Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-11-07 · Heft 45 (7.11.1840) · p. Seite 648

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 45 (7.11.1840)
Date
1840-11-07
Page
Seite 648 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225119-3225165--03098-3312619
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

648 Za meine Staubgenossen, wenn es eine Grundwahrheit der Religion Jsiael's ist, daß kein Mensch gerecht, ganz gerecht ist vor Gott, kein Staubumhüllter das Ziel erreichet, das ihm gesetzt wäre, kein Irdischer nach dem Maße der Kräfte und der Gelegenheit, die ihm gegeben sind, sich heiliget: so ist es eine andere Grundwahrheit derselben Religion, daß Keiner so ungerecht, so weitab, so entheiligt wäre, daß er nicht kehren könne zurück (Ez. 18, 21, 22) zu Gott! Davon sind alle Worte der Propheten voll, davon fließet ihre Rede über, darauf sind alle Heilsanstalten unsrer Religion, darauf ist der heutige Lag gegründet. Darum rufet sie: Was du verbrochen, es kann gesühnet; wer sich vergangen, er kann versöhnet werden; nun zurück zu Gott. Keiner ist ausgeschlossen von der Gnade des Allerbarmers, von der Gnade des Vaters — nur zurück zu Gott! zwischen dir und Gotte stehet Niemand, stehet nichts! du brauchst nur hinaufzulangen mit den Armen der Neue zum Herrn, und er erbarmet sich dein! Schmeichelnd und lockend legt sich das Leben um den Menschen, bis es zum Gebieter des Menschen geworden. Dem Jüngling, der Jungfrau bietet es zuerst die Verwirklichung ihrer Lräume und Hoffnungen an, bis sie sich in seine Wege versenkt haben; dann wird es dem Manne zur Nothwendigkeit, es treibt ihn fort, ob er wolle oder nicht, auf der betretenen Bahn, bis es den ganzen Menschen gefangen, und ihn nicht eher aus seinen Banden, aus seinem Netze frei läßt, als wenn er greises müde und abgenutzt das Haupt zur Ruhe senkt. Was der-Herr dem Menschen mitgegeben an höheren Ahnungen, an höheren Bestrebungen,, an erhabenen Zwecken, was so die Brust des jüngern Menschen noch schwellt und hebt: in der Lreibmühle des geschäftigen, des gewerblichen Lebens wird es immer mehr und mehr abgerieben, verringert, zermalmt, bis es endlich in Stäubchen zerflieget. Du betrittst die Wege des Lebens mit dem Vorsatz, den Zweck des Menschen in edelster Art zu erfüllen, aber die Wirklichkeit ergreift dich, die Verhältnisse zwingen dich, du mußt sorgen für das tägliche Brod, arbeiten für den Erwerb; dann.bauest du dir dein Haus, gründest dir deinen Heerd, dich umgeben Wesen, die des Lebens Bedürfnisse von dir heischen. Unterdeß ist das Leben immer drängender geworden, du mußt kämpfen, Nebenbuhler und Feinde umgeben dich, die Sorgen häufen sich auf dein Haupt, und überwältigen dich, Verluste, Wagnisse, Täuschungen bestürmen dich. Und wenn du alles dies durchgefochten, wenn du irdischen Preis errungen, da hast du Lust daran gewonnen, und der Gewinn ist zur Gewinnsucht, und diese zur Vergehung geworden. Du kannst nicht Halt! genug! bis hierher! rufen, und willst es nicht! Wo hattest du da Zeit und Ruhe, an jenes Höhere und Geistige zu denken, an das Erhabene und Göttliche, an das überirdische verdeckte Reich. Längst bist du abwendig geworden auf den Wegen des Herzens, du hast es vergessen, es ist geschwunden, du bist erkaltet, eS ist verloren. Nur das Leben ist dein Gebieter, dein Inhalt, dein Wünsch, dein Wollen geworden. (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. Dre Verlagshandlung. An die resp. Vorstände der israelitischen Gemeinden in den gesainmten Königs. Preuß. Staaten. Die resp. Vorstande der israelikischen Gemeinden ersuche ich ergebenst, mir die Beschreibung der in Ihrer Mitte statt gehabten Huldigungs-Feierlichkeiten und die bei dieser Gelegenheit gehaltenen (hebräischen und deutschen) Reden und Gebete, bald möglichst und vollständig (direkt und postfrei) zukommen zu lassen; indem ich zu deren Herausgabe ehrenvoll veranlaßt worden bin. — Diese Schrift wird auf feinem Velinpapier mit einem schönen Titckkupfer in einer noch zu bestimmenden Buch. Handlung erscheinen. Bestellungen darauf sowol bei mir als bei jeder Buch- und Kunsthandlung angenommen. Die Namen der resp. Subscribcnten werden vorgedcuckt, daher man solche deutlich zu schreiben bittet. Gleichzeitig bitte ich um gefällig» Mittheilung aller in den Synagogen gehaltenen Trauerreden auf den Hintritt Sr. hochseligen Majestät des Königs Friedrich Wilhelm HI. Dr. I. Heiiremann in Berlin, Neue Frledrichsstraße 102. Druck von I. B. Hirschfeld.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.