Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1840)
- Date
- 1840-11-28
- Page
- Seite 683 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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683 ziel alles Wortes ist? Nicht daß man dem Publikum schmeicheln solle, wohl aber daß die Wahrheit nicht so herbe, wie ein rauher Novembertag in's Land, dem Zuhörer in's Ohr fallen soll, das er dann zuschließt, lange bevor der Redner gecndet. Der erste Satz beantwortet die Frage: was wir erwarten? Die Antwort lautet: Wir sotten Nichts erwarten, bevor wir Nichts gethan, was zu erwarten berechtigt. Der zweite Satz: was wir erlangen? Antwort: Nichts, wenn wir nicht selbst zu erlangen suchen durch Gerechtigkeit. Der dritte Satz: was wir geben? Nichts, wenn wir nicht huldigen in Wahrheit. So b'esteht der ganze Vortrag nur im dritten Satze: wenn ihr Nichts gebet, erlangt ihr Nichts, und das ist eben nur negativ. Der Eindruck kann daher nur — negativ sein. Daß die Sprache gediegen und rein ist, brauchen wir nicht zu bemerken. — Die Predigt des I)r. Geiger ist eine wirkliche Jubelpredigt, da darin nur vom „Jubel beim Heile des Königs," und wie auch die Israeliten jetzt diesem Jubel sich hingeben können, die Rede ist. Es sind dabei kräftige, sententiöse und unumwundene Worte gesprochen. Die Predigt als Ganzes leidet an den Fehlern der früher uns zugekomwenen Vorträge des Verfassers, intern sie bloß eine Reihe schöner Perioden, ohne logische Verarbeitung ist. Die Ueberfülle von Sentenzen aus Schrift und Tradition, die oft sehr weit hergeholt und fremdartig sind, hat wol in der Lokalität ihren Grund. — Wenn die Bescheidenheit, mit der Herr Merfeld in seinem Vorworte seinen Vortrag einteitet, uns schon gebietet, einen freundlichen Blick auf diesen zu werfen, so wird dieser bei'der Angemessenheit, Würde, Lauterkeit und Innigkeit der Rede selbst noch milder, um so mehr, da der Vers, ein anstrebender, junger Redner ist. Wir können ihn nur aus vollem Herzen ermuntern, und freuen uns im Voraus des Gelingens. — Magdeburg, 17.Nov. Angekommen: nib Conjugations- und Deklinations-Tabelle der hebräischen Sprache. Schwerin a. W. 1839. Der Titel giebt den Inhalt. Wir loben die Schönheit der Typen. Die Anordnung ist.die gewöhnliche. Wir tadeln nur das Eine, daß die Anmerkungen in hebräischer Sprache abgefaßt sind, da diese Tabelle doch den Schülern in die Hand gegeben werden sott. — rpan ptm.' Gebete und Gesänge zum Gebrauche bei der öffentlichen Andacht der Israeliten. Oder: Bausteine eines veredelten Synagogengottesdienstes. Erste Lieferung: Neujahr und Vecsöhnungstag. Herausgegeben von Leopold Stein. Erlangen, 1840. Der Vers., ein edeles, israelitisches Herz, dessen reine Absichten vor jeder Mißverkennung zu schützen sind, spricht in dem Vorworte seinen Zweck klar aus. Seine Ansicht ist: die eigentliche Tesila soll in hebräischer Sprache in der Synagoge verbleiben, nur die später hinzugekommenen Piutim durch deutsche Gesänge und Gebete, die jedoch meist Verarbeitungen der alten Stücke, weil diese einen großen Fonds israelitisch-religiöser Anschauung enthalten, sein müßten, verdrängt werden. Seine Gründe sind klar gegeben. (Das Wortspiel mit „Erbauung" ist nicht glücklich, es hatte das andre Mal „Aufbauung" heißen müssen») Hier werden nun solche Arbeiten für, d'rn rfn gegeben, in der Folge soll ein Mehreres gespendet werden. Ein solches Werk, zu allgemeinem Zwecke hingegeben, kann mit einem vorübergehenden Einzelurtheil nicht abgethan sein, und unterliegt dem Urtheile der Zeit und Zukunft. Der Wunsch, das Bedürsniß nach veredeltem Gottesdienste gewinnt mit jedem Tage an Raum. Jndeß eben so unklar sind noch die Begriffe, die man von einem solchen hegt, so unsicher sind noch alle Schritte, die man bis jetzt gethan. Es fleht gar nicht in der Macht des Einzelnen, das Allein-Rechte hierin zu produciren, sondern, weil eben die israelitische Kirche nicht in tausend Separatliturgien zerfallen soll, kann auch die Reform nur Produkt der ganzen Zeit sein. Sieht man also hierin in eine Zukunft, die noch keine feste Gestaltung angenommen, sondern die im Prozesse des Werdens, einem auf allen Gebieten unbekannten Prozesse, begriffen ist: so kann es nur höchlichst erfreuen, und die Hoffnung auf die Zukunft sicher stellen, wenn mittlerweile tüchtige Bausteine herbeigeschafft werden, so daß der Zukunft ein reiches Materiale vorbereitet wird. Als solche würdigen wir auch die vorliegende Schrift, wenn wir auch die Bezeichnung der „Erstlingsgabe" nicht annehmen können, da die reichliche, wenn auch nicht reiche liturgische und hymnologische Literatur der jüngsten Zeit, z. B. auch das treffliche Wiener Festgeberbuch, schon hinlänglich vorgearbeitet hat. — Also über die Zweckmäßigkeit der Anordnungen, die Herr Stein mit seinem Werke treffen und empfehlen will, heute kein Wort, sondern nur über den Inhalt. Es werden uns theils eigene Ociginalarbeiten, wie Lieder, metrische und ungebundene Gebete, theils Uebersetzungen und freiere Bearbeitungen alter hebräischer Gebetstücke vorgelegt. Im Allgemeinen läßt sich hier das Urtheit fal-