Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1840)
- Date
- 1840-11-14
- Page
- Seite 657 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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657 wieder einen schönen Beweis. War es nun um die Dinge, die dort kommen sollen, vorzubereiren und einzuleiten, oder hatte es einen persönlichen Grund, kurz Herr vr. Enoch, Direktor der dortigen Schule, nahm die erste Konfirmation vor, und zwar mit einem seiner Pensionäre, einem Neffen des rühmlichst bekannten Grossisten Herrn A. I. Saalseld hieselbst. Eine kleinere, aber gewählte Gesellschaft war im Schullokale versammelt, und alsbald begann die Feier. Sowol das Gebet zum Anfänge der Feier, von dem Chor der übrigen Schüler begleitet, so wie die mit dem innigsten Gefühle gesprochene Rede des Konfirmanden, so wie dessen musterhafte Antworten auf alle Fragen, vorzüglich aber die warmen, kräftigen Worte des so beredten Redners, Alles vereinte sich, um die Feier zu einer wahrhaft religiösen zu machen, und in allen Anwesenden den Wunsch zu errege», daß selbige sich recht bald wiederholen und verallgemeineren, und dann in der Synagoge selbst ihren Platz finden möge. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 1. November. Angekommen: Das Leben der Patriarchen. Erbauungsschcift für gebildete Israeliten von vr. Herrmann Sommerfeld, Prediger bei der I. G. zu Elbing. Elbing, 1840. Das größte Bedürsniß der Zeit ist: die Weckung eines liefern religiösen Sinnes. Es ist Alles nur noch so äußerlich gehalten, und während man sich um einzelne Cerewonien in den Haaren liegt, vergißt man, was noth thut, den religiösen Geist zu heben. Die alte Welt hat jene tiefe Innerlichkeit verloren, welche einst die Juden in religiöser Beziehung so sehr auszeichnete, und, allerdings vom ästhetischen Ucbcrzuge fern, den Frieden und die gemüthliche Freude in der Hütte schuf, während draußen der Kampf und die Schmach lauerten. Die jüngere Welt hat sich mit einer äußern Bildung vielfach begnügt, die nicht in das Herz dringt, und es leer laßt. Dieses Bedürfniß, die ruhenden Saiten der religiösen Innerlichkeit wieder zu wecken, wird allgemein gefühlt, und dringt unbewußt auf Befriedigung. Aus ihm entspringen viele neuere Bestrebungen. Besonders ist dabei charakteristisch, daß man zu Gunsten dessen die Kritik, welche so viel zerstört hat, ohne dafür aufzubauen, bei Seite laßt, und gern aus alten Schätzen wieder hervorholt, was Schmückendes und Anregendes neuerer Schöpfung anzuheften wäre. Ein Ergebniß dieses Bestrebens ist auch die vorliegende, zu empfehlende Schrift. Das Leben der Patriarchen wird hier erzählt, nicht um tatsächlich dem Leser entgegenzutreten, sondern zu moralischer und religiöser Fassung geschickt zu sein. Alle Lebensmomente der Patriarchen, so wie sie nur zu moralischen und religiösen Betrachtungen und S.entenzen Gelegenheit bieten, und hierzu sind sie um so mehr geeignet, weil sie ein tüchtiges Stück Leben sind, werden uns in moderner, allerdings oft weichlicher Sprache, im Tone der „Stunden der Andacht," vorgetragen. Hierzu werden geschickt Andeutungen und Sprüche aus den Midraschim, ja auch aus den jüdischen Kommentaren benutzt, und vielfach fammt Bibelstcllen eingestreut. Das Ganze ist demnach eine homiletische Umschreibung der dahin gehörigen Stücke des ersten Buches Moscheh. Wir wünschen diese Schrift recht oft in die Hände, besonders israelitischer Mädchen, zur Erbauungslektüre an Sabbaten und Festen. Die Ausstattung ist trefflich. — Jeschurun. Taschenbuch für Schilderungen und Anklänge aus dem Leben der Juden. Auf das Jahr 5601 israelik. Zeitrechnung. Herausgegeben von Earl Maien und Siegmund Frankenberg. Leipzig, 1841. Die israelitische Belletristik in modernem Gewände hat durch die Allg. Zeit, des Judenkhums zuerst eine selbstlewußte Gesttcktung erhalten. Theils daß sie vom Begnne dieser Zeitung an als eine eigene Rubrik auftrat, tfeils daß sie durch werthvolle Beiträge eine innere Bearbeitung gewann, und ihr Gebiet sich absteckte, war frr sie ein eigenstes Lebensmoment. Was verstehen wir u,ter israelitischer Belletristik? Oberflächliche, feindlich gsinnte Kritiker vermeinten und machten vermeinen, von 5uden geschriebene Gedichte! — Die moderne Dichtung beginnt überall da, wo die Wirklichkeit in bie Legion der liefern Empfindung tritt, und sich auf dem Hpiegel gemüthlicher Aufregung anschaulich macht. Sie Ü längst nicht mehr das Gegenstück der Wirklichkeit, dir llein den realen Boden in Besitz hält, sondern, wählend die Philosophie die Reflexion der Wirklichkeit ist, 'st die moderne Dichtung die Empfindung der Wirklichkeit, hat sie sich zum Interpreten der Gefühlswelt gemacht, wie diese sich aus der Wirklichkeit herauf- und herausbewegt. So weit daher die Dichtung das israelitische Leben in den Schattirungen und Nuancen der auf seinem Boden erblühenden Empfindungen erfaßt, 46°