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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-11-21 · Heft 47 (21.11.1840) · p. Seite 666

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 47 (21.11.1840)
Date
1840-11-21
Page
Seite 666 (sequence 6)
Language
German
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666 sein einziges Labsal. So entbehrt dies unglücklichste und vcrachtetste aller menschlichen Geschöpfe fast jeden Lebensgenuß und hat nichts als seinen Glauben, um dessen Willen er ausgestoßen ist, und an den er sich mit um so größerer Inbrunst immer unzertrennlicher anklammert. Der Charakter dieser Juden hat scheinbar etwas Gutartiges und sie antworten den Christen, welche oft aus Neugierde und Spottlust durch ihre Gaffen ziehen, freundlich und bereitwillig auf alle Fragen, welche sie und ihre Gebräuche betreffen, obwol mit einem Ton wehmüthiger Resignation, der auch dem gemeinsten und verworfensten Juden eigen ist. Der schwermüthige leidende Zug, den sie alle an sich tragen, giebt ihren oft so schön geformten Gesichtern ernen besonders edlen Ausdruck, und mischt sich mit der Klugheit, welche aus ihren schwarzen feurigen Augen schimmert, zu einer cigenthümlichen Physiognomie, deren dämonisches Dunkel sich dann und wann durch Witz und Laune blitzartig erhellt. Der Geist der Rache ist aber nicht minder lebendig in jedem Juden, und wo er dieselbe sicher und straflos an den Christen ausüben kann, wird er die Gelegenheit gewiß nicht vorübergehen lassen. Als in der letzten Revolution die Russen in Krakau einzogen, waren die Juden die ersten, welche ihnen mit Lebehoch und Freudenbezeugungen entgegenkamcn, und bei ihrer großen Anzahl dürften sie, sobald sich Gelegenheit dazu bietet, sehr gefährliche Feinde der Polen abgeben. Am Sonntag und allen christlichen Feiertagen dürfen die Juden ihren Kasimierz nickt verlassen, und es ist ihnen streng verboten, in die Stadt zu kommen. Diejenigen, welche sich gleichwohl darin betreffen lassen, werden von den Soldaten ergriffen und auf die Wache geschleppt, wo sie eine Geldbuße entrichten müssen. Manchen, besonders den Faktoren, welche zum Dienst der Fremden in der Stadt zu thun haben, wird jedoch ein Erlaubnißschein ausgestellt, gegen welchen sie die Stadt auch an den Sonntagen betreten dürfen. Eine christliche Kirche oder ein Kloster darf ein Jude niemals betreten, und sich überhaupt einer Kirche nur im Umkreis einer gewissen Entfernung nähern, um durch seine für unrein geltende Person nicht das Heiligthum der Christen zu verunehren. — Die Juden haben in Krakau zwei Synagogen, eine kleine und eine große. Die letztere, die sich in einem Erdgeschoß befindet, enthält mancherlei Merk» Würdigkeiten, darunter eine Säule, welche der Tradition nach dem Tempel von Jerusalem angehört, und nach dessen Zerstörung auf der Weichsel hieher geschwommen sein soll, was beweist, daß auch die Juden nicht allzu bescheiden in der Benutzung des religiösen Wandcrglaubens sind. Hier in der Synagoge kann man an den Festtagen die seltsamsten Gestalten und Gruppen schauen, besonders sind die jüdischen Frauen und Mädchen in ihrem Feiertagsputz bemerkenswerth. Mit der schmutzigen Armuth der polnischen Juden kontrastiren oft die prachtvollen Hauben ihrer Frauen auf merkwürdige Art. Bon Seidenstoff oder Sammt, reich mit Gold verziert, oder auch mit Edelsteinen, Perlen und Brillanten besetzt, haben sie oft einen bedcurenden Werth, der sich nicht selten auf drei bis viertausend Dukaten beläuft. Ich sah auf dem Kopfe einer allen Jüdin eine solche Haube, die von großen Zahlperlen und Diamanten strotzte, während ihr sonstiger Anzug äußerst gering und unsauber war. Die Hauben sind überhaupt ein Vorrecht der Frauen und haben einen eigenrhümlichen Schnitt; dicht um das Gesicht anschließend, sind sie am vorder» Rande mit einer dicken Krause versehen, was einen besondern Ausdruck leiht. Die Mädchen tragen langes Haar; dessen reiche und schöne Lockensülle eben so große Bewunderung erregt, wie die regelmäßig schönen Züge ihres Gesichts, die man unter ihnen so häufig antrifft. Nach ihrer Verheirathung aber wird ihnen dies herrliche Haupthaar gänzlich abgeschoren und sie müssen eine Mütze anlegen, oyne welche sich die Frauen nie sehen lassen dürfen. Man erblickt seltne Schönheiten unter diesen Jüdinnen, deren sittlicher Zustand meistcntheils höchst verderbt und ausgeartet ist. Die Juden in Polen verloben und verheirathen ihre Kinder in der Regel sehr früh, und eine um den Hals geschlungene goldene Kette oder eine lange doppelte Perlenschnur, die nie abgelegt.werden dür, sen, bezeichnen die neue Würde des oft kaum neunjährigen Mädchens. Von den Aeltern der verlobten Kinder wird dann beiderseitig eine Summe festgesetzt, welche sie zur Anlegung eines Geschäfts zusammenschießcn, das gewöhnlich, wenn der Termin der Verheirathung herangekommen, schon ausreicht, seinen Mann zu ernähren. Diese Verheirathung

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