Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1840)
- Date
- 1840-11-07
- Page
- Seite 640 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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640 Mehr als mancher gekünstelte Toast an sogenannten großen Tafeln war gewiß der von diesen Leuten auf das Wohl unsers erhabenen Monarchen, den alle seine Unterthanen ohne Unterschied des Glaubens mit Stolz den ihrigen nennen, dargebrachte werth; er kam aus reinem uneigennützigem Herzen. Ein zweiter Toast, der jüdischen Gemeinde, die diese Freude veranlaßt hatte, wurde zwar im richtigen Takte verbeten, doch umsonst, das dankbare Gefühl hatte das Bcdürsniß, sich Luft zu machen. — Nach aufgehobener Mahlzeit wurde jeder Arme mit einem kleinen Geldgeschenke und dem Wunsche entlassen, ähnliche frohe Tage oft bereiten zu können. — Die jüdischen Armen, ohngefahr 10 an der Zahl, die an den "Speisen dieser Tafel nicht Theil nehmen konnten, wurden mit einer ihnen zugeschickten Gratifikation von 1 Thlr. abgefunden. — Hiebei erlauben wir uns folgende Bemerkung. Jede Wohlthat trägt ihren Lohn in sich selbst und bedarf keines Dankes. Die Judenschast hat deshalb auf solchen von Seiten des Magistrats weder Anspruch gemacht, noch ihn schriftlich oder mündlich erhalten. Kränken hingegen muß cs, wenn man Acußerungen, wär's auch nur vom Pöbel, hört, wie folgende: Das ist das jüdische Großthun, Prahlerei, nichts weiter, sie konnten das Geld besser (?) für sich selbst brauchen. — Als ob Schützenausmärsche, Bälle, Diners u. s. w. zweckdienlicher wären, als das unschuldige Vergnügen des Wohlthuns. — Auch die Stadtverordnetenversammlung (sie sowol als der Magistrat dulden seit mehr als 12 Jahren, bewundern Sie unsere Fortschritte in der Kultur und Humanität, keinen Juden in ihrer Mitte) hatte eine Unterstützung sämmtlicher christlicher Stadtarmen, 103 an der Zahl, aus der städtischen Kammereikasse bewilligt. — Möge ein allgütiger Gott unserm edeln, weisen und gerechten Könige ein langes und wahrhaft glückliches Leben, uns aber Kraft und Math verleihen, diesen Tag stets durch Wohlthaten, im Geiste unsers erhabnen Monarchen, an alle Bedürftige, ohne Unterschied des Glaubens, ausgeübt, auf'S würdigste zu feiern. Da von dieser Relation in der Breslauer Zeitung sowol als in der Schles. trotz gemachten Mittheilung gar keine Notiz genommen worden, so genehmigen Sie wohlwollend deren Aufnahme, so wie ich die Ehre habe u. s. w. M. Heilsberg, 15. Okt. (Privatmitth.) Den heutigen Huldigungs- und Geburtstag unsres allgeliebten Landesvaters beging auch unsre Gemeinde als ein Fest des Dankes und der Freude. Es versammelte sich nämlich Morgens 9 Uhr die aus 25 Familien bestehende Gemeinde in dem festlich geschmückten Bethaus. Der Gottesdienst begann, indem unter Leitung des hiesigen Lehrers Herrn Rom und des Vorstehers Herrn H. Gottschalk mehrere junge Leute die Psalm. 8 und 21 in geregelter Melodie anstimmten, wobei die Gemeinde am Schlußverse einsiel. Hierauf trat Herr Gottschalk an das geschmückte Pult vor dem w-ipn und hielt eine kurze erbauliche Predigt, welche er mit Gebet und einem Segen für König und Vaterland schloß, auf welckien die Absingung des Ps. 45 von einem Chor folgte. Jetzt betrat Herr Rom diese Stelle und nachdem zuvor Ps. 61 abgesungen wurden, sprach derselbe ein der Feier des Tages angemessenes Gebet und hielt dann eine herzerhebcnde Anrede, nach deren Beendigung er das Synagogengebet für den König wvan imrn in deutscher Sprache vortrug. Den Schluß des feierlichen Aktes machte der Ps. 150. Unter den das Gotteshaus zahlreich anfüllenden Anwesenden von allen hiesigen Konfessionen war der Kreislandrath Baron von Buddenbroek nebst mehrern Mitgliedern des Magistrats und andern Standespersonen, welche, so wie alle an der erhebenden Feier Theilnehmenden gerührt und erbaut das Gotteshaus verließen um in den andern Zwei Kirchen der Andacht beizuwohnen. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 25. Oktob. Angekommen: 2'n: Biblischer Katechismus von Dr. 23. Wessely. Prag, 1840. Wenn es der Religionslehrbücher und der biblischen Geschichtsbücher für die jüdische Jugend gewiß nicht zu wenige giebt: so schlägt das vorliegende treffliche Werk einen neuen Weg ein, indem es den Religionsunterricht und den in der biblischen Geschichte verbindet. Es verfolgt die Geschichte, die uns in der Bi-