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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-11-07 · Heft 45 (7.11.1840) · p. Seite 647

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 45 (7.11.1840)
Date
1840-11-07
Page
Seite 647 (sequence 15)
Language
German
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647 gion Israels überlaßt nicht, wie alle menschlichen Lehren und alle anderen Religionen die äußeren Verhältnisse des Menschen dem Menschen selbst, sondern sie hebt sie allesammt zu Gott hinauf, und läßt sie in Gott den letzten Zweck, den höchsten Willen finden. Sie stellt an die Spitze ihrer Vorschriften und Gesetze ‘prf?« 'n „Ich bin der Ewige, Unwandelbare, dein Gott, der solches will, und dich dadurch zu sich erhöhet, daß du des Ewigen wirst rtaö. Sie sagt, kein Mensch soll Leibeigener, soll Sklave, ewiges Eigenthum, sondern frei sein, weil er Gottes ist, der die Sklaven zur Freiheit bringt. Sie sagt: alle Menschen sind gleich, ein Recht und Gesetz für sie, denn den Fremdling führt Gott in die Ferne und zur Heimath zurück, Ehre den Vater und die Mutter, denn Gott achtet darauf und belohnet es. Leben, Ehe, Eigenthum und Wahrheit verletze nicht, denn von Gott stammen sie. Deinem dürftigen Bruder hilf auf, denn du leihest damit dem Ewigen. Des Blinden und Tauben spotte nicht, vor dem grauen Haupte erhebe dich, der Vvgelein Mutter laß fliegen, denn den Ewigen kränkst du damit. Haffe deinen Bruder nicht, sondern vergieb ihm, und räche dich nicht, liebe deinen Nächsten wie dich selbst 'rr ■’iN „denn ich bin der Ewige," der Euch geschaffen zur Liebe, zum Frieden. Also sind alle Tugenden Zwecke Gottes, alle Vorzüge des Menschen Absichten Gottes; jede gute Thal führt zu Gott hinauf, jede edle Handlung erhöht dich zu Gott, vergöttlicht dich. Welche absonderliche Stellung weisen dem Menschen die anderen Religionen zu. Die alten Völker sahen ihr an als ein freies, unabhängiges Wesen, eingereiht den anderen Geschöpfen der Natur, bestimmt zu leben, zu entfalten, was im Leben ist, zu genießen, was das Leben bietet. Die Religion des Abendlandes betrachtet den Menschen als ein, von Geburt an sündiges, unreines Geschöpf, das zu der Himmelshöhe des Herrn nicht hinauf, zu dem die Barmherzigkeit des Herrn nicht hinunterreicht, so tief ist es versunken, daß erst des Opfers und der Vermittelung eines dritten Wesens es bedarf, um zur ursprünglichen Höhe wieder erhoben zu werden. Die Religion des Morgenlandes betrachtet den Menschen als ein durch und durch sinnliches Wesen, dem Sinnengenuß der höchste Lohn und Zweck ist, und bevölkert sein Paradies mit Tafel- und anderen Freuden. Und unter allen diesen und tausend anderen Irrungen steht die Religion Israels allein da in höchster Gipfelung, und weiset dem Menschen die rechte Stellung an. Sie sagt ihm zuerst: du herrschest über alle Wesen der Erde und des Meeres, dein Leben ist geheiligt vor ihnen und wird gerochen. Alsdann: der Herr hat dich den Engeln wenig nachgesetzt, mit seinem Odem belebet, Geist von seinem Geiste, der zu ihm zurückkehrt. Alsdann: Söhne des Ewigen seid ihr Allesammt, der Euch erziehet durch Zucht und Lehre, wie ein Vater. Und nachdem sie lihn so über alle irdische Wesen erhoben, dicht an die körperlosen Geister, göttlichen Theiles, zu Söhnen des Allvaters, befiehlt sie ihm: du sollst heilig werden, wie der Ewige, dein Gott, heilig ist!-Sehet da, das soll die Aufgabe des innern Menschen sein, er soll heilig werden, wie der Ewige heilig ist, sein Zweck ist, dieselbe Eigenschaft sich anzueignen, die Gott in Vollkommenheit besitzt, er soll werden, wie Gott ist; und wenn sie uns nun auch überzeugt, daß kein Sterblicher gerecht ist, daß jeder in die Staubeshülle Gekleideter fehlet, so hat sie uns doch dicht hinangerückt an Gott und Gottes Herrlichkeit, an dessen Saume wir hangen! O du unsterblicher Odem Gottes, Seele, eingesenket der Staubeshülle, du bist es werth, daß wir uns um dich mühen, und sinnen auf dein ewiges Heil, dem unser sterblich Theil so oft zu nahe tritt! O du Tochter des Himmels, Wahrheit, du bist es werth, daß wir die Schleier zerreißen, welche das täuschungsreiche Leben um dich breitet! — Lasset uns Menschen sein, meine Brüder, heute, nichts als Menschen, wie sie aus der Hand des Herrn rannen, und in die Hand des Herrn zurückfließen. Lasset uns Israeliten sein, meine Theuern, heute, und nichts als Israeliten, denen die Religion aufgegeben, ihre Sünde zu erkennen, ihre Schuld zu bekennen, und sich zu versöhnen vor dem Herrn.

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