Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-11-14 · Heft 46 (14.11.1840) · p. Seite 652

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 46 (14.11.1840)
Date
1840-11-14
Page
Seite 652 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225119-3225166--03103-3312625
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

632 als einheimisch zu bettachten, ihr allgemeine, freie Niederlassung zu gestatten, ihre frühem Besitzungen gesetzlich zu sichern und die demüthigen Benennungen und dergleichen Verordnungen aus dem Gesetz- Huche zu streichen; — sondern in der Form des hierüber abgefaßten Gesetzes, sprechen sich die angenehmsten Aussichten aus, daß der hohe Edelmuth und die ruhmgekrönte Menschenliebe der Ungarn, auch ferner unablässig um die bürgerliche Erhöhung unserer Nation besorgt sein wird — und unser edler Monarch ferner die huldvolle Gewährung, der mit dem allgemeinen Staatssysteme verträglichen Rechte und Genüsse uns nicht versagen wird. -- Aber auch von anderseitig wichtigen Folgen waren die dießjährigen jede Menschenbrust wohlthuend erhebenden Landtagsverhandlungen. Viele unserer Israeliten — gleich gewöhnt an den auf ihrem Nacken eingerosteten Joch der politischen Verhältnisse, wie an manchen, starren, durch verjährten Mißbrauch geheiligten, zeitwidrigen religiösen Zustanden — sind durch das erhebende Vernehmen wie die Edeln Ungarns in Voraussetzung deß „der in neuerer Zeit obsiegender Geist der Aufklärung jene Scharten bereits ausgeglichen habe und nach und nach gänzlich ausgleichen werde," um hinter dieser edeln Voraussetzung nicht zurück zu bleiben, bei der statt gefundenen Prüfung ihres politischen Zustandes, auch über ihr anderweitiges Befinden nachzudenken, mächtig angeregt worden, und so hören wir wirklich seit kurzer Zeit, in vielen Gemeinden — wo bisher Verwahrlosung der Jugend durch mangelhaften und verkehrten Schulunterricht — Unordnung in der Liturgie — wo überhaupt starres, blindes Anhängen am Alten an der Tagesordnung war — von zeitgemäßen Lehrgegenständen und Errichtung von Schulen sprechen — so sehen wir in neue erbaueten Synagogen solcher Gemeinden, wo bisher jeder deutsche Vortrag verpönt und jede wahrhafte Erbauung ein Fremdling war, im Geiste der Zeit gereifte Männer die ersten Worte der Weihe sprechen s). Auch auf jene besseren Geister, welche durch öftere zwecklose Versuche, manche religiöse Zustände einer erlaubten zweckmäßigen Re- •) Palata km Weßzeymer, und Güssing im Eisenberg« Comitat gebe» davon Beispiele. — form zu unterwerfen, sich längst entmuthigt, von allen gemeinnützigen Unternehmungen entfernt hielten — blieben die wichtigen landtäglichen Vorgänge nicht ohne Einfluß; — durch das großartige Beispiel der edeln Magyaren ausgemuntert, wenden selbe neuerdings ihre Kräfte der Sichtung und Läuterung der Religion, der Verbesserung und Umgestaltung des vernachlässigten Schulwesens zu. — Ja, nicht nur Sachverständige unseres Vaterlandes sehen wir seit der letzten Zeit mit besonderem Eifer für Organisirung zeitgemäßer Bet- und Schulhäuser kämpfen; selbst Männer anderer Provinzen unserer Monarchie, durch die erhabenen Vorgänge unseres Landes für den Magyarismus begeistert, richten mit besonderem Mitgefühle ihr Augenmerk auf uns. — So hat z. B. der diesen Blättern bekannte Herr Leopold Löw aus Mähren sein rühmlich literarisches Wirken auf eine Zeit der ungarischen Historie zugewendet und macht sichs zur Lieblingsaufgabe, so wie jene Edeln für die Erhöhung unseres politischen Wohles arbeiten — durch öftere Ausflüge nach Ungarn, auf das dasige Brachfeld des moralischen Gemeinwesens, Blüthen echter religiöser Aufklärung zu verpflanzen. Noch von bedeutendem Nebeninteresse war die heurige, für die Israeliten Ungarns so wichtige Epoche, indem wir bei dem stattgehabten Zweifel über die Wendung unseres Geschickes, in der allseitig gespannten Beobachtung Gelegenheit hatten, unsere Freunde und Feinde zu erkennen. Der ungarische Bauer ist unser Feind nicht. Bei ihm findet stets der arme Jude eine freundliche Herberge. Er rufet dem jüdischen Bettler nicht entgegen: „Hier wohnet kein Jude!""-Mit vollem Zutrauen stehet er mir Juden im Verkehre und giebt ohne Bedenken seine Kinder in unsere Dienste. Die Stimmung der ungarischen Geistlichkeit und Gelehrten gegen die Juden haben in den Reden eines Bischofs Baron von Barcogy, Paters Stanislaus Albach, Predigers von Szök-ics und Prof, von Scheverley schon in diesen Blättern ihre Würdigung gefunden. Einzelne Mißtöne gegen unfern Glauben, haben gewöhnlich in stattsindender Strenge irgend eines jüdischen Gläubigers — ihren Grund. — Der ungarische Adel hat seine edeln Gesinnungen gegen uns, zur Genüge dargethan. — Hingegen spießbürgerliche Handwerker und von jüdischer Un-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.