Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1840)
- Date
- 1840-10-24
- Page
- Seite 612 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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612 und Amtsblätter schon längst die Nachricht mitgetheilt haben, daß die Wahl des Hrn. I)r. Aron Auerbach von hier zum Ober-Rabbinen für den hiesigen Consistorialsprengel, an die Stelle seines emeritirten Vaters, die landesherrliche Bestätigung erhalten hat, so muß es um so mehr befremden, daß die Anzeige hiervon, in dieser, lediglich dem jüdischen' Interesse gewidmeten Zeitschrift, immer noch vermißt wird, als früher so vieles für und wider die hiesige Rabbinenwahl in derselben ausgenommen wurde. — Es hat indessen auch die feierliche Installation des neu ernannten Oberrabbincn Statt gesunden, und derselbe hat seitdem durch seine gottesdienstlichen Vorträge sowol als durch manche neue Anordnung und heilsame Vorschläge auf das unzweideutigste gezeigt, daß es ihm um die Veredlung und Verbesserung unserer religiösen Zustände ernst ist, und er den Anforderungen der Zeit, insoweit dieselben mit den Grundsätzen und Vorschriften der Religion sich vereinbaren lassen, zu entsprechen strebt. Möge der AUvermögende dieses Streben mit dem besten Erfolge krönen und seiner Wirksamkeit die segensreichsten Früchte für das Seelenheil und sittliche Wohl der seiner religiösen Leitung anvertrauten Gemeinde entsprießen! — Wie ich aus zuverlässiger Quelle vernehme ist von Seiten des hiesigen israelitischen Consistorii aus Veranlassung der Huldigungs-Feierlichkeit in Berlin eine sehr kräftige .Bittschrift Sr. Majestät, unserm allverehrten Könige um gnädige Aufhebung des in der Rheinprovinz noch in gesetzlicher Kraft fortbestehenden kaiserl. Dekrets, in Betreff der Forderungen von Juden an Christen, sowie um Zulassung der Israeliten als Geschworene, eingereicht worden. YV. Coblenz, 5. Okt. (Privatmitth.) Es mag sich wol geziemen, neben gewissen, auch in diesen Blättern mehrfach berührten, Aeußerungen als Gegenstück die Worte eines Mannes herzustellen, der von seinem Könige und seinem Vaterland zu hoch gehalten wird, um ihn nicht als Repräsentant eines großen Theiles der Bewohner unseres Vaterlandes zu betrachten, des Prof. Arndt nämlich in Bonn. Derselbe ließ sich bekanntlich bewegen, noch im Laufe des vergangnen Sommers seine Vorlesungen zu eröffnen. In diesen Vorlesungen nun (Einleitung zur Länder- und Völkerkunde) drückte er sich über die Juden ungefähr folgendermaßen aus: „am meisten unter den Völkern des Orientes ziehen unsere Aufmerksamkeit auf sich und verdienen unsere höchste Achtung die Juden; schon deshalb, weil sie das erste Volk sind, welches die Idee der individuellen Freiheit, der persönlichen Würde des Menschen klar gefaßt und entwickelt hat, eine Idee, die als Basis zu jedem wahren Staatenleben unerläßlich nöthig ist. Sie wird bezeugt durch die heiligen Schriften der Juden; sie stellt sich dar in ihren Helden und Propheten. Gegen ihre sittliche Größe verschwinden die Weisheit und die tiefsinnigen cosmogonischen Betrachtungen der Inder, Chinesen u. a., abgesehen von den andern hohen Ideen, die wir bei den Juden finden. Und da die Hellenen sogar der Zeit nach später sind, so müssen wiyM« Juden als das erste Volk der Erde betrachten, rEhes'ein wahrhaft selbstständig - politisches Leben besaß, durch welches eben die Menschheit ihrer Entwicklung nahe gebracht werden kann. Mit Unrecht sind die Namen „Juden, Hebräer u. s. w. zum Theil Schimpfnamen geworden." — So sprach der greise Lehrer vor dem zahlreichsten Auditorium, welches mit gehaltenem Athemzug seinen kräftigen, begeisterten Worten lauschte. Wenn nun solche Männer die Jntressen der Humanität und Aufklärung auf solche Weis^M unseren Hochschulen vertreten, wie ja auch OWW nicht allein dasteht, sollten wir da viel Gewicht legen auf vereinzelte Aeußerungen der Engherzigkeit und des verletzten Selbstgefühls? AI. 6ötr, st. phil. Breslau, 6. Okt. Die Repräsentanten jüdischer Gemeinden Oberschlesiens haben in der hiesigen Zeitung folgenden Ausruf an ihre Glaubensgenossen in der Provinz ergehen lassen: „Wenn wir auch als Unterthanen und Staatsbürger durch diejenigen Corporationen vertreten werden, welchen wir in gewerblicher Beziehung zugehören, wenn daher die Deputirten, welche Sr. Majestät unsrem allergnädigsten Könige und Herrn den Huldigungseid im Namen des ganzen Landes zu leisten berufen sind, an den Stufen des Throns unverbrüchliche Treue, kindlichen Gehorsam auch in unfern Namen angeloben, so bleibt dennoch ein Wunsch für uns zu erfüllen, ein Wunsch, der nur die Pflicht in sich saßt, dieser feierlichen Angelobung religiöse heilige Weihe zu geben. Unsere