Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-11-28 · Heft 48 (28.11.1840) · p. Seite 680

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 48 (28.11.1840)
Date
1840-11-28
Page
Seite 680 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3225119-3225168--03133-3312657
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

680 aber sein, den Zug der Wahlverwandschaft, welcher den Juden, diesen geächteten und ausgestoßenen Sohn der Geschichte, vorzugsweise zu den Deutschen getrieben, genügend zu erklären. Ist es der sympathetische Zug einer zerstoßenen und unglücklichen Nationalität, welche diese zwei Volksindividualitäten innerlich angenähert hat, oder liegt diese Annäherung in dem ibnen beiden gemeinsamen Hang zu einer mystischen Einfriedigung in sich selbst, und in der die öffentlichen Interessen zurückdrängendcn Familiengemüthlichkeit, und Kleinkramergeschäftigkeit? Mag cs sein was es will, der Jude und der Deutsche gehen mit einander in einer unzertrennlichen Gemeinschaft und haben sich auf dem Wege, den sie bereits zusammen zurückgelegt, so an diese Verbindung gewöhnt, daß schwerlich Einer den Andern mehr entbehren konnte! — Rußland und Polen. Warschau, 3. Nov. (Privatmitth.) In der hiesigen Gazeta Pvranna (Morgenzeitung) No. 280 vom 21. Oktober befindet sich unter den MiSzellanea rin dem Pygodnik Petersburgski (Petersb. Wochenblatt) entnommener Aufsatz betitelt: die Rechenmaschine, den wir hier berichtigen, und zum Lheil übersetzen müssen. In der Einleitung gesteht der Vers, ein, daß er mit vieler Freude aus den Zeitungen vernommen hätte, wie die jüdische Bevölkerung Rußland's, diese sonst so tief gestellte Menschenklaffe, durch Ergreifung von Handwerken und Landbau sich zu einer ehrenvollen Stufe erhoben und alle früheren Vorurthcile abgelegt hat. Die Anlegung von Schulen in Lithauen, Kur- und Liefland wird rühmlichst erwähnt. Schon giebt es Viele, fährt der Verf. fort, unter den (russischen) Juden, die sich schönen und nützlichen Künsten und Wissenschaften widmen, und durch ihr Studium sich Ruhm und dem Lande Nutzen verjchafft haben. Viele, heißt es ferner, bekleiden öffentliche Aemter, als Aerzte, Apotheker und Thierarzte. Hier scheint der Verf. vergessen zu haben, daß es neulich wiederum den Israeliten in Rußland durch einen Allerhöchsten Mas verboten worden ist, irgend ein Amt als Arzt z. B. Physikate zu bekleiden, und daß sie weder Apotheker noch Thierarzte werden dürfen, ist bekannt. Möchte doch der Jrrthum des Verf. recht bald zur Wahrheit für uns werden. — Plötzlich lenkt der Verf. auf den betitelten Gegenstand ein, und erzählt uns als eine denkwürdige Sache, daß Herr Z. Slonimski aus Bialystock der Erfinder einer Rechenmaschine wäre, die er nun näher beschreibt. Hier scheint ein l)ui pro <juo zu herrschen, und wir müssen uns wundern, daß die Redaktionen der oben genannten zwei polnischen Zeitblätter die Verwechselung von Personen und Sachen so ungerügt durchließen und den Aufsatz abdrucken ließen. Herr Slonimski ist uns Allen hier sehr gut bekannt als tüchtiger Astronom und großer Mathematiker, als Verfasser von den astronomischen Werken: vnsvi 82212 Wilno 183») und mbin Warschau 1838), aber nicht als Erfinder einer Rechenmaschine, die er unbestritten unsrem Herrn Stern überläßt. Ueber den Werth der astronomischen Leistungen des Herrn Slonimski herrscht nur eine Stimme und als Beweis davon übersetzen wir die Paar Worte, die der Direktor des hiesigen astronomischen Observatoriums bei Pränumeration des letztem Werkes an den Verfasser richtete. Es heißt daselbst: „die Unbekannt- „schast mit der hebräischen Sprache beraubt mich „zwar der Fähigkeit, das mir im Manuscripte vor- „gelegte Werk über Astronomie und Mathematik des „Herrn Slominski gehörig zu würdigen, jedoch habe „ich mich durch eine mehrstündige Unterhaltung über- „zeugt,' daß der Verfasser jenes Werkes so viele „Kenntniß in jenen beiden Wissenschaften besitzt, „daß er zu den höchst seltenen Erscheinungen in die- „ser Art unter den Israeliten unsres Landes gezählt „zu werden verdient. Daher kann ich wol mit Recht „schließen, daß das vorliegende Werk den ungewöhn- „lichen Kenntnissen des Verf. in Astronomie und „Mathematik gewiß entsprechen wird.. Mit Verehrung erkenne ich im Verfasser das sehr lobenswerthe „Streben an, den Israeliten unsres Landes in die- „sen nützlichen Wissenschaften die nöthigen Kenntnisse „zu verschaffen und bemerke mit Freude, daß auch „in Polen die Israeliten ungewöhnliche Fortschritte „in Bildung und Aufklärung durch geistige Arbei- „ten zu beweisen bemüht sind. (Unterschrieben) „Franz Arnimski, Direktor des astronomischen Ob- „servatoriums (Unters.) T. Baranowski, Adjutor „beim Observatorium. Warschau den 28. Januar „1838. — Dieses lobenswerthe Zeugniß eines unsrer ersten Astronomen dient als Bestätigung unsrer Worte. —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.