Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1840)
- Date
- 1840-11-07
- Page
- Seite 645 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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645 Bosheit, von allen jenen Unthaten, welche man den Juden zur Last legt? Sehet doch selbst zu, prüfet streng, aber unbefangen und gerecht. Haltet euch nicht an einzelne Nichtswürdige, an Elende, die von den Juden wie von euch mit Abscheu betrachtet werden; sondern sehet darauf, wie sich die Mehrzahl der Juden bewährt, und ihr werdet dann die Redlichkeit so vieler jüdischen Geschäftsmanner und die Wohlthaten nicht verkennen, welche von Juden ohne Rücksicht auf den Glauben gespendet werden. Tretet nur den Kreisen würdiger, jüdischer Familien nahe, und ihr werdet die Thätigkeit der Männer, die Häuslichkeit der Frauen, den Fleiß der Jünglinge, die Sittsamkeit der Mädchen achten müssen. Ihr werdet die Reinheit der Sitten, den Sinn für das Gute, den Drang nach Ausbildung bemerken und ehren. Ja, meine christlichen Brüder, die Juden sind auch in sittlicher Hinsicht der Liebe werth, die sie von euch erwarten, und wer sie ihnen zuwendet, wird auch empfangen, was er spendet, Herzlichkeit, geistigen Genuß." Die Erhaltung der christlichen Vorurtheile wider die Juden käme aber aus der Erziehung, aus den Kinderschristen ff., die das Gemüth des Kindes schon gegen die Juden einzunchnien trachteten. Er fordert daher die Christen aus, sich dieser Vorurtheile zu begeben, so schwer es auch ihnen werden möge. Hätten doch die Vorfahren schon ganz andere Vorurtheile überwunden, von denen man jetzt nicht begreifen könne, wie sie so lange die Menschen beherrschen konnten. Zuletzt heißt,es: „So soll denn auch der Christ nur diejenigen Juden in seinen Freundeskreis ziehn, die er, wenn sie Christen wären, für sich zu gewinnen gesucht hätte. Geschieht das, so wird es sich bei der Verschiedenheit der Bildungsstufen, Lebensansichten, persönlichen Neigungen in den verschiedenen Kreisen so oft wiederholen, daß in dem geselligen Leben der Unterschied der Religionen verschwinden muß. Im Allgemeinen aber soll nur der Christ sowvl für sich als bei Verbindungen, die sich auf Geschäft, auf Erwerb, auf Wissenschaft, auf Kunst, auf Erheiterung beziehen, den Juden nicht, weil er ein Jude ist, von sich weisen. Die Liebe soll sich darin äußern, daß der Christ im Juden den Juden vergesse, und in ihm den Menschen eher; ob er nun am Menschen noch etwas besonderes zu lieben und zu schätzen findet, bleibe seinem Gefühl, seiner Neigung überlassen. An einzelnen, gar nicht ganz seltenen Fällen, daß Christen den Juden mit einer von keinem Vvrurtheil getrübten Unbefangenheit entgegentraten und sich ihnen anschlossen, fehlt es nicht. Diese Fälle sollen nur fortan zur Regel gehören." Dies ist das Wort des Herrn vr. Fr.; wir sehen, es ist hier weniger das Schwert der Gerechtigkeit, als die Palme des Friedens entgegengestreckt. Was wir daran zu billigen hätten, wird sich ergeben. Dieses Wort ist nicht ohne Antwort geblieben. Ein gewisser Th. Brand in Breslau sah sich ermächtigt, die Antwort eines Christen auf das Wort eines Juden zu geben. Wir haben diese nicht vorliegen, wol aber eine „Zurückweisung" derselben von Herrn Miro zu Breslau. Es ist hier durchaus nicht der Ort, da es nur einzelne Momente sind, die der Herr Brand gegen Francolm vorbrachte, und die Miro einzeln beantwortet, näher einzugehen. Genug, daß der Herr Br. die krasseste Unwissenheit mit der alten und neueren Geschichte der Juden verräth, und seine Argumente auf die gröbsten Schnitzer baut, und daß Herr Miro mit gründlicher Belesenheit und recht lebendiger Ironie ihn zurückweist. Es ist dies nun einmal nicht anders. Es mag geschrieben und nachgewiesen werden, was da wolle. Die Scribenten über die Juden sind wie die Franzosen über Deutschland. Sie scheuen sich nicht, in völliger Unkenntniß den Gegenstand zu besprechen, wohl wissend, daß sie bei vielen ihrer Leser immerhin Glauben finden. Doch kommen wir nun nach diesem Referate zur eigentlichen Besprechung unsrer Seits. (Schluß folgt.)