Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1840)
- Date
- 1840-11-21
- Page
- Seite 662 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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662 amte gänzlich getrennt ist — sehr wohl — wie viele Gemeinden werden aber nun einen Schächter und einen Religionslehrer sich halten können? Warum, wenn man, wie es im Eingänge heißt, den Unterricht verbessern will, bewilligt man den kleineren Gemeinden nicht einige Unterstützung, damit sie auch ordentliche Lehrer anstellen und anständig besolden können? Es würde dies im Ganzen eine kleine .Summe betragen, die wahrlich an eine Zahl Bürger, die alle Lasten tragen, keine verschwendete Wohlthat wäre. Die Zusammensetzung der Prüfungskommission ist sehr verständig, insbesondere, daß ein aktiver israelitischer Lehrer zugezogcn wird, der die Lehrbedürfnisse der jüdischen Jugend praktisch kennt. Wie niedcrschlagend aber ist Art. -',! wie trübe Aussichten giebt er von Neuem! Welch' Mißtrauen! Welche Borsicht! Wenn etwa durch Anstellung solcher Lehrer drei oder vier ausländische Israeliten, die in diesem Falle methodisch und wissenschaftlich gebildete, geprüfte Lehrer sind, in das Land kommen, .da gleich-die Borsicht zu treffen, daß sie ja mit ihrer wiffenschaftlicken Bildung, mit ihrer, öffentlichen Prüfung, und mir ihrer Lehrwirksamkeit — keinen Anspruch aus eine Heimath erworben haben! Welche traurige Betrachtungen können wir daran knüpfen, aber sie liegen zu sehrauf der Hand, als daß wir sie nicht Jedem selbst überlassen mögen. ui. Preußen. Magdeburg, 8. Nov. Die jüngste Nummer des Ministerialblattes für die Verwaltung des Innern (No. 7) bringt folgendes Rescript, welches der Anstalt zu Münster abermals einen höhern Charakter beilegt (No. 590). Da nach Ew. Hochw. Berichte vom 0. Juni d. I. die jüdische Bcreinschule zu Münster die Leistungen, welche rücksichtlich der Ausbildung der Zöglinge von einem Neben-Seminar erfordert werden, erfüllt, so genehmigen wir im Sinne der Allerhöchsten Kabinetsordre vom 29. Okt. 1*27 (Annal. S. 1028), daß diejenigen Zöglinge dieser Schule, welche vor der Königl. Seminar-Prüfungskommission ihre Befähigung zu einer Elementarlehrerstelle nachgewiesen haben, gleich denjenigen Schulamts-Kandidaten angesehen werden, welchen, insofern sie ihre Ausbildung in einem Haupt- oder Neben-Seminar erlangt haben, die Begünstigung zu Theil wird, ihre Militärdienstpflicht durch eine sechswöchentliche Dienstzeit ableisten zu können. Berlin, den 19. August 1840. Der Minister des Innern und der Polizei. In Vertretung. v. M e d i n g. Der Kriegsminister, v. Rauch. Ministerium der Geistlichen rc. Angelegenheiten, v. Lade n b e r g. Kreuznach, 31.Okt. (Privatmitth. Verspätet.) (Wir geben diesen Bericht über den vielbesprochenen Gegenstand, weil er einiges Eigenthümliche enthalt.) Wie öffentliche Feierlichkeiten besonders geeignet sind, den Geist im Volke lebendig zu erhalten, und wie die Wohlthaten einer humanen und väterlichen Regierung ein daurendes Bindemittel zwischen Fürst und Unterthanen sind, davon hat die hiesige israelitische Gemeinde neulich ein hochherziges Bild gegeben. — Es war an dem Morgen des für Preußen doppelt wichtigen Tages der Erbhuldigung und des Geburtsfestes unseres Landesvaters, als die metallnen Zungen unserer Thürme ihren Gruß nach der Hauptstadt fendeten, da verfügten sich still und gemülhswarm die festlich gekleideten jüdischen Brüder in die zu diesem Zwecke sinnreich ausgeschmückte Synagoge, alle nach und nach sammtliche Beamten, Geistlichen, und eine schone Auswahl der Bürgerklasse sich einfanden, und eröffneten die des Tages würdige Feier, mit einem, von einem wohlgeordneten Sängerchore unter melodischer Musikbegleitung trefflich ausgesührten Hallelujah, worauf der ehrwürdige Rabbine Herr Hirsch, die heilige Tora im Arme haltend, durch ein herrliches Gebet in hebräischer Sprache, des Allerhöchsten reichste Segnungen dem geliebten Herrscherpaare herabflehte. Alles athmete heilige Ruhe, Ein Gefühl durchströmte alle Anwesende, da bestieg der RabbinatSkandidat Herr Hirsch, Sohn des hiesigen Rabbinen, die Kanzel, und erhöhete das Interesse des Tages, mittelst einer in deutscher Sprache gehaltenen Rede, worüber ein hoher Berichterstatter in hiesiger Zeitung sich folgendermaßen ausspricht: „War der Redner beflissen, die Begründung der religiösen Gesinnungen seines Stammes auf Rechtschaffenheit und Ba-