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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-11-07 · Heft 45 (7.11.1840) · p. Seite 638

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 45 (7.11.1840)
Date
1840-11-07
Page
Seite 638 (sequence 6)
Language
German
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reich begabte Redner erwecken Wetteifer, Abwechselung und Reichthum der Belehrung. Mit Unrecht will man dem Predigtwcsen seinen rhetorischen Schmuck als Unterhaltung vorwerfen. Ein durch - geführtes, regelmäßiges Predigen dringt mit der Zeit in jede Schale, durchbricht jede Rinde, und entwickelt den Kern. Zuerst an gezogen, und dann durchzogen. Die Predigt und eine vollständige Synagogenpolizci, Ordnung und Ruhe, diese sind die wesentlichsten Bedürfnisse. Mit diesen muß begonnen werden, nicht mit einem unmusikalischen Chor und einem Ocnatstreit. Sind diese geschaffen, so erwächst die bessere Zukunst unmittelbar daraus, und wie von selbst. Eine Synagogen-Kommission aus energischen und vernünftigen Männern aller Nuancen harte dies zu bewirken. Den obigen beiden Punkten kann ja Niemand etwas Rechtes entgegensetzen! (Schluß folgt.) Münsterberg in Schlesien, 20. Okt. (Privatmitth.) „Wenn man Paris kennt, so kennt man ganz Frankreich!" — Dasselbe läßt sich auf jede Provinz von deren Hauptstadt sagen. Jedermann weiß, wie gewissenhaft Breslau dem Obskurantismus deL Mittelalters huldigt, man denke nur an die Börsen-, Ressourcen- und alle geselligen Verhältnisse, zu denen „Gevatter-Kramer und ^Handschuhmacher," doch kein noch so geachteter, noch so gelehrter Jude Eintritt finden darf. So geschieht es denn, daß unsre Provinzialzeitungen Schmähungen, schmutzige Bcrläumdungen und ungezogene Witze bereitwillig aufnehmcn, sobald sie Juden betreffen. Als der selige, leider der Wissenschaft zu früh ent-! rissene Pros. Schön, die Redaktion der Schles. Zeit, vortrefflich, wie Alles, was sein Geist unternahm, besorgte, war Res., wiewol bei sehr beschränkter Zeit, gern Mitarbeiter eines zu jener Zeit wirklich gediegenen Blattes und erhielt vom Redakt. die Zusicherung, daß seine Zeitung jederzeit der Vertheidigung gegen unwürdige Anfeindungen der Juden offen stehen werde. So gelang cs denn, für lange Zeit das giftige Schlangenhaupt der Hydra niedergedrückt zu halten. Doch ist der große Geist, die hohe Bildung und die gründliche Gelehrsamkeit eines Schön nicht jedes Redakteurs Sache. Als Res. daher eine Zurechtweisung eines anonymen und unberufenen Scribentew über Münsterberg (Schles. Chronik No.81)°), der Redaktion der Schles. Zeit, zuschickte, erfolgte weder Antwort, noch Insertion. Dies veranlaßt denn Res., um fernem Animositäten der Art Einhalt zu tbun, zu diesen vielgelesnen Blättern ftine Zuflucht zu nehmen. — Münsterberg ist in der germanisch nationalen Judenantipathie allein — der Hauptstadt sicherlich überlegen äsJ; und wenn wir nicht Schriften ü In Eisenmenger, Fischer und Konsorten zahlreich aus unserer Mitte hervorgehen sehen, so fehlt es wahrlich nicht an —• gutem Willen. Erscheint daher etwas der Art in irgend einer auf Humanität keine Ansprüche machender Zeitung, so giebt dies eine größere Freude, als eine gute That und das Zeitungsblatt cirkulirt von Hand zu Hand auf allen Bier- und Brandweinbanken des niedern und hohen Plebs.— Nun lebt einer in unserer Mitte (er wurde bereits einmal von einem uns wohlbekannten geehrten Nef. in diesen Blättern abgefertigt) der festen Ueberzeugung, es bedürfe zum Schriftstellern nichts weiter, als der drei Spccies: Dinte, Feder und Papier. — Die Juden sind sein beliebtes Thema und der Refrain eines jeden abgeschmackten Zeitungsreferats. — Einige kurze Notizen aus der betreffenden anonymen Relation über Münsterbcrg mögen dienen zu zeigen, wes Geistes Kind der Vers. sei. — Zuvörderst versichert d. Namenlose „es werde nicht ohne Interesse sein, wenn er eine kurze Topographie von Münsterberg gebe, die in mancher Hinsicht nicht ohne Interesse (sic!) sein durfte." — Nun ja, das.ist wahr, wenn er eine solche gäbe! So aber gestehen wir aufrichtig, dieses Interesse vergebens gesucht zu haben. — Eben so wenig aber gelang es uns, die Topographie zu fin- *) Die Schles. Ehren, ist ein Beiblatt d. Brest. Zeitung für provinzielles Interesse (?). *°) Dies möchte vielleicht natürlich scheinen, da, wie man gewöhnlich glaubt, Judenfeindschaft und Kulturzustand im entgegengesetzten Verhältnisse stehen. Dem ist aber nicht also! Je natürlicher, je gutmüthiger der Mensch ist, desto weniger kann er hassen, desto mehr liebt er den Menschen im Menschen. Es ist eine Thesis, die Res. jederzeit publice durch Empirie zu vcrthcidigcn bereit ist: Der Judenfeind ist auch Menschenfeind! Möchte darum nur nie ein Christ einem christlichen Judenfeinde trauen, er wird sicherlich bei der nächsten Gelegenheit betrogen. Ref.

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