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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-11-14 · Heft 46 (14.11.1840) · p. Seite 654

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 46 (14.11.1840)
Date
1840-11-14
Page
Seite 654 (sequence 6)
Language
German
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654 „Triebe, und der Vater aller Länder und Völker ist. „Vaterlandsliebe ist also der stärkste Pfeiler derGot- „tesverehrung, stützet diese nicht das Gotteshaus „so ist die Mühe der Bauenden vergeblich." - Feitel. Lemberg, September. (Privatmitth.) Wunderbar erscheint es gewiß, daß in einem so preiswürdigen Kampfe, wo der Mensch um seine Menschenwürde, um seine bürgerliche Existenz, das Judenthum um seine Emanzipation aus den Hemmketten des Vorurtheils nach innen und nach außen so eifrig sicht, eine Gemeinde wie Lemberg, von 30,000 Juden, völlig unthätig ist, und in keiner Beziehung sich rührt. Daß die Zeit mit ihren außerordentlichen Erzeugnissen spurlos an so vielen Menschen vorbeigeschritten sei, ist schon von vornherein nicht denklich. Auch hat bereits ein geistvoller Correspondent detaillirend im Beginne dieses Jahres berichtet, wie viele ausgezeichnet geistreiche, an Universitäten gebildete Männer unsre Gemeinde zu ihren Mitgliedern zähle — und wenn man noch die vielen Männer in unsrer Gemeinde, welche unter der Kapuze und Kutte der Altvordern, einen klaren Verstand, ausgezeichnete Geistesbildung und ein für jede hochherzige That, jedes Schöne und Gute fühlendes Herz bergen, beachtet, dann ist wahrlich! Mangel an geistiger Kraft nicht die Ursache der Unthätigkeit unsrer Gemeinde. — Und was ist denn der Grund dieser Leblosigkeit, dieses gänzlichen Mangels an zeitgemäßen Instituten zur Förderung der Herzens- und Geistesbildung, die gerade die Mittel sind, den Kampf zum Siege zu lenken, da durch die Bildung in denselben der Jude selbst aufgeklärter, von seinen christlichen Mitbürgern geachteter (wie wir dies bei unfern geistreichen Mitgliedern auffallend sehen) ja humaner behandelt und christlichen Sophisten der Grund schwinden würde, daß die hierländischen Juden zur Emanzipation noch nicht hinreichend gebildet sind? Der bereits oben erwähnte Correspondent hat in seinem gediegenen Aufsatze No. I und 2. des gegenwärtigen Jahrgangs dieser Zeitung als solchen den Jndifferentismus der Gemeinde aufgestellt, — so sehr ich jedoch den gerechten Schmerz über die Unthätigkeit so vieler Kämpen in einer so heiligen Sache theile, kann ich den Vorwurf des Jndifferentismus, welcher bei den hohen Interessen, die diese Sache berührt, synonym mit Herzlosigkeit wäre, auf unsrer Gemeinde — wenigstens den zahlreichen Gebildeten derselben — nicht lasten lassen, und den Grund der Unthätigkeit nicht darin sehen. — Und wahrlich, wer die Theilnahme und Freude sieht, mit der jede öffentliche Anerkennung eines geistig kräftigen Juden von Seiten der christlichen Mitbürger in unsrer hiesigen Gemeinde ausgenommen, wie dieses Ereigniß auf's lebhafteste weiter verbreitet wird, und sich kleine Versammlungen bilden, um die Hoffnungen, zu denen es berechtigt, zu besprechen und zu beleben, — wer die allgemeine Aufregung über die unerhörten Martern unsrer Glaubensgenossen in Damaskus, und den Jubel über das kräftige Einschreiten der großen Männer in Israel gesehen — wer bemerkt, wie so viele Geschäftsmänner, selbst durch Geschäftsdrang und Erfüllung ihrer Familienpflichten in Anspruch genommen, die unabhängigern geistreichen Männer zum kräftigen Einschreiten für das jüdische Interesse anspornen — der kann der Meinung, daß Jndifferentismus in der Gemeinde herrsche, und dies;t>er Grund des Mangels besserer Institute sei, nicht beitreten. So ermangelt es uns auch gar nicht an einzelnen Männern, welche all' ihre Kräfte aufwenden, das Gemeinwesen zu erhalten, und in die Höhe zu bringen. Gestatten Sie mir nur Einige hervorzuheben. Es sind dies der Herr Landesadvokat Dr. Blumenfeld, der bei Gelegenheit der Anwesenheit Sr. k. k. Hoheit des Erzherzogs Franz Karl, Bruders unsres allgeliebten Herrschers, im Monat Oktober 1839 für die hiesige Gemeinde eine Petition verfaßte, welche sich durch gründliche Auffassung, beredte Darstellung und klassische Sprache auszeichnet, wo die Gebrechen, die man den Juden hier zuschreibt, so kraftvoll widerlegt, die einzelnen Punkte so wohl begründet und gediegen erörtert sind, daß gewiß die besten Wirkungen zu hoffen. — Würde nur die unter andern erbetene Vermehrung der Nahrungsquellen und Aushebung der Lichtsteuer bewilligt, wie viel wäre für die höheren Zwecke des Judenthums durch Erhöhung der Kontributionskräste gewonnen!! — Jedenfalls verdient ein Mann, der mit dem Eifer und der innigen Theilnahme, die aus diesem schönen Aufsatze hervorleuchten, durch seine eminenten Talente für das Judenthum wirkt — unfern innigsten Dank! - I

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