Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-11-21 · Heft 47 (21.11.1840) · p. Seite 675

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 47 (21.11.1840)
Date
1840-11-21
Page
Seite 675 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225119-3225167--03127-3312650
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

T57t> Worten euch, was ihr wollt — nur das Wort Gottes sagt uns, was wir nicht wissen, und was wir oft nicht wissen mögen., (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. ^~ , , , Die Verlagshandlung. A n s z rr g e. Bilder ans dem Orient. I. Smyrna. (Aus der „Europa.") Es war schon Abend, als wkr das Judenviertel betraten. Malerisch und schön fanden wir das fromme Treiben hier. Die Juden (meistens in früheren Zeiten aus Spanien vertrieben, und nach dem Orient geflüchtet), feierten gerade ihr Osterfest, und zeigten sich in ihrem Viertel ungequalt und ungestört, in acht orientalischer Pracht und Ueppigkeit, der Geist des Handels ruhte während des Festtages. Die Kontobücher waren geschloffen, und die Gebetbücher offen. Aus den Synagogen (deren neun vorhanden sind), tönte das Lob Gottes. In den schön geschmückten Wohnungen dünkte sich heute jeder Hausvater ein König, und seine Krone war eine Schlafmütze. Das ungesäuerte Brod lag in runden flachen Formen neben dem goldenen Weinpokale, und die niederen Tische beugten sich unter der Last der herrlichen Gefäße, die die heiligen Ingredienzen zu den vorgeschriebenen Ceremonieen enthielten. Wenn wir die Männer mit ihren langen Barten und in ihren rothen Kaftans schön wie die Apostel fanden, so waren die Weiber und Mädchen in ihrer reichen, phantastischen Tracht wirklich Madonnen zu nennen. Fabelhaft schön, unvergleichlich reize,nd, dabei die süße spanische Sprache, die Zartheit aller Formen, die glühenden und doch so sanften Augen, die fromme stille Ergebenheit in ihr gedrücktes Schicksal.- (Schluß folgt.) S5T Das Taschenbuch Zeschurun betreffend. Die Herausgabe dieses Taschenbuches hat schon vor dessen Erscheinen den lebhaftesten Anklang gefunden, und der Unterzeichnete Verleger erhält fortdauernd von den achtbarsten Männern und wahren Freunden der guten Sache die unzweideutigsten Beweise, wie sehr sie wünschen, daß das Unternehmen durch einen recht lebhaften Absatz des Taschenbuchs unterstützt, und sein Fortbestehen dadurch gesichert werdest möge. Auch haben sich bereits die geachtetsten Zeitschriften höchst empfehlend darüber ausgesprochen, und da letztere nicht in die Hände aller derjenigen kommen, welche das Buch kaufen möchten, so sei es erlaubt, Auszüge aus den bis jetzt erschienenen Recenstonen hier zusammenzustellen. 1) Ioft israelitische Annalen. „Die Ankündigung dieses Taschenbuches ließ uns eine jener Fabnkarbciten erwarten, die mit der äußeren Einfassung und Bekleidung auf Meßfremde berechnet, keiner sonstigen Beachtung werth sein dürfte; ja wir fürchteten fast in dieser partikulären Belletristik eine Ausgeburt jener Selbstgefälligkeit zu sehen, die einer eben erst entstehenden Literatur eigen ist, in welcher die Modeformen sich versuchen, und so lange sich lächerlich machen, bis der männliche Ernst eine beständige und charakteriste Einkleidung für ächte Geistesprodukte gefunden habe. Zu solcher Besorgnis finden wir leider in mancherlei ästhetischen und poetischen Faseleien unreifer oder unwahrer Schriftsteller unserer Zeit genügenden Anlaß. Aber wir gestehen gern, daß diesmal unsere Besorgniß durchaus ungegründet war, und daß wir hier eine Sammlung von Poesieen und Schilderungen erhalten haben, die eö wohl verdienen, einer ernsten Aufmerksamkeit gewürdigt zu werden, und welche die Herausgeber nicht mit Unrecht durch eine gefällige Ausstattung in die Welt einführten. Mag es immerhin Lesern, die nur durch ein buntes Vielerlei unterhalten sein wollen, langweilig erscheinen, hintereinander nur eine Saite des Lebens tönen zu hören, und zwar oft mehr klagend und mancherlei Dissonanzen einmischend; dennoch verkennen wir nicht, daß die poetische Auffassung vieler als höchst trivial betrachteter Lebensverhältniffe, die farbenreiche Schilderung mancher Scenen, und die muntere Frische, welche in Gedichten und Erzählungen durchweg herrscht, und die gesunden Lebensansichten, welche aus der Wanderschaft mitten durch Trümmer und Gestrüpp gewonnen werden, eben so sehr unterhaltende Mannichfaltigkeit, als auch kräftige Anregung, Berichtigung der Begriffe, und, ^wir setzen gerne hinzu, auch moralische Veredlung mit sich führen. Und in dieser Ueberzeugung empfehlen wir das genannte Taschenbuch als ein sehr schönes und werchvolles Produkt unserer Zeit:c- 2) Zeitung für die elegante Welt. Es ist ein gutes Zeichen, daß die Vernünfrigern unter den Juden endlich nicht mehr blos um das tägliche Brod ihrer Emancipation schreiben, sondern in der Poesie ihres innern Lebens Erhebung suchen. Ein edler Stolz wird einmal seine Menschenrechte fordern, und dann lieber das Unrecht tragen, als um etwas,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.