Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1840)
- Date
- 1840-11-28
- Page
- Seite 679 (sequence 3)
- Language
- German
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679 „vom Norgen nach Süden alle Schäden vernarbt, „alle Wunden verschmerzt, alle Thronen getrvck- „net, alle früheren Leiden vergessen sein und „Kummer und Gram kommen nicht mehr auf in „den Herzen. Amen!" dem die Abbrennung eines brillantenen Feuerwerks folgte. — So endeten wir diesen Tag in feierlicher Stille; aber die Freude tönte fort bis zum 20. v. M., dem Schluß- und Frcudentage unserer eingetretenen Feste, an welchem, bezüglich der Statt gehabten Ereignisse, die Speisung der Waisenknaben, die bis dahin verschoben, von den Repräsentanten veranstaltet und bei welcher Gelegenheit Herr Wiener wiederum so gütig war, einen kleinen cxtemporirten Wortrag über 5 M. 16. 14 u. 13, die Quelle und Bedingung ungetrübter Freudigkeit in Thatigkeit, Wohlthatigkeit und Mäßigkeit aufsuchend, zu halten. — Die unvorbereiteten ungeschmückten Worte, die, keine Refleclion des Geistes, dem mächtigen Zuge und Drange des Herzens folgten, wirkten begeisternd auf die Gemüther der Zuhörer; die verwaisten Knaben vergossen Thränen der Rührung; die Repräsentanten und resp. übrigen Anwesenden bewiesen den Erfolg dieser Erbauung durch den sprechendsten aller Beweise: durch die That. Reichliche Spenden über Erwarten fielen für die wohlthätigste aller Anstalten: die Erziehung verwaister Kinder. — So schließen denn auch wir diesen Bericht mit dem Psalmisten und dem Redner: „Dieses gedoppelte Freudenfest hat uns der Ewige „bereitet, wir wollen auch in Zukunft uns freuen „und frohlocken an demselben. Amen!" — Die Repräsentanten der israelit. Gemeinde zu Posen. Krakau. (Schluß des Artikels aus Krakau.) Ein solcher künstlich angelegter Mechanismus wankt dann kecklich durch Stadt und Land und sucht den armseligen Gewinn zu erlisten, wo er kann. — Die Sitten der polnischen Juden, besonders des weiblichen Geschlechts, gelten für sehr verderbt. Dieser Umstand ist um so bemerkenswerther, als sonst die jüdischen Frauen, da wo die Juden in einem berechtigten und geordneten Gesellschaftsverbande leben, gerade durch eine strenge und unantastbare Sittlichkeit selbst vor den Christinnen sich auszeichnen. Bei allem Feuer ihres Temperaments sind die Jüdinnen in der Regel kalt gegen jede Verführung, wckche sie der Treue abwendig machen möchte, und ein eigenthümlicher persönlicher Stolz sowie der Geist der Familie, in dem sie wurzeln, und der ihnen das Bewußtsein einer ethischen Würde giebt, halten diese Töchter des patriarchalischen Volkes davon ab, so leicht in Unsittlichkeit zu versinken. Dies Verhältniß zeigt sich umgekehrt, wo die Juden durch den Druck ihrer allgemeinen Zustände in einer gewaltsamen Entartung erhalten werden "). — Die Sprache der polnischen Juden ist vorzugsweise das Deutsche, das sie, obwol mit dem eigenthümlichen verderbten Dialekt, sehr geläufig reden. Man bemerkt aber nicht nur bei den Juden in diesem Lande, sondern überhaupt bei allen Juden eine überwiegende Hinneigung zu dem germanischen Element, die oft in Erstaunen setzen kann. Trotz dem daß die Juden von dem vorurtheilsvollen, pedantischen und fanatischen Wesen der Deutschen die größten Mißhandlungen und die geringsten Begünstigungen erfahren haben, ließen sie sich doch stets mit Vorliebe in Deutschland nieder und ver» schmolzen verwandschaftlich mit dieser Nation, soweit das Judcnthum immer verschmelzen kann. In den entlegensten Einöden der Karpathen, wo man sonst keinen deutschen Laut vernimmt, begegnet man deutschsprechenden Juden, die als Bauern oder als Schenkwirlhe oft mitten im unwegsamsten Gebirge durch die barocke Originalität ihrer Erscheinung, welche sie nirgends verlieren, den Reisenden überraschen. Ihre Sprachgewandtheit, welche sie zu Dolmetschern der Fremden macht, stempelt sie auch vorzüglich zu Schenkwirthen, und so findet man in Polen den Betrieb der Gastwirthschaft hauptsächlich in den Händen der Juden, was ihnen Gelegenheit giebt, so manche Kränkung) welche der Christ ihnen zufügt, auf genugthuende Weise zu vergelten, wäre es auch nur durch den Schmutz und das Ungeziefer, das sie den bei ihnen einkehrenden Fremden mit auf den Weg geben, und wodurch sie sich oft ein so dauerhaftes Andenken pflanzen. Schwer möchte es °) Wie falsch dieser Schluß, beweist die allgemein gerühmte Sittlichkeit der orientalischen Jüdinnen. Redakt.