Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1840)
- Date
- 1840-11-07
- Page
- Seite 641 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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641 bel vorgetragen wird, und arbeitet dieselbe zugleich zu einem vollständigen Unterrichte Ln der Retigionslehre für die zartere Jugend aus. Daß die biblische Geschichte völlig hierzu geeignet ist, liegt in der Natur der Sache, da dieselbe ja nichts weiter als die Erziehung eines Volkes zur Religion ist. Dieser Weg ist nicht neu, aber in der Ausdehnung und Vollständigkeit, mit der der Berf. diese Methode durchgeführt, ist er neu auf jüdischem Gebiete. Der Nutzen dieser Methode liegt auf der Hand. Zunächst wird dadurch die Einförmigkeit des Religionsunterrichtes entfernt, und durch die angemessene Mischung von Geschichte und Lehre jene der oberflächlichen Fassung, diese der Dürre, und darum beide der Unwirksamkeit entzogen. Es versteht sich von selbst, daß der Lehrer sich nicht streng am hier Gegebenen halten wird, und bald einmal eine Stunde drc Repetition der Geschichte allein, bald eine der Wiederholung der religiösen Lehre allein widmen wird, um den Schüler auch etwaiger Verwirrung zu entziehen. Das Ganze ist katechetisch behandelt, in Abschnitte gebracht, Bibelverse voran, und Liederverse dazwischen und zu Ende. Vielleicht daß es besser gewesen, die geschichtlichen Stücke nicht katechetisch zu fassen, sondern als Vortrag des Lehrers hinzustellen, wie es natürlicher ist, und wodurch die oft kuriosen Fragen vermieden waren, dagegen die Lehrstücke katechetisch. Doch gestehen wir, daß wir auch bei letzteren mehr Entwickelung, als kategorischen Ausdruck gewünscht hatten. Denn unsere, selten in Seminarien gebildeten Lehrer sind meist gerade in der katechetischen Entwickelung sehr schwach. Bei einer zweiten Auflage geben wir auch dem Herrn Verf. zu bedenken, aus der nachpalästinensischen Zeit mehrere wichtige Ereignisse zu geben. Unsere Jugend muß wissen, was ihre Vater gelitten, wie sie geduldet, wie theuer ihnen das Kleinod, das sie den jetzigen Geschlechtern hinterlassen, zu stehen gekommen. Die so gewöhnliche Verachtung der vergangenen Jahrhunderte, die eben so schädlich, wie undankbar ist, würde dadurch weichen. Die Liederverse sind meist aus dem neuen Hamburger Gesangbuch entlehnt. Wir bemerken, daß diese meist für die Jugend, der das vorliegende Werk bestimmt ist, zu schwer sind. Wir haben dies aus Erfahrung. Ref. tragt zu Anfang jeder Religionsstunde ein Lied vor, dessen Anfangs- und Endvers die Jugend nachspricht. Des von ihm geschätzten Hamburger Gesangbuches kann er sich dabei nicht bedienen, weil er immer merkt, daß die Schüler das Lied nicht verstehen. Er hat deshalb das Johlson'sche Gesangbuch zu diesem Zwecke bekbehatten. Das nimmt auch jenem Gesangbuche gar nichts. So sind auch viele der hier gewählten Verse zu schwer. Der ganze Geist, der über die vorliegende Schrift ausgegossen ist, ist rein religiös und rein sittlich, offenbarungsgtaubig und überall für die israelitische Religion anregend. Wir erklären uns ganz damit einverstanden. Daß sich in einem solchen Werke, zumal in seiner ersten Gestalt, vieles Einzelne findet, was noch der Aenderung und fernem Ueberarbeitung empfehlenswerth scheint, laßt sich voraussetzen. Wir wollen nur einiges Wenige anführen. Die Geschichte Cham's (S. 18) wünschen wir hinweg, um so mehr, da die Empfehlung der Nachsicht mit den Schwächen der Eltern für ein zartes Alter nicht paßt, zumal bevor die eigentlichen Pflichten gegen Eltern besprochen und eingesenkt sind. Die Anwendung des ersten Gebots ist zu schwach (S. 55.). Die Erklärung von „Gott gedenkt der Schuld der Väter ff." im zweiten Gebote (S. 57) ist ungenügend, und vertuscht nur den Sinn der Schrift. In der Anwendung des siebenten Gebots (S. 67) hätte die Keuschheit noch weiter besprochen, und die Heilighaltung des Leibes, die die Schrift so dringend erzielt, hervorgehoben werden müssen. Die Ekntheilung der Gesetze in neun Klassen (S. 73) ist für die Fassung der Jugend zu weitschichtig, um so mehr, da mehrere Rubriken leicht und richtiger in einander zu schieben find, z. B. die fünfte Klaffe in I. b.3 die sechste in die achte. Zu c) in der ersten Klasse, wo von den Festen die Rede ist, hatten wir eine weitläufigere Erörterung gewünscht, da eine Besprechung ihrer Bedeutung ff. im Werke fehlt, und dieselben für das religiöse Leben so höchst wichtig sind. Auch die Frage, inwiefern das zeitliche Wohl von der Erfüllung der religiösen Gebote abhange (S. 86), hatte genauer beantwortet sein sollen. Das Dasein einer Nv hmw i-mn wird S. 88 zugegeben, abec wo haben wir sie? ist unbeantwortet geblieben. Genug. Diese kleinen Ausstellungen nehmen dem Werke seinen Werth und sein Verdienst nicht, .und spatere Bearbeitungen werden es immer gediegener machen. Ob wir' es unseren Schulen und Lehrern dringend empfehlen, ist wol nicht mehr fraglich. — hw nm Katechismus der Mosaischen Religionslehre von Dr. E. Kley. Dritte, völlig umgearbeitete Auflage. Leipzig 1840. War das vorige Werk für die frühere Jugend, so ist dieses für die reifere Jugend bestimmt, ja reicht weit über dieselbe hinaus, und wird 45 *