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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-11-07 · Heft 45 (7.11.1840) · p. Seite 636

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 45 (7.11.1840)
Date
1840-11-07
Page
Seite 636 (sequence 4)
Language
German
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656 Die hiesige israelitische Gemeinde, welche bisher nur ein kleines kaum dem Namen eines Bethauses entsprechende Lokal zur gottesdienstlichen Verrichtung besaß, hatte es nunmehr, zwar nur durch große Opfer und unermüdliche Beharrlichkeit, jedoch mit der Hülfe des Allmächtigen, bei nur sechs Mitgliedern, endlich dahin gebracht, ein neues Gotteshaus zu errichten, welches sich eben so sehr durch zarte, Gemüth und Seele zur wahren Andacht erhebende Einfachheit, als durch den darin feierlich waltenden Ernst auszeichnet. — Die Gesammtheit der Gemeinde, sowie Jeder besonders, (wobei die Thätigkeit des Herrn Gemeindevorstehers besonderer rühmlicher Erwähnung verdient), beeiferte sich willig, soviel Kräfte und Mittel es gestatteten, zur Realisirung des Gotteswerkes beizutragen, nur fehlte noch die Genehmigung der höchsten Behörden dazu, worauf zwar schon seit langer Zeit angetragen war, aber leider durch hindernde Umstände nichts erlangt werden konnte. Am 10. d. M. wurde endlich der Entschluß gefaßt, zu diesem Zwecke Sr. Majestät, unserem Könige, eine Bittschrift zu überreichen, worin sich mit ehrfurchtsvollen Worten der fromme Wunsch der Gemeinde aussprach, das Gotteshaus am Geburts- und Huldigungstage Sr. Majestät einweihen zu dürfen, und schon am 12ten, dem ersten Succot- Feiertage erschien durch hohe königliche Gnade die Erlaubniß dazu in einer königl. Kabinetsordre mit cito bezeichnet, um die Feier am allerhöchsten Geburtstage zu begehen. Schnell wurden alle irgend noch zu treffende Vorbereitungen angeordnet, als endlich am litten Mittags 2 Uhr die Einweihung begann. Vorher wurde in der alten Synagoge das letzte Gebet — Mincha — in gedankenvoller Rückerinnerung verrichtet; von da setzte sich ein höchst feierlicher Zug in Bewegung, der die Toras nach der neuen Synagoge überbrachte. Ihn eröffnete ein Musikchor, dem Knaben und Mädchen, der Prediger und Cantor folgten; hinter diesen der von jungen Leuten getragene Baldachin, unter welchem die einfach geschmückten Loras getragen wurden und endlich alle Mitglieder der Gemeinde, Männer, Frauen und Jungfrauen, denen sich viele christliche Einwohner anschloffen. Rührend war der Eindruck den der langsam sich bewegende feierliche Zug, in seiner Mitte die heiligen Gesetzrollen hervorbrachte, den Jeder erkannte, daß: „wahrhaft die Lehren Gottes sind, und die Seele labend." So unter Gesang und Choral, langte der Zug in der durch Laubgewinde und Blumen sinnig geschmückten Synagoge an, worin sich besonders der erhabene Namenszug des theuren Herrscherpaares zwischen einer mit Blumen reich verzierten Ehrenpforte vor dem Gesetzschranke in Immergrün prangend, merklich auszeichnete. Hier wurden auf die Feier und den Tag bezügliche Psalmen abwechselnd gesungen, und von der Gemeinde und dem Vorbeter rezitirt, worauf der siebenmalige Umzug in Begleitung von Wachskerzenträgern unter Gesang und Instrumentalmusik stattsand. Nach dessen Beendigung betrat der würdige Prediger l)r. Auerbach die schön dekorirte Kanzel, und hielt in bekannter Gediegenheit eine mit Herz und Begeisterung gesprochene Rede, die tiefergreifend den lebhaftesten Anklang bei der sehr zahlreichen Versammlung fand, und bleibend in jedem Herzen weilen wird. Seinen Seegensworten, die er für König und Vaterland, für das Wohl der Gemeinde und der ganzen Menschheit vom Himmel sprach, folgten schweigend und mit Inbrunst die Herzensergießungen aller Anwesenden, bei denen das Andenken eines so wonnevollen Tages unauslöschbar fortleben wird. Die Feier schloß, sodann mit einem herrlichen Hallelujah, Psalm 150, unter Posaunenschall, bei welcher überhaupt der Kantor Wollfsohn durch seine melodische Tenorstimme, und passende Anordnung der Gesänge sich höchst lobenswerth auszeichnete. Es wurde auch am Mittage dieses Tages von der israel. Gemeinde die christlichen Stadtarmen festlich bewirthet, um auch dadurch sich dankbar gegen Gott zu zeigen. 81—1. Berlin, 24. Okt. (Privatmitth.) Das große Fest, das so viele Tausende hierher, und so viele Gefühle, Wünsche und Hoffnungen hervor gelockt, hat wol auch die Aufmerksamkeit auf die hiesige israelitische Gemeinde, und deren Zustände gelenkt. Sie selbst hat sich, wie Ihnen wahrscheinlich schon gemeldet worden, nicht in den Hintergrund gestellt, und am guten Willen hat es wahrlich nicht gefehlt. Die Subscription zu einem neuen Hospital hat wieder erwiesen, wie groß die Kräfte Berlin's sind, und läßt bedauernd an die vereitelte Subscription

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