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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-11-21 · Heft 47 (21.11.1840) · p. Seite 664

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 47 (21.11.1840)
Date
1840-11-21
Page
Seite 664 (sequence 4)
Language
German
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664 men wurden noch mit Speisen auf den andern Tag versehen entlassen. — So haben wir unsrer Liebe zu unserm Könige Genüge gethan; ob es andren Orts gewürdigt, und in dem magistratlichen Berichte fast mit Stillschweigen übergangen worden, kümmert uns nicht! U. Benjamin. ^Oesterreich. Arad, 18. Okt. (Privatmitth.) Zu den Koncessionen, die uns der jüngste Landtag gebracht, gehört auch, was im löten Art. l839—40 des Wechselgesetzes festgestellt worden: „Juden sind an Sabbat und Feiertagen vom Acceptiren und Präsentiren befreit. Als Feiertage werden anerkannt, der löte, 16te, 21te und 22te Nissan, öte und 6te Siwan, Iste, 2te, l0te, löte, 16te, 22te und 23te Tischri, und das Aufhören von Acceptiren und Präsentiren beginnt bereits um 3 Uhr Nachmittags früher." Wenigstens werden wir nun nicht mehr hören, wie es oft geschah: „Ich kenne euren Sabbat nicht!" Unsere Hoffnungen auf die Zukunft sind ungemindert, sondern Alles spricht uns für recht baldige weitere Fortschritte. Unsere k. kreirte Hauptschule macht immer schönere Fortschritte, und hat eine bedeutende Acquisition an Herrn Lew Teuteles aus Prag gemacht. Vereint mit Herrn Beck studirt er der Jugend sammtliche Choralgesänge ein, und haben wohlthätige Spenden, die freilich zumeist aus unsrer Mittelklasse hervorgehen, für alle Bedürfnisse in diesem Bezüge gesorgt. Möchte der geregelte Gottesdienst nun bald seinen vollkommnen Anfang nehmen, und unserm ehrwürdigen Greise, dem Oberrabbinen Chorin damit die letzten Tage seines strebsamen Lebens versüßt werden. n. Türkei. Sir Moses Montefiore ist in Konstantinopel angekommcn und hat Bewohner von Damaskus und Rhodus mitgebracht, um eine Revision der dort erhobenen Anklage gegen die Israeliten vor dem Tribunale des Großveziers vornehmen zu lassen. Er gedenkt den Sultan um einen Hattischerif zu Gunsten seiner Glaubensgenossen anzugehen. Sobald der politische Zustand Syriens es erlaubt, will er sich nach Damaskus und Jerusalem begeben und sich daselbst niederlassen, wenn es ihm gelingt, eine Art Republik zu gründen. (?) Lord Ponsonby machte ihm einen Besuch. (Journal des Debats.) Wie Herr Montefiore mittheilt, war dik Nachricht von der Befreiung der durch die abscheulichste Tortur zum Geständniß eines nie begangenen Ver, brechens gezwungenen Juden in Damaskus kaum dort angelangt, als sich die angesehensten Katholiken, Protestanten, Griechen und Muselmänner vereinigten, um den Vorstehern der israelirischen Nation zu diesem allgemein ersehnten Resultate Glück zu wünschen. Krakau. Aus Krakau. (Wir geben folgende, lebendige und warme Schilderung des unglücklichen Zustandes der Krakauer Juden aus der Feder Mundt's sVölkerschau auf Reisen Th. 1. Stuttg. 1840.) Es ist uns bereits von einem Manne, der Krakau aufs genaueste kennt, versichert worden, daß, was die Außenseite der Kr. Gemeinde betrifft, diese Schilderung bis auf Weniges sehr wahr sei. Uebrigens werden wir in nächster Zeit Originalberichte aus Krakau bringen, denen diese Schilderung zur allgemeinen Staffage dienen kann. Red.) Kasimierz, die Judenstadt. Wenn man au dem prächtigen Hotel der russischen Gesandschaft, welches die Stadt erbauen lassen, vorübergeht, gelangt man über die Brücke der alten Weichsel in die Judenstadt. Schon manche jener wunderlichen, schmutzigen und melancholischen Gestalten, die uns auf dem Wege begegnet sind, haben uns die Nähe dieses Stadttheils angezeigt, in welchem ein verlorenes Volk, mit dem schwersten Fluch des Daseins belastet, eingepfercht sitzt. Ein Ameisengewimmel von Männern, Weibern und Kindern empfängt uns. Man betritt zuerst die christliche Judenstadt, wo es den polnischen Juden nicht erlaubt ist, Häuser und Grundeigenthum zu besitzen. Die Häuser gehören hier meistentheils christlichen Besitzern, welche sie zu einem übertriebenen Preise an die armen Juden vermiethet haben. Dies unglückliche ausgestoßene Volk muß überhaupt eine unverhältnißmäßige Abgabenlast hier tragen, und bei der bittersten und schmählichsten Armuth, in der es seufzt, ist es gleichwol noch verurtheilt, die Hälfte sämmtlicher Staatslasten auf sich zu nehmen, obwol die Krakauer Juden, etwa zwölftausend an der Zahl, nur ein Drittel der ganzen Bevölkerung des Freistaats bilden.

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