Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1840)
- Date
- 1840-11-28
- Page
- Seite 682 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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682 gegenständen entfernen wird. Beide, sowot diese Unlust des Schülers als genannte Klage des Lehrers, entspringen aus der noch immer üblichen Methode: den Schüler ein Stück aus der H. S. sich solange! mechanisch vorübcrsctzen zu lasten, bis er die Übersetzung gedankenlos und oft unverstanden nachsprechen kann, wodurch er aus Mangel an eigener Geistesthatigkeit, bei aller Geschicklichkeit des Lehrers, sich dennoch sehr bald langweilt und des Lehrgegenstandes selbst überdrüßig wird, welches aber nicht stattfinden würde, wenn der Schüler auf seine hebräische Aufgabe, so wie auf seinen Hmuyue oder seinen Cornelius Nepos, mit Hülfe seines Wörterbuchs und seiner Grammatik, sich selbstständig vorbereiten und dadurch seinen Fleiß und seinen Scharfsinn vom Lehrer anerkannt sehen könnte *). Der würdige Herr Vers, des vorliegenden Biblisch-hebräischen Wörterbuches hat es uns durch sein unermüdliches, und in jeder Hinsicht umsichtiges, Streben möglich gemacht den Unterricht in der hebräischen Sprache auf dem grammatisch-analytischen, progressiven Wege, so wie jede andere Sprache zu lehren; er beschenkte uns im Jahre 1837 mit der zweiten Auflage einer biblischen Geschichte in der Ursache der heiligen Schrift (ms« nnVin), höchst geeignet zur Uebung im Uebersetzen, 1838 mit einer hebräischen Sprachlehre für Schulen (•pcbin •mo*») und nun 1840 mit diesem Wörterbuche und bietet somit in diesem Literarischen Kleeblatte dem Lehrer und dem Schüler das zweckmäßigste Mittel dar: den Unterricht in dieser Sprache anregend und belebend zu erhalten und zugleich in kurzer Zeit vieles zu leisten. So viel über den praktischen Werth dieser Schrift.— Ihren wissenschaftlichen Gehalt theilt sie vollkommen mit den andern linguistischen und theologischen Produkten des Herrn Verfassers und zeigt, wie diese, die genaue Sachkenntniß, die strenggewissenhaste Vorsicht und die unbefangene klare Kritik, mit welcher derselbe seinen Stoff zu behandeln weiß. Die Kunst: Ausführlichkeit mit Kürze und die subjective Ansicht mit dem objectiv Gegebenen innig zu verbinden, tritt deutlich im vorliegenden Werke hervor. Es leistet mit der Hälfte seines Inhaltes die Dienste einer Conkordanz und verdient durch die Behandlung seiner Artikel jedem andern Lexicon der hebral- *) Die bloße Präparation genügt allein wol nicht, um den Unterricht interessanter zu machen, sondern die Methode und Auslegung des Lehrers in der Lehrstunde selbst. Redakt. schen Sprache, vorzüglich wegen der Berücksichtigung der rabblnischen Schriften, zur Seite gestellt zu werden. An die Stelle der Angabe der etymologischen Verwandtschaft der hebräischen Sprache mit den anderen semitischen Sprachstammen tritt hier das stete Nachweisen der Verwandtschaft zwischen den Wurzeln dieser Sprache selbst, sowie aller Synonyme eines Wortes. Ueberraschend stellen einige Art. dem Psychologen die Verzweigungen der Bedeutungen dar, welche aus einer und derselben Wurzel im Munde des Volkes sich gliederten und entwickelten. So zeigt uns, um als Nachweis aus dem Vielen nur Eines aufzugreifen, die Wurzel VN2 als Grundbedeutung „anderes Sinnes werden" deßhalb in ihren Verzweigungen: bereuen, sich trösten, sich Genugthuung verschaffen, sich rächen, sich bedenken; demnach überhaupt: eine Veränderung des Gefühls, der Ansicht, des Entschlusses u. s. w. (ek. die Artt. ins u. a.) Eine schöne Zulage für die Gegenwart, in welcher das Studium in den rabbinischen Schriften nicht mehr die Axe der ganzen Jugendbel'chaftigung bildet und jenes Uebergehen aller Ausdrücke derselben in succuin et sanguinem deßhalb nicht mehr gefodert werden kann, ist der Anhang: Erklärung der in rabbinischen Schriften üblichen Abbreviaturen (mäTi enthaltend. — Die gesätlige Ausstattung des Buches genügt den Anfoderungen an die Typographie, welche wir, bei der Ehre, die ihr gegenwärtig allgemein gezollt ward, mit vollem Recht an sie richten dürfen. — Möge der würdige Veteran unserer deutschen Schriftsteller auf dem Gebiete der jüdischen Theologie mit seinem jugendlichen Geiste uns durch dis schönen Resultate seiner kräftigen Muße noch recht oft und recht lange erfreuen. — Dr. S. Formstecher, Prediger an der Synagoge zu Offenbach, Magdeburg, 16. Nov. Angekommen: Festreden zur Huldigung rc. von Dr. Zunz, Dr. Geiger, A. Merfeld. Berlin. Breslau. Achen. — Die erste Predigt von Dr. Z. hat einen eigenen, nämlich negativen Charakter. Es geht ein Grundzug durch dieselbe: die Unzufriedenheit mit seinem Publikum. Diese hat der Reoner am stacksten ausgeprägt, und man steht ihm an, daß er es gern noch mehr gethan hatte, wenn die Gelegenheit dazu angemessen gewesen wäre. Ein Zunz nimmt kein Blatt vor den Mund, wie man zu sagen pflegt. Allein ob er doch ganz recht daran gethan? Muß ' man nicht immer auf die Wirkung sehen, die das End-