Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1840)
- Date
- 1840-10-17
- Page
- Seite 605 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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605 wachsenm Jünglingen ein Sänger-Chor gebildet, welcher sich seit der Wiedereröffnung unsrer renvvirten Synagoge (d. i. am 6. September 1839) beeifert, an Sabbat- und Festtagen durch angemessenen Choral-Gesang die Gemeinde zur Andacht zu stimmen. Schließlich muß ich mir die Bemerkung noch erlauben, daß es dem verehrten Einsender obiger Notiz entgangen Zu sein scheint, daß aus seiner Gemeinde eine Deputation Sachkundiger sich hier her begab, um von unsrer Synagoge Einsicht zu nehmen und nach diesseitigem Plane die dortige Synagoge Herstellen zu lassen; sohin hat Stein. Harb, nicht aber Dittcnheim, für diese Gegend das gute Beispiel gegeben. S. Tages-Controle. Selten ist dem, der seine Feder und seine Geisteskraft der Geschichte des Judenthums gewidmet hat, eine wahrhafte Freude, ein fröhliches Aufjauchzen der Befriedigung vergönnt. Wenn auch durch die ganze Geschichte Israels insonders jener erfrischende und belebende Strom dringt, der aus dem Fels der Zuversicht auf die göttliche Lenkung der Geschicke seine reichen Wellen ergießt, wenn aus der Betrachtung des Zusammenstoßes feindlicher Gewalten und der unverwüstlichen Kraft des Beharrens in einem höher» Zwecke die Gewißheit der unmittelbaren göttlichen Wirksamkeit entspringt: so ist dies doch nur Resultat großer Epochen, langer Zeiträume, deren Aufgabe erst klar wird, wenn die Interessen der Gegenwart längst aufgelöst sind. ES ist eine Befriedigung, die erst auS den Gräbern vieler Generationen erblüht. Aber wie selten sind Einzelheiten, isolirte Erscheinungen unsrer Geschichte zu erfreulichen Gefühlen geeignet, wie selten enden Begebenheiten so, daß nicht das Gefühl unterdrückter und gewaltsam niedergehaltener Rechtfertigung mit Bitterkeit und Ungewißheit für die Zukunft erfüllt! Die Wendung, welche die Damasker Angelegenheit, diese nur darum allgemein jüdische, weil in ihr das ganze Judenthum bezüchtigt worden, in der letzten Zeit genommen, berechtigt, ja weckt unS zu solchen- Gefühlen der höchsten, lautersten Freude. Denn erstens ist erfüllt, was wir am ersten Lage, wo die Nachricht davon nach Europa gekommen, ausgesprochen (No. 18) haben, daß der Meister der Menschheit dieses Ereigniß in die Menschenwelt geworfen, um dem Judenthume, ander Gränze einer neuen, beim Abscheide von einer alten Zeit, die Gelegenheit zu geben, sich vollständig und glänzend zu rechtfertigen, und dadurch einen Schmähstein auf das Andenken aller Derer, die Jahrhunderte lang ihre Mitbrüder mit solchen höllischen Ausgeburten verfolgten und opferten, und einen Ehrenstein auf die Aschenhaufen aller unsrer damit gemordeten Vater zu setzen. Zweitens ist hierdurch abermals und vollständig erwiesen, daß das Reich des Kruges und der Verfinsterung immer mehr zu Ende geht, daß trotz aller Bemühungen und Stänke der alten Schlangen, selbst unter dem Schutze eines Thiers', einer großen, herrschenden Macht, die Wahrheit sich jetzt ihren Weg bahnt, und wir können ungetrübt und rückhaltslos die Neuzeit an unsre Brust drücken. Drittens ist es ein freundlicher Blick der Liebe, den wir dabei auf unsre Gesammtheit zu werfen vermögen. Wir, staatlich, volksthümlich Zertrümmerten, durch keine geheimen und durch keine äußeren Bande, nur durch das Band des Glaubens Verbundenen, wir selbst haben am meisten dazu beigetragen, Licht zu schaffen in diesen dunkelen Partieen der Menschheit, lleberall dieselbe Entrüstung, dieselbe Erhebung, aber auch überall nur durch das Wort, nicht durch Kanonen und nicht durch Geld, sondern durch das lebendige Werkzeug der Wahrheit. Endlich die Freude, allen Denen, die sich für uns erheben, und das war insonders jenes große Volk des jungfräulichen Alb io ns, jetzt die Hand drücken zu können, und zu ihnen sprechen: Sehet, ihr habt euch nicht geirrt! Von diesen freudigen Empfindungen ist aber Gott sei Dank! eine unlautere getrennt) die der Schadenfreude an unfern Feiliden, an Urhebern wie an Verbreitern dieses Lügengewebes. Wir übergeben sie der Dunkelheit, der sie angehören. Nicht über sie wollen wir den Triumph feiern, sondern nur im Hochgefühl des errungenen Sieges. So mögen denn auch hier nur die gefeierten Namen derer stehen, welche der Wahrheit und Unschuld zum Siege geholfen, voran Montefiore und 42 -