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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-11-21 · Heft 47 (21.11.1840) · p. Seite 673

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 47 (21.11.1840)
Date
1840-11-21
Page
Seite 673 (sequence 13)
Language
German
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Auge durch die Hallen der Schöpfung schaut, es bringt die Gewißheit des unendlichen Werkmeisters zurück. — Und dennoch! ich fühle meine Brust erhoben vom Hauche des Frühlings, ich athme mit Lust den süßen Duft, den die frisch geöffneten Kelche in die Lüfte streuen, ich schaue mit Entzücken -in den gestirnten Himmel — und welchen Andrang von Gefühlen wecktest du einst in mir, schwellendes Meer, und deine hüpfenden Wellen, wie sie fort und fort sich drängten in die unabsehbare Ferne, zur Nimmerwiederkehr — und als ich auf dem Gipfel jener Gebirgskette stand, die wie die Walle einer wohlgeordneten Beste ihre absteigenden Höhen in die große, ruhige Ebene gerückt, hoch über dem Wimmeln der Menschen und ihrer Genossen — oder wie ein schwerer Alpdruck sich über meine Seele legt, wenn ich sie in die pfadlose Wüste sende, die, auch eine Unermcßlichkeit, eine trostlose Todtenstätte, hin und wieder ein nackter Fels, als ein Grabstein des Lebens, mit dem Feuerbrande am schwarzdunkeln Himmel- und dennoch! weß Herz wäre offener für deine Wunder, Schöpfung, schlüge freudiger deinen Gestalten und Bewegungen zu — und dennoch! wie wenig befriedigst du mich! Ich muß dich erst zum wüsten Chaos machen, so ich die ordnende Hand hinter dir erblicken und bewundern will; das Leben muß ich tödten, um das schaffende Werde zu vernehmen; die Blume muß ich zerlegen, will ich die Kraft, die sie gewoben, erkennen; die Sterne auslöschen, will ich den recht begreifen, der sie angezündet. Und wie hoch bist du über mir, der über den Sternen wohnet, wie riesig, der dem Meere die Gränze gesetzt, wie gewaltig, der die Berge aufgeworfen — ach, wie weit bin ich von dir, und du von mir! Und dann, wie abhängig ist dein Reiz, Natur, von den Schlägen meines eigenen Herzens. Eine große Bürde aus diesem, ein Gram in ihm, und du kannst dich schmücken, wie du willst, ich gewahre dich nicht, ich gehe unbeachtend vor dir vorüber. Und wie oft fand ich dich grausam, schalt ich dich treulos und falsch. Als ich glücklich war, da jubeltest du und jauchztest mit mir, und benutztest meine Freude, mit mir fröhlich und voll Entzückens zu sein. Aber da mir das Theuerste genommen worden, breitetest du den klarsten Himmel darüber; als ich trauerte, blühten deine Kelche am lustigsten, als ich in Sack und Asche ging, hattest du das prangendste Festkleid angezogen, und so zog ich hinter der schwarzen Sargdecke, unter der die Freude meines Lebens erkaltet lag, durch eine höhnisch neckende Blüthenflur. Was geht mich dein Schmerz an! rief es aus jedem Strauche mir zu. Was kümmern mich deine Wunden! schlug die jubelnde Lerche auf. Nein, du birgst keinen Trost für ein leidend menschliches Herz, Natur — vom Armen wendest du dich spröde ab, wie ein rechter Reicher. Und wie zürne ich dir erst, wenn ich das Buch der Geschichte aufschlage. Wie bist du umgegangen mit der leichtbethörten Menschheit, du, die sich so gern Lehrmeisterin des Menschen nennen, und als solcher huldigen läßt, die ihren Jüngern eine Fülle von Weisheit, einen Schatz von Erkenntniß verspricht. Wo war ein Jrrthum, den du nicht gut hießest, Natur? Wo eine Lüge, ein Phantom, denen du nicht Beweise liehest? Wie gabst du dich als Buhlerin hin Jedem, der mit dm Gebilden und Dichtungen seines Hirns dich bevölkern wollte, strecktest dich nach der Decke jedes Systems, steder Theorie! — Und hast du etwa dich gescheut, den Saum deines Meisters zu betasten, zu beschmutzen, Undankbare? hast du gezittert, deinen Herrn selbst, deinen Vater, Gott — zu ver» kleinern, wenn du es vermochtest, ihn hinabzuziehen in deine untersten Kreise? Da ist kein Glied deiner großen Wesenkette, das du nicht dem Menschen hingabst, einen Abgott daraus zu machen. Du ließest ihn vor deinen großen und kleinen, vor deinen schönen und häßlichen Gebilden niederknieen, und rissest ihn nicht empor voll Schamröthe; dich selbst ließest du vergöttern, und warntest nicht; wenn der Mensch gottschänderische Jrrthümer dir zurief, so antwortetest du ihm mit denselben, bestärktest ihn darin, anstatt ihn eines Bessern zu belehren; jedem Wahne des Menschen schmeicheltest du. Wenn die Bacchantinnen ihre Orgien feierten, liehest du ihnen deine Mondesnächte, wenn dem Moloch die Kindlein auf die glühenden Arme gelegt wurden, umfächeltest du ihn mit deinem Hai» nessäuseln. Ja selbst dein eigen Dasein giebst du hin, und wenn ein thörichter Grübler dich für einen tobten Mechanismus, für einen leblosen Stoff»

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