Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1840)
- Date
- 1840-11-21
- Page
- Seite 674 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Ü7¥ Haufen ausgiebt, klatschest du ihm Beifall zu, als hätte er dich recht begriffen.- Ja, Herr, deine Werke hast du vor mir ausgebreitet, mit erkennendem Sinne sie zu durchforschen. Aber sie lehren mich nur, was ich schon weiß, und was ich nicht weiß, verschweigen auch sie mir. Viel näher fühle ich dich in meinem eigenen Herzen, und alle Stimmen der Natur sind nur das Echo dieses. Aber wenn nun das Leben mit seinen Wirren, mit seinen Räthseln und Fragen auf mich stürmt, wenn die auf- und absteigenden Wogen des Lebens mein Bewußtsein überfluthen, wenn die Aengste und Verlüste die Saiten meines Geistes verstimmen und ihren Akkord in Unordnung bringen, daß alle seine Töne in! wilden Wirbel Zusammenstürzen — was habe ich dann? Za, mehr als die Geschichte, mehr als der lebende Stamm Israels, spricht die Nothwendigkeit meines Herzens für deine Offenbarung. In der Natur ist Gott in unabsehbarer Höhe über uns, in unserm Geist« ist er in ewigem Wechsel, und den Stimmungen und den ab - oder zunehmenden Kräften unlerworfen. Wie hätte Er uns so allein lasten sollen? Nein, so wahr in uns der ewige Zug der Seele zu Gott geht, so wahr keine rechte Minute unsres Daseins ohne den Aufblick zu Gott sein kann: so wahr hat Gott dem Menschen sich offenbaren müssen! Gott kann keine Sehnsucht anzünden, ohne den Thau des Lebens zu reichen, der sie löschen könne. Gott kann keinen Jrrthum entstehen lassen, ohne die Wahrheit zu spenden, durch die jener schwinden könne. Hat uns Gott so geschaffen, daß wir ewig uns lehnen müssen an ihn, daß wir ewig seiner Hand bedürfen, um ausrecht zu gehen: wie sollte er uns den Stab und die Hand versagen können! Zn der Tiefe meines Herzens fühle ich, daß Gott zu mir hat sprechen, unmittelbar sprechen müssen. Die Schöpfung ist so weit ab und stumm, des Menschen Verstand so trügerisch, sein Herz so wankelmüthig. Einen andern Unterricht mußte er mir geben, ein rechtes Erziehhaus mir schaffen, da er mich dessen bedürftig geschaffen. Sein Wort war meiner Seele so nothwendig, wie die Speise meinem Leibe. Hat er diesen nicht geschaffen, ohne für die Speise zu sorgen, wie sollte er dort anders verfahren? Und nun? was ist denn da so unbegreiflich? — Warum soll denn der Vater zu seinem Kinde nicht sprechen? warum soll er dem, der immer nach ihm hinstrebt, sich hinwiederum nicht nähern, und sein eigenstes Wesen ihm nicht eröffnen? Soll Er das Vögelein und die Blume, soll Er den Sonnenstrahl und das Sternenlicht zu mir senden als Boten, warum nicht noch eher den Menschen zum Menschen, Seinen Geist zu einem Geiste? Zn den heiligsten, erhabensten Momenten meines Lebens fühlte jeder Pulsschlag meines Daseins, daß der Herr mir nahe war und ist, und daß Er Sein Wort an die Fühlfäden meines Geistes gelegt hat. Wie? sollte ich diesen nicht glauben? soll ich lieber der nüchternen Einfalt glauben, wenn der Andrang der materiellen Bedürfnisse und Sorgen jedes höhere Bewußtsein verdrängten und auflösten? Soll ich betrogen sein, wenn ich ganz bin, was ich nur sein kann, oder wenn ich nur bin, was das Außen noch etwa an mir laßt? Das Wort Gottes, ja, es lieget vor mir. Der Vater hat gesprochen. Ob hie und da eine Menschenhand darübergefahren, ob hie und da ein Menschenwort zum Wort Gottes sich gelegt? was kümmert mich das. Die volle Wahrheit soll ja der Mensch nicht erfahren, aber jedenfalls Wahrheit. Und hast du mich je im Stiche gelassen, Wort Gottes? du richtetest mich auf, wenn ich trauerte, und winktest mir, wenn ich jubelten An meinen Freudentagen standst du neben mir, und hinter meinen Särgen zogst du mit mir. Zm Gefängniß machtest du mich frei, und schrecktest mich auf den Märkten. Nie habe ich dich befragt, ohne Antwort zu erhalten, und deine Antwort machte meine Frage zu Schanden, aber ohne mich zu demüthigen. Alle Wolken hast du mir zerstreut durch dein Helles Licht, und den Nebel, der mich umrang, ließest du in leisen Bällchen vor mir aufsteigen, bis eine sonnige Flur mich umgab. Wie könnt'ich da noch zweifeln! So gehet nur. Zhr seid armen Herzens, dir nicht fühlen im Herzen, daß der Vater zu uns sprechen mußte. Ich will euch nicht schmähen, aber bedauern. Täuschet euch mit den Götzen der Natur, mit den Schlüssen des Verstandes — alle diese ant-