Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1840)
- Date
- 1840-11-14
- Page
- Seite 655 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3225119-3225166--03106-3312628- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
055 Nicht minder ehrenvolle Erwähnung verdient der Herr Landesadvokat Dr. Kolischer, der als Vertreter der hiesigen Gemeinde mit exemplarischer Redlichkeit und Uneigennützigkeit, rastlosem Eifer und Energie die derselben vermachten Legate und das sonstige Vermögen derselben zu sichern und zu mehren sucht, und so durch Erhaltung der Mittel zur Realisirung der Zwecke der großen Sache des Iudenthums kräftig vorarbeitet. — Ausgezeichnet wirkt auch der Gemeindevorsteher Herr David Herz Sokal, der bei Gelegenheit, als ihm das Fach der Heirathsbewilligung zugetheilt wurde, diesen Umstand zum allgemeinen Besten benützt, die weich gestimmten Bewerber zu milden Gaben zu bewegen, und diese dergestalt zu erhöhen weiß, daß im Jahre 1839 allein bei 5000 fr. C. w. für das Spital einflossen. — Aber die verderbliche Jsolirung, die hier unter den Gebildeten herrscht, und jede Vereinigung verhindert, ist der Grund der Unthätigkeit Lemberg's in der großen Sache des Judenthums — sie ist der Wurm, der an den Säften der hiesigen Gemeinde nagt, und dieselben zum Schaden des Judenthums verderben läßt — während gerade Brody durch vereintes Streben der Gebildeten und Ideenaustausch sich auf einen höher» Standpunkt gehoben hat. — Diese Jsolirung ist der Grund, daß eine Gemeinde von 30,000 Juden, während ringsum das regste Leben sichtbar ist, still und brach bleibt. Und wahrlich! um diese Jsolirung zu heben, bedarf es nur des Impulses von Seiten der bereits in dieser Zeitung gewürdigten geistreichen Universitäts und Geschäftsmänner! — In den Händen dieser Männer liegt das Mittel, die Gemeinde Lemberg's von dem Vorwurfe der Nichtexistenz in einer durch so hohe Interessen bewegten Zeit, und des Jndifferentismus für ihre heiligsten Rechte zu befreien!- Würden diese Männer näher an einander rücken, und nach festgezeichneten Ideen die geistige Wiedergeburt der hiesigen Gemeinde in Schule und Synagoge durch gemeinsames Streben zu erwirken suchen, sie würden große Resultate und gewiß vielseitige Unterstützung unter dem Schutze unsrer milden Regierung erlangen! Möchten diese Worte nicht unberücksichtigt vorübergehen! Preußen. Magdeburg, I. Nov. Ueber die Feier des Huldigungsfestes von Seiten der Israeliten, die wir als Kundgebung ihres Bürgersinncs so gerne würdigen, tragen wir noch Einiges, theils aus Privatmittheilungen, theils aus den Zeitungen nach. — In Bonn stiftete die israelitische Gemeinde eine Gesellschaft „zur Beförderung der Handwerke unter den Israeliten." — In Trier war die Synagoge feierlich geschmückt, und wurde ein Gottesdienst abgehalten. — In Bromberg hatte die Judenschaft schon am I4ten zur Vorfeier einen Ball veranstaltet, und beging den Festtag selbst noch außer dem Gottesdienst würdig durch Speisung der Armen ihrer Gemeinde. — AuS Birnbaum meldet die Preuß. Staatsztg. Folgendes: „Demnächst begaben sich gegen 6 Uhr auf besondere Einladung der Ober-Präsident, der Kreis-Landrath und die sonstigen fremden und einheimischen Theilnehmer des Festmahls in den hellerleuchteten Judcntempel, um auch der daselbst von Seiten der jüdischen Korporation vorbereiteten religiösen Feier des Königlichen Gcburtsfestes beizuwohnen. Nach dem Absingen vollstimmiger und wohltönender Psalmen hielt der Sohn des jüdischen Rabbinen Heymann Joel eine die allgemeine Theilnahme erregende Festrede in Deutscher Sprache, und es mußte wol «inen tiefen Eindruck Hervorrufen, als zum Schluffe der Feier auch an dieser Stätte von der versammelten Gemeine und unter Mitwirkung christlicher Lehrer zwei Verse des christlichen Lobgesanges: „Nun danket Alle Gott" angestimmt wurden." — Aus Stettin meldet die Haude- und Spenersche Zeitung: „Bei den Festlichkeiten in Stettin verdienen die von der Judcnschaft veranstalteten noch besonderer Berücksichtigung. Am 15. Oktober Abends 6 Uhr versammelten sich sämmtliche jüdische Bewohner der Stadt in ihrer neuen, freundlich gebauten Synagoge. Schon der Anblick dieses erleuchteten Gotteshauses und dieser ruhigen Versammlung wirkte wohlthatig. Ein jüdischer Prediger sprach in einem guten Deutsch würdig und kräftig „über Das, was unser König für uns gethan, was Er hoffentlich noch thun wird, und was wir zu thun haben." Der Redner, ein Kandidat aus Berlin, war zu dieser Huldigungsfeier berufen worden,