Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1840)
- Date
- 1840-11-28
- Page
- Seite 684 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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684 Un, daß der Vers. den rechten Ton getroffen hat, der zwischen Gewöhnlichkeit und Ueberschwung, zwischen Reflexion und Sentimentalität, zwischen Schwere des Ausdrucks und Seichtigkeit mitten hinein zu greifen hat. Es ist hier die Aufgabe, diejenigen Gedanken und Empfindungen, die in allen Menschen Wiederhall finden, besonders an ausgezeichneten Tagen, zu wecken, die Saiten anzuschlagen, die am Ende in jedem Herzen vibriren. Demungeachtet verhehlen wir nicht,' daß uns die prosaischen Gebete zu lang scheinen, welche Lange bei ruhigem, gemessenem Vortrage ermüden muß, ein Fehler , der den Piutim so nachtheilig geworden, daß deren Dichter wahrlich keine Freude haben würden, wenn sie ihre Produkte in den Synagogen ab laufen, ihre gewählten Worte verschlucken hörten. Ebenso leiden die metrischen Stücke an der Manier, die durch Rückert hereingebracht worden, und — unserm individuellen Gefühle nicht zusagt, das ist die Einförmigkeit der Endsylben, noch dazu der männlichen Reime mit der monotonen Strophenlänge und Häufung der einsylbigen Wörter, und daß wir gleich Alles sagen, mit der harten Apostrophirung, und dem Gewicht auf Worte, die aus dieses im Satze keinen Anspruch machen können. Z. B. in dem trefflichen, ersten Gedichte: „Oft seufzt das Herz so bange, dünkt ihm der Trost so weit/' So wird No. 4 durch die ganze Form sehr matt, auch z. 83. in demselben: „Aufmeiner Zung' kein Wort ff/' So sind die endlosen männlichen Reime in No. 7 höchst ermattend, und könnten nur durch den kunstvollsten Vortrag gehalten werden, wo denn auch falsche Reime nicht zu vermeiden sind, wie: umgethan, an, Bahn, verehrt, gestört, bedräut, Zeit. Oder: „Sein Reich auch rheilt er zwischen Knecht und Sohn. Was thust nun Du, Verläumder! Gott straft schon. Je begabter Herr Stein, je gewandter er in der metrischen Form ist, desto mehr muß er sich in Acht nehmen. Auch Rückert verfiel durch seine Gewandtheit in Trivialitäten. Sd ist der Gesang vor dem Schofarblasen (S. 29) sehr trivial, und hier, wo sehr tief in die Seele des Menschen gegriffen werden konnte, gerieth der Verf. in höchst flaches Geleier. „Und laßt den Sündenlauf," „Vernimm, o Herr, mein Rufen laut. Und hör' mein still Gebet" ff. sind keine erhebenden, die mysteriöse Handlung bedeutsam hervorhebenden Phrasen. Wie sticht hingegen das köstliche Hallelujah nach dieser Handlung ab! (S. 32). Herr Stein wird wahrscheinlich nicht mit uns übereinstimmen, und mögen wir Niemandem unsre Ansicht aufdrangen, allein die langen sechsfüßigen Jamben voll einsylbiger Worte und mit männlichem Endreim, in denen y'LN ^2 ^^8 yms (S. 34) u. 8L S. 41. ff. vorgetragen werden, scheint uns überhaupt, und für den Gottesdienst insbesondere nicht zweckmäßig. — ®an$ vorzüglich z. B. ist die Keduscha für Schrchrit des Versöhnungstages (S. 90). Nur haben wir auch hier zu bemerken, was für das Ganze gilt: die Meisterhaftigkeit der Form besteht in der harmonischen Verschmelzung mannichfaltiger Formen, was außerhalb dieses Grundsatzes fallt, wird nur theilweise auf Vollendung ansprechen können. Dies auf den Reim angewender, muß die Abwechselung männlicher und weiblicher Reime, nicht bloß mit einander, .sondern unter einander empfohlen werden. In Bezug auf das Versmaaß, muß in einer Sammlung von Gesängen auf Abwechselung in Jamben, Trochäen, Anapästen, Daktylen gedrungen werden. Sonst ist Monotonie nicht zu vermeiden, und Alles erscheint über einen Leisten gezogen. Diese spezielle Diskussion wird dem Herrn Verf. bezeugen, welchen Werth wir seinen Produktionen beilegen, wie viel wir noch von seinem hymnologischen Talente erwarten. Vielleicht daß ihm Manches einleuchtet, und als Wink benutzt wird. — Die Schrift ist ein wenig zu klein. Tages-Controle. Ueber die soziale Stellung der Jude». (Schluß.) Die Zurücksetzung der Juden in sozialer Beziehung, ihre Ausschließung und Abstoßung von dm Kreisen des äußern Lebens, mit einem Worte ihre soziale Jsolirung ist so alt, wie ihre Zerstreuung unter den Völkern. Lange bevor Jerusalem zertrümmert, der Tempel verbrannt worden, zwei Jahrhun» derte früher hatte die Auswanderung der Juden auö