Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1840)
- Date
- 1840-11-07
- Page
- Seite 642 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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642 in keinem Lebensalter ohne Freude und Frucht gelesen und bedacht werden. Der erhabene Geist, die Reinheit der Anschauung und die herrliche, oft poetische Sprache dieses Katechismus läßt nirgends unbefriedigt, läßt oft die dem reisern Leser unangenehme Form der Katechese vergessen, und erweckt den Wunsch, in solcher Art die Religionslehre didaktisch vorgetragen zu schm. Der Standpunkt des Verf. ist der reinbiblische. Mit der Bibel schließt er den göttlichen Unterricht, und die Verbindlichkeit Zsrael's an denselben ab (S. 76). Mag nun hierüber viel Kontroverse von vielen Seiten geschehen, es braucht dem Werke für keine Partei zu schaden, da in dem Kreise des Vers, die vollste Ueberzeugung, das innigste Ourchdrungensein statt findet, und dieser Kreis für. jeden Israeliten die höchste religiöse Spitze ist. Jedenfalls ist es daher für die katechetische Behandlung der biblischen Religionslehre das beste, bis jetzt erschienene Werk. Es liegen uns die früheren Ausgaben nicht vor, wir können deshalb keine Vergleichung über die Umarbeitung anstellen. Wir begnügen uns, hier und da einige Bemerkungen anzuknüpfen. Die Definition der „Religion" S. 1 scheint uns einen Mangel zu haben, den wir in allen, uns bekannten Lehrbüchern bemerkt haben. „Religion ist die Anerkennung und Verehrung des höchsten'ff. Wesens." Die Religion umfaßt drei Momente, 1) die Anerkenntniß, 2) die Verehrung Gottes, und drittens die nach beiden getroffene Einrichtung unsres Lebens. Die in der Anerkenntniß und Verehrung Gottes vollführte Handlung ist auch Religion. Religion ist ohne durch sie hervorgebrachte Thatigkeit nur unvollkommen, und diese Thatigkeit muß daher ebenfalls in den Begriff der Religion, der nur dadurch vollkommen wird, ausgenommen werden. Dadurch wird die Pflichtenlehre nicht in das Schleppthau der Religionslehre genommen, sondern ist integrirender Theil des Fahrzeuges, der Kiel des Schiffes, oder sein Hinterdeck, wie man will. S. 3 hat der Verf. den Unterschied zwischen Mensch und den übrigen Geschöpfen'in ihrer Bestimmung nicht klar gelegt. Er liegt in seinen Worten: Die Wesen sind gut, der Mensch soll gut werden, aber dieser Abstand hätte erörtert werden müssen. S. 5 zum Begriff der Glückseligkeit hätten wir hinzugefügt: „das Aufgehen aller Sehnsucht in die Lauterste Befriedigung." Die Antworten der Fragen 40 bis 45 (S. 10. 11.) haben uns am wenigsten befriedigt. Aecht ist das Bekenntniß eines Glaubens, wie es der Verf. ausspricht, aber noch nicht wahr; subjektiv wahr, aber nicht objektiv wahr. Die Forschung, die Abklärung, das Ringen nach Wahrheit bleibet da ganz ausgeschlossen. Der Verf. begnügt sich hier mit der Ueberlieferung, der er doch sonst nicht zugeneigt ist. Die ganze Darstellung der geschichtlichen Vorbereitungen zu der Offenbarung (S. 14 ff.) ist überaus trefflich. Aber die Antwort auf die Ute und 12te Frage stimmt mit 15 und 16 gar nicht überein. Die Schrift läßt uns über die frühere Geistesgeschichte Abraham's ganz im Dunkel. Allein der strikte Anfang des 12. Kap. des ersten B. M. mit „der Ewige sprach zu Abram" setzt frühere Offenbarung voraus. Die Frage, wie geschah die Offenbarung? hat der Verf. mit Stillschweigen übergangen. Er läßt nur die Propheten vom Geiste Gottes erfüllt sein. Wir können ihn darum nicht tadeln. Möchte doch kaum ein Prophet selbst Rechenschaft darüber zu geben im Stande sein. Dennoch haben wir Analoga in uns. Jener Zustand der Extase, der höchsten Begeisterung, wo die inneren Schleusen unsres Geistes aufgezogen sind, und ein ungewohnter Strom, ein Hauch von oben sich ergießt. — Wir müssen hier stille stehen, da der Raum zu beschränkt ist. Wanderten wir so durch die ganze vorliegende Schrift, würde das Referat zum Buche anschwellen. Und doch würde jenem gar nichts an Werth genommen. Es ist das der Zweck eines solchen Weckes, uns überall anzuregen. Wobei nichts zu denken und zu bedenken wäre — das taugt Nichts! 1NL p«. Ueber die israelitische öffentliche Religions-Prüfung oder Konfirmation. Bon Ür. M. Büdinger. Cassel 1840. Diese Monographie eines vielfach angeregten Gegenstandes bespricht I. die Ursache und Entstehung der israelitischen Konfirmation, wie diese aus dem geordneten Religionsschulwesen hervorging. Dieser Absatz ist ziemlich oberflächlich gehalten, und giebt das Historische dieser Institution ganz ungenügend. Er erwägt weder die Anknüpfung an den synagogischen Akt nach Verlauf des dreizehnten Jahres, an die dabei üblichen Vortrage der fähigeren Knaben, noch giebt er eine umfassende Darstellung von dem, was bis jetzt dafür geschehen, und doch kann man dies von einer Monographie am ehesten verlangen. 1L. Nothwendigkeit derselben. Hier ist sehr paffend die Konfirmation als Spitze des Religionsunterrichtes, und in ihrer Rückwirkung auf das Gemüth des Konfirmanden und der Zuhörer gefaßt, j Nicht weniger hatte es als ein Moment nach außen hervorgehobm werden können, daß durch sie Gelegenheit |