Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1840)
- Date
- 1840-10-24
- Page
- Seite 618 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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010 tische Erziehungs- und Lebensweise der Juden und der ausschließliche Sinn für Talmudstudium und Ritual in Conflict mit dem bei der jüngern Generation auflebenden Wunsche, gleich den Juden des westlichen Europas in den unmittelbaren Unterthanenverband einzutreten und die bisher heilig gehaltene ideelle jüdische Nationalität gegen den realen Besitz eines Vaterlandes und Bürgerthums einzutauschen." — Der Vers, ttyitt noch die Titel mehrerer werthvollen hebräischen Manuscripte mit, die der selige Caro hinterlassen, die zum Theil auch im ersten Jahrg. der A. Z. d. Jud. schon besprochen worden, und worüber nächstens noch besonders referirt werden soll. Hier spricht sich der Vers, folgendermaßen aus: „Der Verstorbene wählte als Motto für seinen Aufsatz „über den Verfall der hebräischen Sprache" folgende Worte eines Mönchs des 16. Jahrhunderts: Es will eine andre Sprache aufkommen: die hebräische; die diese lernen werden — Juden. Jener Mönch wollte das Ehristenthum vor der seiner Meinung nach gefährlichen Berührung mit dem Geiste der heiligen Schrift und dem Judenthume warnen — ec irrte; aber mit treffenden Seherblick fand er den Geist des Judenthums in der hebräischen Sprache. Die hebräische Sprache ist das unvergängliche Erbtheil des altjüdischen Lebens, dessen sich das Judenthum nicht zu entaußern vermag, ohne die Existenz des Glaubens in Frage zu stellen. In ihr allein hat die monotheistische Lehre einen geheiligten Ausdruck, an sie knüpft sich das Glaubensband für die zerstreuten Glieder der Synagoge; in ihr ruht, wie in einem Mausoleum, die Geschichte aller Leiden und Kampfe, welche die Abkömmlinge des Hebräervolks Jahrtausende hindurch bestanden haben; durch sie hört der Jude in allen Welttheilen den Posaunenschall, welcher ihm von dem längst verlornen Heimathlande nachtönt; in ihr lebt der gewaltige Geist, welchen die Lehrer des Volks in jeder Richtung des Denkens und Wissens entfaltet haben — und doch scheut man sich sie der jüdischen Jugend als Talismann auf den noch immer dornenvollen Wegen ihrer irdischen Wallfahrt anzuempfehlen?! In einer solchen Verachtung der erbekgenthümlichen Sprache liegt weder Patriotismus noch Humanität. Mit der Werthschätzung dieser Reliquien des jüdischen Glaubens steht weder die Liebe für das gegenwärtige Heimathsland, noch die Achtung anderer Confessionen, noch die Theilnahme an den Werken und an der Wissenschaft der Gegenwart irgend wie im Widerspruch. Nachdem die Juden mit so erfreulichem Erfolge die Schranken durchbro^ chen haben, welche sie bisher von den Interessen ihrer jetzigen Heimath trennten, nachdem sie ihre Nationalität den unabweislichen Anforderungen der Gegenwart zum Opfer gebracht, ist es an der Zeit, den Glauben und die Sprache, welche des Glaubens Dollmetsch ist, mit neuen lebendigen Zäunen zu umgeben, und für das gläubige Gemüth das Asyl wieder herzustellen, zu dem es in Zeiten confessionellen Dranges seine Zuflucht nehmen kann." Magdeburg, 11. Okt. Das zehnte Heft des großen Bibelwerks ist bereits versandt. Dasselbereicht in *nrp hinein, und bringt als interessantesten Theil daS Lied am rothen Meere, welches weitläufig kommentirt ist. Ausgezeichnet sind in demselben 12 Abbildungen, von denen 3 naturhistorische Gegenstände, 3 ägyptische Alterthümer, nämlich ägyptische Wagenkämpfer, Fußtruppen und Tambourin - Spielende, 6 Ansichten von Wirket et Hadj (Succot), Etham, vom westlichen und östlichen Ufer des rothen Meeres, von Tor und der Wüste Sin geben. Die eilfte Lieferung wird in diesen Tagen fertig, und bringt die Zehn-Worte und die ersten Artikel des heiligen Rechts. Magdeburg, 11. Okt. Angekommen: Predigt zur Einweihung der neuen Synagoge in Erfurt, den 10. Juli 1810 gehalten von Dr. Ludwig Philippson, Geistl. der Jsr. Gem. zu Magdeburg. (Der Ertrag ist für einen milden Zweck bestimmt!) Erfurt, Otto. 1840. In der Einleitung werden die Gefühle geschildert, die bei Einweihung eines Gotteshauses vorwalten, in Ider Zweck als Gotteshaus überhaupt und israelitisches Gotteshaus insbesondere, in II. die Bestimmung und in IH. die rechte Heiligung durch würdevollen Gottesdienst und religiöse Vervollkommnung des Besuchers — besprochen. — Tages-Controle. Verschiedenes. Der Ausruf der oberschlesischen Juden, die Addresse der Gemeinde zu Dir schau, der Vorgang mit den israelitischen Stadtverordneten zu Königsberg — sie geben sämmtlich dem aufmerksamem