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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-10-31 · Heft 44 (31.10.1840) · p. Seite 627

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 44 (31.10.1840)
Date
1840-10-31
Page
Seite 627 (sequence 7)
Language
German
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627 ausgenommen worden, aber sonst dauert die Abneigung und die Trennung immer noch fort. Der jüdische Knabe ist in der kecken Sprache der Stadt ein „Juddebub;" die Casino's und die Gesellschaften vermischen sich nicht, die jungen noch so reichen und höchst gebildeten jüdischen Damen kommen mit den weiblichen Sprößlingen der stolzen Patriziergeschlechter in keinerlei Berührung; nur im Theater und Concert läßt sich die Begegnung nicht vermeiden, sogar die Freimaurerlogen, die doch der Bruderliebe und dem Gott, der das „höchste Wesen" ist, mag er nun Brahma, Allah, Jehova oder Christus heißen, gewidmet sind, selbst diese schließen sich, einander aus und mauern jede nach ihrem eigenen Religionsbekenntnisse. Wenn sich auch hier wol Manches zur Entschuldigung der Christen sagen ließe, und die Absonderung, deßwegen, weil die Juden meist sehr wohlhabend sind, und immer den Chef von Frankfurt, Rothschild, an ihrer Spitze haben, öfters beinahe wie eine Farce heraus kömmt, so kann sie doch für ein tieferes Gemürh nur verletzend wirken. Bei Börne war dies sicher der Fall; wenn ihm auch sein Talent, aus diesem ganzen Wust die Philisterei herauszuerkennen, davon eine mehr heitere, als trübsinnige Auffassung gestattete. Ueberhaupt irrt man sehr, wenn man bei Börne in Betreff seiner jüdischen Herkunft jene übergroße Empfindsamkeit voraussetzt, die jetzt in der Behandlung der Emanzipationssrage Sitte geworden ist. Freilich, da er früh Christ wurde, mag in ihm diese Stimmung auch schon allmälig verklungen sein; in der Weise, wie sie sich z. B. in „den trauernden Juden vor Babylon" und ähnlichen Versinnlichungen des Judenschmerzes ausspricht, kam sie entweder bei ihm nicht mehr auf oder hielt nicht lange an. Um aufrichtig zu sein, 'Börne verhielt sich weniger emphatisch zu den neuern Versuchen für die Judenemanzipation, als manche seinerfrankfurter Freunde gern gesehen hätten. Es störte ihn theils die Einseitigkeit einer solchen Freiheitserklärung, die gleichsam nur für eine Klasse von Menschen fast aristokratisch erfolgen sollte, während er die ganze Menschheit in Fesseln und Banden sah; theils kannte er die innre Organisation der jüdischen Gesellschaft zur Genüge, um nicht zu fürchten, daß der Geist der Geldsucht, die rein materielle Richtung der meisten Judm sich mit den Drängern der Menschheit verbinden und sich auf die Masse des ganzen Volkes werfen würde. Deshalb wünschte er, daß sich die Rothschilds taufen ließen. Wenn er auch in seinen Briefen dagegen protestirt, daß er die Rothschild's Haffe, so entsetzte er sich doch vor der politischen Stellung, die die vorzugsweise jüdische Börse im modernen Europa einnahm, vor diesem Geist der Anleihen und der Papierspekulationen, wo mit den Thranen und dem Blut, der Völker die Course der Staatseffekten notirt werden. So viel Mitleid er mit dem armen Mann hatte, der durch die Straßen seinen Zwerchsack trägt und nach den Fenstern der Häuser Handle! hinausruft, so widerlich war ihm der Ehrgeiz der reichen Judenfamilien, wenn sie des Umgangs mit der christlichen Aristokratie sich rühmten und glücklich waren, ihre Töchter auf dem Ball eines Gesandten tanzen zu sehen. Börne hatte auch kein Interesse an der neuerdings üblichen zu übertriebenen Herausstellung der Nationalität und der sittlichen Sonderung, sondern wünschte eine Verschmelzung, eine völlige Germanisirung des Judenthumes; wenigstens lassen sich die Stellen in seinen Briefen, wo er den ihm werdenden Mahnungen, sich der Judensache besser anzunehmen, ausweicht, nicht anders erklären; vor allen Dingen war ihm diese Sache keine Frage für sich, sondern sie hing mit ihm mit den Hoffnungen des ganzen deutschen Volkes, mit der Freiheit der ganzen Menschheit zusammen." (Fortsetzung folgt.) Synoptischer Auszug aller, von der hochlöbl. königl. ungarischen Statthalterei seit 1724 rücksichtlich der Juden Nngarn's ergangner Normalverordnungen. Eingesandt von H« Ikosenmnrk, öffentl. Lehrer in Warasdin. (Schluß.) 36. Fremde Juden die in die österreichischen Provinzen einwandern, sollen zum Militärdienste gestellt werden. 15. Mai 1795. No. 9823.

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