Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1840)
- Date
- 1840-11-14
- Page
- Seite 656 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225119-3225166--03107-3312629- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
636 nachdem er, anwesend bei dem Einzüge des Königs in Stettin, diesen Einzug zu einer herzergreifenden und streng ermahnenden Rede an sein Volk benutzt hatte. Nach Beendigung der Predigt wurden von dem Kantor mehrere hebräische Gesänge mit Musikbegleitung würdevoll vorgeNagen." Dieselbe Zeitung meldet: „In Betreff der zu Neudamm am hohen Geburts- und Huldigungs. tage unsers vielgeliebten Königs stattgehabten Feierlichkeiten, verdient es noch einer ganz besondern Erwähnung, daß auch die dasige jüdische Gemeine mit der Bürgerschaft gewetteifert hal, ihre Gefühle der Liebe und Verehrung, die sie für den Besten der Könige hegen, an den Tag zu legen. Selbige hatte nicht allein ebenfalls einen feierlichen Gottesdienst veranstaltet, in welchem die Psalmen 72 und 33 abgesungen worden sind, und der Kantor eine in deutscher Sprache abgesaßte, auf diesen Hoden Festtag bezügliche, Rede, worin das Wohl für unfern erhabenen gütigen Monarchen erfleht wurde, gehalten hat, sondern sie hat sich auch bei der Illumination der Stadt besonders ausgezeichnet, da die Häuser des jüdischen Vorstehers Kaufmann Marcus Jtzigsohn und des Kaufmanns Benedix Meyer mit unter die prachtvollsten gezählt werden konnten. Auch hatte sich die Gemeine zu einem fröhlichen Abend bei ihrem Vorsteher versammelt, und dem geliebten Könige, der allverehrten Königin und dem ganzen hohen königlichen Hause begeisternde Trinksprüche gebracht. — Aus Schwarza bei Schleusingen berichtet man uns von einer sehr würdigen gottesdienstlichen Feier, die der dortige Rabbine Moses Michel veranstaltete, und die dieser durch eine eben so originelle, als kräftige Predigt erhöhete. Saarlouis, 6. Okt. (Privatmitth.) sNach unserm schon öfter ausgesprochenen Grundsätze, bei vorkommenden Wahlen eines geistlichen Oberhauptes, so lange die Wahl noch nicht festgestellt ist, angemessener Polemik Raum zu geben, um den Interessenten über die Richtung der Kandidaten, so wie über die Wichtigkeit der Besetzung ein Urtheil zu schaffen, wo hingegen nach geschehener Wahl nur Fakta zur Sprache kommen dürfen: gestatten wir auch folgenden, uns zugekommenen Zeilen den Abdruck. Redakt.) Nach dem Concurrenzausschrekben des israelitischen Konsistoriums hoffen wir auf einen wissenschaftlichen Rabbinen, der den Bedürfnissen der Zeit entspräche. Diese Hoffnung steigerte sich noch mehr bei uns, als wir mehrere Rabbinatskandidaten genauer kennen lernten, worunter sich besonders Herr Kahn durch sein mehrmaliges Auftreten dahier bemerklich machte. Allein zu unserm Leidwesen erfahren wir nun, daß mehrere Stimmen in unsrer Nähe, so wie in Trier sich zu Gunsten des Rabbinatskandidat>n Moses Levy in Merzig kund geben. Dagegen müssen wir in diesem trefflichen Organe der israelitischen Angelegenheiten öffentlich protestiren. Denn so bewandert derselbe auch, im Talmud ist und so weit er es auch in der spitzsindigen Disputirkunst gebracht hat; so paßt derselbe doch keinesweges 1840 in Preußen an die Spitze der geistlichen Angelegen» heilen eines ganzen Regierungsbezirkes gestellt zu werden. Wie könnte auch ein Mann, dem jede Sprache außer die des Talmuds, jede Wissenschaft, jede Grammatik selbst die der hebräischen Sprache unbekannt sind, der daher ganz folgerichtig neulich bei einer Unterredung mit einem hiesigen Bürger diejenigen, welche glauben, daß unsre Erde sich um die Sonne bewege (das kopernikanische System) Kosrim und Apikorsim nannte und zu exkommuniziren kein Bedenken trug, berufen werden, unsre Schulen zu inspiciren, die Lehrer zu überwachen und überhaupt unsrer Religion auch nur die Achtung erhalten, deren sie bereits schon gewürdigt wird? Wir bitten daher im Interesse unsrer heiligsten Angelegenheiten die hochlöblicben Behörden, die Notabeln und alle die, welche bei der bevorstehenden Wahl mitzuwirken im Stande sind, sich wenigstens darüber zu verständigen, daß wir von einer solchen Landplage befreit bleiben, x. y. z. Deutschland. Hamburg, 1. Nov. (Privatmitth.)'). Wie sehr in unserer Nachbarstadt Altona, unbeschadet des religiösen Grundelementes, sich dennoch der Sinn für die Erfordernisse der Zeit kund giebt, davon hatten wir, am vergangenen Sonntag, den 25. d. *) Nicht von unserm gewöhnlichen Correfpondenten. Redakt.