g. Z.), der Eisenmenger des Alterthums, log den Juden einen Schwur beim Schöpfer des Himmels und der Erde, keinem Menschen von anderm Stamme wohlgesinnt zu sein, an, wogegen Josephus kräftig auftritt (c. Ap.II, 10). So legt ihnen auch Juvenal (100 nach d. g. Z.) die gehässigste Gesinnung gegen alle Andersgläubigen unter (Sat. XIV, 104. 105). Auch Dio Cassius (155 nach d. g. Z.) übergeht ihre Einsamkeit nicht, indem er (Lib. XXXVI. p. 37. ed. Hanov.) von ihnen sagt: „Sie sind abgeschieden von den übrigen Menschen, sowol in der ganzen Lebensweise, als auch weil sie von den anderen Göttern keinen ehren, sondern hartnäckig nur Einen anbeten, ohne Bild, unnennbar und unsichtbar." So spricht es noch Philostratus (210 nach d. g. Z.) aus (Vit. Apollon. Tyan. Lib. V, II), daß sie nicht bloß von den Römern, sondern von allen Menschen weit abstehen, da sie weder Tisch, noch Bett mit anderen Menschen gemeinsam haben, und nicht Gebet und Opfer mit ihnen vereinigen. Die absondernden Speisegesetze rückt ihnen noch Ruttlius Numatianus (400 nach d. g. Z.) vor (Itinerar. I. -vers. 384). Alles dieses faßte aber Niemand schärfer zusammen, als Tacitus (60 nach d. g. Z.), der, ein Zeitgenosse der Zerstörung Jerusalem's und der Zerstreuung der Juden, das Uebel in seiner ganzen Stärke kennt, und daher (Hist. lib. V. cap. 5) sie charakterisirt: „Unter sich eine ausdauernde Treue, immer bereite Barmherzigkeit, aber gegen alle Anderen ein feindlicher Haß, getrennt von den Mahlen, abgesondert an ehelichem Lager." Man erwäge, was ihnen zu dieser Zeit geschehen, man erinnere sich, was man ihnen so eben geraubt, wie man mit den Besiegten, die Religion, Vaterland und Freiheit bis zum Tode vertheidigt, umgegangen, wie der „Menschenfreund, liche" Titus Tausende wiederholt den wilden Thieren „zum Ergötzen seiner Soldaten," „zur Feier des väterlichen Geburtstages" vorgeworfen, und man muß die Kurzsichtigkeit des Tacitus bewundern, daß er solches den Juden zum Vorwurf machen könne. Jndeß ist auch hier sehr zu berücksichtigen, daß, wer von den wahren Verhältnissen des.Lebens unterrichtet sein will, sich ja nicht an den Aussprüchen der Schriftsteller halten müsse. Sei es Individualität, sei es beschränkte Wahrnehmung, sei es Parteilichkeit, oder endlich die Sucht nach dem Extremen, selten kömmt ein Autor dazu, die Erscheinungen des Lebens richtig darzustellen, und nicht zu übertreiben, die Farben nicht zu dick aufzutragen. Die soziale Stellung der Juden mußte sich bis zur Herrschaft des Christenthums sehr gebessert haben, die Berührungen mußten sehr innig geworden sein, das verrathen uns einzelne Winke. Daher die eigenthümliche Erscheinung, daß sich viele römische Jünglinge dem jüdischen Gesetze näherten, und ihm anhingen, und dies in einer Ausdehnung, daß es schon die Klage des. Satyrikers hervorrief (Juvenal, Sat. YIV, 97 sen.), und später das oft wiederholte Verbot des Gesetzgebers. Dieser einzige Umstand zeigt uns die wirklichen Verhältnisse der Juden in ganz anderm Lichte. Denn mit dem Anwachs des 48»

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