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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-11-07 · Heft 45 (7.11.1840) · p. Seite 639

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 45 (7.11.1840)
Date
1840-11-07
Page
Seite 639 (sequence 7)
Language
German
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659 den und wir wollen den Namenlosen recht sehr bitten, falls es ihm wieder einmal belieben sollte, eine Topographie zu schreiben, sich vorher gesälligst instruiren zu lassen, was Topographie sei. Daß Herzoge v. M. sich im Kriege ausgezeichnet, „brav wie M." sprichwörtlich geworden u. s. w., ist wenigstens keine Topogr. Ne sntor ultra crepidam! Dagegen müssen wir dem Namenlosen völlig beistimmen, wenn er ganz naiv behauptet, diese „Herzoge früherer Jahrhunderte werden heute nicht mehr gesehen." — Es geht übrigens, wie unser Namenlose genügend erfahren haben wird, gewissen Literaturprodukten nicht besser, die, nachdem kaum so viel Wochen, als hier.Jahrhunderte über ihr Haupt verstrichen, schon nicht mehr gesehen werden. — Wir übergehen die übrigen schalen Witze, die überhaupt dem Verf. gewiß eben so unverständlich sind, als dem Leser, zumal wir nicht so viel Lust verspüren, dergleichen ad nanseam usijue zu widerholen, als die Schles. Chron. sich zum Receptacidum solcher Afterprodukte einer in Schmuz und Galle gebadeten Muse herzugeben. — Zur Sache! — Unser Namenlose konnte, wie gewöhnlich, seine Expektoration nicht schließen, ohne einen hämisch-gehässigen Ausfall auf die hiesigen Juden zu machen, die in Bezug-auf ihn gewiß eben so ignorant sind, als — er selbst. Ob das hiesige „auserwählte Volk," 30—40 jüdische Familien unter einer Einwohnerzahl von nahe 4000 Seelen, „sich so besonders wohlbesindet," lassen wir dahin gestellt. Jedenfalls wird ihnen Niemand streitig machen, daß sie sich durch Fleiß und Redlichkeit, wenn auch größtentheils kümmerlich, nähren. Wenn sie aber durch die sogenannten „glänzendsten Aussichten," die ihnen der Namenlose etwa in seinen Commerziellen Verhältnissen zum Auslande gestellt, sich »nicht von hier wegbringen lassen," so geschieht es wol lediglich darum, weil sie an industriösen Spekulationen zum Nachtheile Anderer nicht Theil nehmen wollen. Hic aiger est, Iiunc tu, Romane, caveto. E. Münsterberg in Schlesien, 22. Okt. (Privatmitth ) Berehrtester Herr Redakteur. Sie werden gewiß Gelegenheit gehabt haben, aus den Zeitungsrelationen zu bemerken, wie überall bei der schönen Doppelseier des Geburts, und Huldigungsfestes unsers erhabenen Monarchen die Juden sich beeifert haben, ihre Liebe und Anhänglichkeit an den Tag zu legen. Wenn dies auch in der Regel weniger durch brillanten Schimmer, kostbare Illuminationen, großartige Ball- und Tafelfreuden geschehen, so liegt es, wie Sie wissen, mehr im Charakter ächter jüdischer Liebe, sich nie zu freuen, ehe der Hunger seines armen Mitbruders gestillt, ehe dessen Gemüth zur Freude gestimmt. Die Mittel reichen aber, besonders in kleinen Gemeinden, nicht hin, dem Auge und dem Herzen zugleich genug zu thun. Gleichwol haben auch hinsichtlich der Illuminationen die Juden überall daö möglichste geleistet und gehört auch hier nächst dem Rathhause und der evangelischen Kirche, die Synagoge zu den angesehensten Beleuchtungen. Auch hier versammelte sich den 15. Oktober, Vormittags 0 Uhr, die fromme Gemeinde in der Synagoge, um ihre inbrünstigen Gebete für das Wohl eines eben so weisen, als gerechten und gütigen Königs gen Himmel emporzusenden. Es wurde uns zwar, da wir leider keinen Prediger haben, nicht die Macht des geflügelten Wortes zu Thcil, doch wurden passende Psalmen (21., 45., 61., 72.), das bekannte Gebet für den König und sein Haus ('iai Wien ■jmrn) u. s. w. feierlich vorgetragen. — Schon einige Tage zuvor hatte die.jüdische Gemeinde, geringe zwar an Zahl und Mitteln, doch stark an gutem Willen, sich vereinigt, um eine Speisung der Armen unserer Stadt ohne Unterschied des Glaubens zur Feier des denkwürdigen Tages zu veranstalten. Das Geld war bald zusammen, die Erlaubniß des Magistrats eingehvlt. — So begann denn Vormittags 11 Uhr die Speisung der christlichen Stadt- und — um auch die einmal angekommenen nicht beschämend abzuweisen — Vorstadt-Armen, 112 an der Zahl, in Ermangelung eines hinlänglich geräumigen Lokals — in zwei Kolonnen, wobei z. T. die angesehensten Damen und Herren aus unserer Mitte die Aufwartung mit besorgten. Es gewährte, wie Sie leicht denken können, dem Menschenfreunde eine wahre Lust und den schönsten Lohn seiner Wohlthat, diese Schaar unglücklicher, vom Schicksale und der Last der Jahre (es befanden sich Leute in der Gesellschaft von 80—100 Jahren) gebeugten Männer und Frauen diesen Tag wenigstens froh und heiter zu sehen.

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