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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-11-21 · Heft 47 (21.11.1840) · p. Seite 671

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 47 (21.11.1840)
Date
1840-11-21
Page
Seite 671 (sequence 11)
Language
German
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würdiger, reicher, mustervoller, zuversichtlicher als ein Silberhaar mit dem Kranze der Gerechtigkeit, mit der Krone der Frömmigkeit, mit dem Schmucke der Gottseligkeit. Und wenn dann die Todesstunde nahet unsrem Schmerzenslager, was ist friedlicher und umfriedeter, als ein sterbender Mensch mit Gott, mit der Zuversicht auf Gott? So muß das ganze Leben sein mit Gott, soll es würdig begonnen, würdig vollendet, ans rechte Ziel geführt werden. Und nun, die Religion Zsrael's? Hat sie nicht darum das ganze Leben der Israeliten mit ihren Armen umschlungen? An der Wiege stehet sie, und nimmt das Kind vom Mutterarme und ziehet es in den göttlichen Bund Jsrael's. Und auf die Eltern legt sie die Verpflichtung für die Fehler des Kindes. Und den beginnenden Jüngling weiht sie noch einmal in den Bund mit dem einigen Gott; und unter dem Trauhimmel segnet sie das zum Leben verbundene Paar, und auf jedem Schritte des Lebens stehet sie, und weist dich hinaus zu Gott, und an deinem Sterbelager wacht sie, und läßt die Seele nicht von hinnen, ohne die Mahnung an den einigen Gott. Und wenn du aufstchest von deinem Lager, und wenn du dich niederlegst, am Morgen, Mittag und Abend fordert sie dich auf, dich zu erheben und zu sprechen zu Gott, und Erinnerungszeichen knüpft sie an deinen Arm und an dein Haupt, und Schaufaden an dein Gewand, wenn du sie siehest, zu denken an deinen Gott, und wenn du Gaben des Schöpfers genießest, und die Wunder des Schöpfers gewahrest, lehret sie dich, ihm deinen Dank zu stammeln und dein Herz zuzuwenden. Wo ließe die Religion Zsrael's dich los, Israelit, wo dich allein? Sie hat dir Stunde an Stunde geknüpft, mit Erinnerung, Mahnung und Erhebung zu Gott, und wenn du also ihr folgest, dich erziehst, aber wahrhaft, nicht mit den Lippen, nicht mit dem leeren Wort, sondern mit dem ganzen Herzen, mit der ganzen Seele und mir dem ganzen Vermögen — dann bist du stets mit Gott, dein ganzes Leben ist mit Gott, von der Wiege bis zum Grabe nie ohne Gott, bist du vollkommen mit Gort! Vollkommen mit Gott, heißt zweitens: der ganze Mensch sei mit Gott! in allen seinen Verhältnissen und Beziehungen sei der Mensch ganz mit Gott, in seiner Höhe und Tiefe, in allen seinen Gränzen sei ganz der Mensch mit Gott. Hier habet ihr zuerst den geistigen Menschen. Zwiefach sind die Anforderungen an den geistigen Menschen. Er muß für das Leben, für das bürgerliche Leben, und für sein höheres Ich sorgen und arbeiten. Er muß der menschlichen Gesellschaft nützlich sein, ein thätiges Mitglied, für seine Bedürfnisse sorgen, Güter des Lebens als Mittel für sich und die Seinigen erwerben. Er soll aber auch für seinen Geist leben, nicht wie ein verstandloses Thier seine Tage verzehren, sich ausbilden, seinen Geist bereichern mit Erkenntniß und insonders sich nach oben wenden, und sein ewiges Heil beschicken. Welches ist hier die Gefahr? Daß das erster« das letztere verschlingt, zurückdrängt, vergessen, macht, daß die Gewerbsthätigkeit den ganzen Geist einnimmt, daß die Lust nach irdischem Besitz die nach geistigem unterdrückt, daß der ganze Mensch sich dem Erwerbe und Gewinne übergiebt. Es ist dann verloren die schönere Hälfte des Menschen, es ist vergessen der höhere Zweck, der den Menschen erst zum Menschen macht, und das Leben geht unter in das Trachten und Schaffen des äußern Daseins. Wie Mancher fühlt dies seufzend, aber ist nicht stark genug, sich dem zu entreißen. Aber die Religion Israels? O, sie will dir zur Hülfe kommen, ihr mächtiger Arm will dein besseres Selbst stützen! Sie sagt: am siebenten Lage ruhe, keine Arbeit verrichte, sechs Tage sollst du arbeiten, nicht zur Trägheit, nicht zum bloßen Genuß, sondern ^-ipN 'f, ■o, iianpb, daß dieser Tag der geistigen Entwickelung, der Erkenntniß deinem höhern Zweck, deinem Gotte geweiht sei. Sollten sechs Tage für die Erde nicht genügen, daß nicht einer dem Himmel, dem Herrn zu widmen wäre? Und dann setzt sie ihre heiligen und heiligenden Feste ein, das Drommetenfest, dich hinauf zu führen zu Gott, den Versöhnungstag, dich zurückzuführen zu Gott, das Peffach, dich wieder zu weihen zum Priester des einigen Goltes, das Schebuot, dich zu erinnern an die Offenbarung des Herrn, das Sukkot, daß du dankest für die Gaben des Herrn in Freude, und daß du demüthig wie die Weide, unschuldig wie die Myrte, anmuthig wie der Etrog, stark und erhaben wie die Palme seiest; und dann läßt sie dich das Wort Mose's und der Propheten vernehmen, und verpflichtet dich zu forschen im Worte Gottes, und

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