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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-11-14 · Heft 46 (14.11.1840) · p. Seite 658

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 46 (14.11.1840)
Date
1840-11-14
Page
Seite 658 (sequence 10)
Language
German
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658 tietet sie eine israelitische Belletristik dar, und die Hand, die diese Knospen entfaltet, und ihre Blüthen uns bricht, ist dabei ganz gleichgültig. Der Stoff der israelitischen Dichtung kann demnach sein: die israelitisch-religiöse und die israelitisch-historische Anschauung, nichts weiter, aber diese bestimmt. Unter Historie ist natürlich auch der ganze Complex der Verhältnisse begriffen, wie er aus der Vergangenheit in die Gegenwart hineingewachsen ist, aber wohl vecstanoen, es kann hier nicht von einer bloßen Schilderung der wirklichen Gegenwart die Rede sein, denn diese gehört, mag sie mehr oder weniger in blühender Sprache abgefaßt sein, Ln die Statistik, sondern die Verhältnisse der Gegenwart, aus der Vergangenheit erwachsen, vom subjektiven Standpunkt der Empfindung aus. Zst nun die Dichtung überhaupt eine freie Pflanze der Begeisterung und des Talents, die sich kein Hinderniß setzen läßt, und selbst durch den schwersten und härtesten Boden ihre Sprossen treibt, so wird man auch dem israelitischen Leben nicht den Raum verweigern dürfen, wenn es dem Individuum gefällig und gegeben ist, seine Bewegungen innerhalb desselben durch die Sprache kund zu thun. Und wenn dies auch keine Wesenheit des Judenthums ist, so haben doch alle Jahrhunderte desselben erwiesen, wie lebendig die Weinrebe der Dichtung sich an den Mauern unsrer Glaubensveste heran' ranket. Die Wiege des israelitischen Volkes umrauschte.r der Triumphgesang und das Schwanenlied unsres Misters der Wüste, und immer, wenn ein Sieg oder Sturz gewaltig aus die Nachkommen des Jbri eindrang, faßte eine begeisterte Hand nach der oft aufgehangen, aber immer wieder ergriffenen Harfe. Der Hynnus und der Psalm ist nie unter uns verklungen, die Eegie hat ein großes Feld gefunden, und auch die Epopoe md das Drama sind mit Glück, selbst auf den modernchebraischen Boden verpflanzt worden. Sollte also die Dichtung in der neuesten Zeit rieder so recht lebendig auf dem israelitischen Leben erwrcht sein, und die Versuche in derselben einen hellen, vieseitigen Wiederklang gesunden . haben: so wäre dies 'in schönes Zeichen seiner edlem Wiedergeburt. In neurer Zeit ist allerdings ein Versuch darin noch kein Bewis dafür, denn dem Einzelnen oder einigen Einzelnen wid es nicht zu schwer, sich einmal das Mittel der Aeußrung zu verschaffen. Nur fortgesetzte und immer tätigere Produktionen waren der rechte Erweis. — Gehn wir mit diesen Reflexionen an die Beurtheitung des verlegenden Taschenbuches, so fallt uns allerdings schon der Titel auf, der uns in Zweifel läßt. Ein Taschenbuch ist allerdings nicht synonym mit Porste. Wir haben ja selbst geographische, historische, medizinische Taschenbücher. Dennoch kündigt sich der meiste Theil des Inhalts als Dichtung an, und damit stimmt die Aufschrift: Taschenbuch „für Schilderungen aus dem Leben der Juden" — nicht überein. Diese hatte ausgesprochener sein müssen. Es Härte sich spezieller als Bauplatz der modernen israel. Dichtung ankündigen müssen. Indessen dies bei Seire — was bringt uns dieses Taschenbuch? welche sind seine Leistungen? Seine objektive Existenz wäre im Obigen gerechtfertigt, wie rechtfertigt es seine subjektive? — Wir batten uns zuvor ganz an das Spezielle. Den Vordergrund füllt „Gabriel Riesser, dargestellt von K. Sidori" aus. Mit jugendlicher Begeisterung wird hier über die Gleichstellung der Juden, und deren Verfechter Riesser gesprochen, und ein Umriß von der öffentlichen Wirksamkeit gegeben, obschon von dem tiefem, nachhaltigen Einfluß eben so wenig, wie von der liebenswürdigen Persönlichkeit Riesser's uns ein Bild gezeichnet wird. Den angestellten Reflexionen fehlt es noch an logischer Scharfe. So ist es dem Verf. auf der ersten Seite (S. 3) geschehen, einen logischen Sprung von der Unveränderlichkeit des innem Judenthums auf die Unveränderlichkeit des Israeliten zu machen, der wenig im Sinne Riesser's sein wird, und gewiß nicht wahr ist. — Es folgt: Biblisches. Kaum erwarteten wir unter „Schilderungen und Anklängen aus dem Leben der Juden" ein Fragment aus einem Epos über die Gesetzgebung. Das Fragment ist allerdings in flüssigen Stanzen geschrieben, und die Sprache rein und edel. Nichts destoweniger ist die Behandlung gar nicht passend; so spricht kein Moses, in modern weichlichem Pathos, und vom ewigen Glück in ewigen Raumen!" ist nirgends bei ihm die Rede. Die Paraphrase der Zehn Gebote will uns auch nicht behagen, das urkraftige Wort der Schrift abhorresrirt jede Verwässerung. Möchte man uns doch nur die Bibel lassen, wie sie ist — es kann es wahrhaftig Keiner besser machen, als sie! — Des Königs Sünde und Esthers Bitte sind glatte Versificationen zweier biblischer Situationen, denen keine poetische Pointe gegeben ist. Die hierher noch gehörigen 6 psalmodischen Sonnette (S. 348 ff.) sind innig und erhebend. — „Die Trauung" von Carl Maien ist eine tief ergreifende metrische Erzählung. Freilich sprechen und handeln die Menschen sehr idealisch, und eine etwas

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