Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1840)
- Date
- 1840-11-21
- Page
- Seite 668 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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668 das Osterfest versäumte, seine große Essigbrauerei gegen einen solchen Scheinvertrag zu verkaufen, den Bannfluch schleuderte, welcher die Folge hatte, daß keiner von den hiesigen Juden mehrere Jahre hindurch bei ihm den Essig kaufen durfte. — Der polnische Jude ist noch mit dem besonders niederschmetternden Fluch seines Daseins behaftet, ein polnischer Jude zu sein. Dieser Begriff wirkt weithin wie ein giftqualmendes Gespenst und verbreitet die Schrecknisse der Pest in der Nähe und Ferne. Verworfen vor dem Angesicht seiner Mit-' menschen, macht der polnische Jude den moralischen und physischen Eindruck eines Aussätzigen und jeden durchdringt ein Schauder bei seiner Berührung. Man flieht ihn stärker als einen Verbrecher, denn sein Verbrechen ist das Unglück, seine Schmach ist die Unterdrückung, unter der er seufzt. Die Welt hat ihn, indem sie ihn ausgestoßen, zu einem Ungeheuer gemacht, vor dessen Anblick sie selbst erzittert. Sie hat durch die Acht, welche sie über ihn verhängt, ihn an die Unflätigkeit seines Wesens gebannt, die ihr nun selbst einen so großen Ekel verursacht. Der polnische Jude, vor dem man sich so ekelt, wo er auftritt, ist nichts als das Produkt der Schlechtigkeit, welche die Welt an ihm verübt hat. Er ist, in seinem ganzen schmählichen Aufzuge, in dem er dahinwankt, die Erfindung Derer, welche ihn verspotten, und die in der Verworfenheit, die sie ihm aufgenöthigt haben, ihre eigene Selbstsucht und die ganze Lücke der modernen Gesellschaft geißeln. Durch Auswanderung ein besseres Loos in andern Gegenden aufzusuchen, ist dem polnischen Juden ebenfalls nicht vergönnt, da ihm sonst kein Land ein Ansiedelungsrecht zuerkennt. Obwol er weite Reisen unternimmt, und die Messen der entferntesten Länder besucht, so hat er doch überall mit den entehrendsten Schwierigkeiten zu kämpfen und sein Aufenthalt ist an Bedingungen geknüpft, die alles Recht einer menschlichen Persönlichkeit vernichten. In Polen selbst, wo der Jude zwischen den Winkeln und Löchern eines zerplatzten Nationallebens sich sestgenistet und auf diesem Element der Fäulniß wenigstens zu einer beispiellosen Vermehrung gediehen, ist sein eigenthümlichstes Thun und Treiben, der Schacher, an Beschränkungen gebunden. Jedes Thier darf seinem natürlichen Triebe folgen und findet das einzige-Behagen seines Daseins darin. Der arme Jude aber, der in keinem Dinge Freiheit und Behagen hat, darf auch seinem natürlichen Schachertrieb nicht ungehindert folgen, sondern muß ihn nach den von den Christen gesetzten Schranken zügeln, wodurch er freilich nur um so gefährlicher wird. So ist den polnischen Juden verboten, hausiren zu gehen, und dies erzeugt die lächerlichsten Jntriguen, durch welche sie dennoch, dem unabweislichen und erblichen Instinkt zu genügen verstehen. Merkwürdig sind in dieser Beziehung die alten Judenweiber, die in ihrer Person ein eigenes wandelndes Waarengewölbe vorstellen, indem sie sowol in ihrem hocherhabenen Kopsputz allerhand Maaren verborgen tragen, als auch der einen gewaltigen Umfang einnehmende Rock ein förmliches Magazin bildet, in dem alle möglichen Gegenstände des Verkaufs versteckt sind. (Schluß folgt.) Homiletik. Gedankenlese aus jüngst gehaltenen Vorträgen. (Fortsetzung und Schluß.) Wohl denen, die im Geräusche des Lebens sich noch die Wahrheit in der Brust bewahren, die, wenn auch abwendig und versenkt, ins Leben, dennoch in den geheimen Kammern ihrer Seele den rechten Glauben an Gott und die Ueberzeugung ihrer Religion unverletzt erhalten. Leichter ist ihnen der Weg zurück, und überall können sie den verlornen Faden wieder fassen. Wie aber bei denen, die den Faden willkürlich zerrissen haben? die aus Eigennutz, Eigendünkel, Uebermuth und Frechheit Gott und Religion von sich gewiesen, und dem Unglauben und der Jrreligion sich in die Arme geworfen? Da sind erstens die Stumpfsinnigen, die Herzlosen, deren Geist unfähig geworden, eine höhere Empfindung, einen größer» Gedanken in die kleine Pforte ihrer Seele einzulassen, die daher nur begr.ifen,