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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-10-31 · Heft 44 (31.10.1840) · p. Seite 625

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 44 (31.10.1840)
Date
1840-10-31
Page
Seite 625 (sequence 5)
Language
German
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623 den sieben Vierteljahren ihres Bestehens haben schon ZI Schüler die Schule verlassen, 3 davon starben, 3 andere waren durch anderweitige Verhältnisse veranlaßt, die Anstalt zu verlassen, und die 5 letzten endlich, worunter 2 Pensionäre, sind aus der ersten Klasse entlassen und auf Hamburger Comptoirs übergegangen. Die Lehrgegenstande in derselben sind: Religionslehre, Pentateuch, Propheten und Hagio» graphen, Uebersetzen der Gebete, Hebräische Sprachlehre, Biblische und jüdische Geschichte, Deutsche Sprache, Stilübungen, Französische, Englische und Dänische Sprache, Weltgeschichte, Naturgeschichte, Naturlehre, Geographie, Anthropologie, Schreiben, Rechnen und Zeichnen. — Was nun die Prüfung selbst betrifft, bei welcher der höchste Geistliche in der Stadt, Geistliche verschiedener Cvnsessionen, Professoren des Gymnasiums, Schulmänner und Gelehrte von hier und Hamburg zugegen waren, so sprach zuerst der Herr Oberrabbine, der sich um diese Schule mannichsache Verdienste erworben, einige herzliche Worte an das Publikum und an die Angehörigen der Zöglinge, worauf der Or. Enoch seine im Programm dargelcgten Ansichten weiter entwickelte. Deklamationsstücke wurden von den Kindern aus eine hübsche Weise vorgetragen, wobei vorzugsweise das Freihalten von dem gewöhnlichen hier herrschenden Jargon zu beachten war, und die von ihnen auf die vorgelegten Fragen gegebenen Antworten waren so prompt und richtig, daß die Anwesenden nicht anders als ihren größten Beifall darüber zu erkennen geben konnten. Kein Lehrfach, in welchem examinirt wurde, und es waren dies, bis auf einige hebräische, alle oben aufgeführte, stand den übrigen nach, und es sprach sich allgemein eine hohe Zufriedenheit mit den Leistungen der Schule aus, was sich auch durch die steigende Schülerzahl bekundet, die schon seit dem Druck der Statistik derselben wiederum sich vergrößert hat. Wir könnten diesen Bericht durch pomphafte Aufzählungen und durch Herausheben einzelner Glanzpunkte länger ausspinnen und ausschmücken; nur die Thatsache wollten wir darlegen, daß Altona jetzt eine jüdische Schule besitzt, die sich denen in andern Städten und den christlichen in der hiesigen Stadt würdig an die Seite stellen darf, und von der bei der Vergrößerung der Schülerzahl und folglich auch der pekuniären Mittel sehr viel Gutes sich erwarten läßt, besonders da hier, was nicht immer der Fall ist, ächte Bildung neben religiöser Gesinnung und religiöser Lebensweise vorherrscht. X. Tages-Controie. lieber die soziale Stellung der Juden. In den jüngsten Tagen ist der Gegenstand, den diese Ueberschrift bemeldet, wieder öfter zur Sprache gekommen, und wir finden uns daher sehr dringend veranlaßt, etwas naher auf ihn einzugehen. Zunächst rcferirend. So eben ist „Börne's Leben von Karl Gutzkow" erschienen. Derselben findet hierin die nächste Gelegenheit, über die Stellung Börne's zum Judenthume zu sprechen. Indem wir auf diesen Gegenstand nächstens zurückkommen werden, heben wir zuvor einige Stellen über die sozialen Verhältnisse der Juden aus dieser trefflichen, gediegenen Schrift hervor. Wir bevorworten, daß wir nicht alles darin Gesagte billigen, daß wir überhaupt die Sache von einem ganz andern Gesichtspunkte ansehen und besprechen werden. Wir geben aber zuvor Gutzkow's Worte, die nicht ohne tiefen Eindruck werden gelesen werden. „Ludwig Börne wurde als Lüb Baruch den 22. Mai 1786 zu Frankfurt am Main von jüdischen Eltern geboren. Diese Abstammung Börne's ist für seine spatre Geistesbildung zu entscheidend gewesen, als daß wir uns über sie nicht gleich an der Schwelle seines Lebens verständigen sollten. Börne war Jude. Seine Feinde haben dies oft genug geltend gemacht, entweder um seine angeblichen Verirrungen zu erklären oder sie mitleidig damit zu entschuldigen. Die Einen, die Germanischen, die mit ihren blonden Haaren und blauen Augen unmittelbar von den Eicheln der altdeutschen Urwälder abzustammen vorgeben, haben darum Bürnen nie recht an sich herankommen lassen, haben sich seines Geistes, seiner Gesinnungen erwehrt, selbst wenn diese, wie früher, z. B. bei Görres, mit der Tendenz des Herausgebers der Waage im Allgemeinen

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