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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-10-17 · Heft 42 (17.10.1840) · p. Seite 599

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 42 (17.10.1840)
Date
1840-10-17
Page
Seite 599 (sequence 3)
Language
German
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899 wohl! Auf Widersehen. Mein Herz war voll Freude. Am Sonnabend Morgen widerhallten die drei Synagogen Alexandriens von Segenswünschen für Mohammed-Ali und Alle, die uns wahrend dieser unseligen Verfolgung eine hülfreiche Hand geboten hatten. Ocstreichs ward dabei insbesondere gedacht, dem Kaiser, dem Fürsten Metternich sowie den Herren Laurin und Merlato ward der Zoll unserer Dankbarkeit entrichtet. Fürst Metternich hat sich in dieser Angelegenheit mit edelster Liberalität 'benommen, und bewiesen, wie hoch er über allen Vorurtheilen steht. Ihm und Lord Palmerston, England und Oestreich sind wir aufs tiefste verpflichtet. Auch Oberst Hodges, der englische Generalconsul in Alexandrien, forderte unsere Sache durch sein eifriges Zusammenwirken mit Hrn. Laurin, dem Generalconsul Oestreichs, wie denn, überhaupt alle Agenten dieser letztem Macht uns auf bewunderungswürdige Weise unterstützt haben. Gegen 3 Uhr Nachmittags erhielt ich vom Palast aus ein Exemplar von Mohammed- Ali's Befehl, in türkischer Sprache mit beigcfügter französischer Uebersetzung. Nichts kam meinem Erstaunen gleich, als ich darin auf die Worte stieß: „Die Herren Mofts Montesiorc. und Cremieur haben mich gebeten, die gefangenen Juden zu begnadigen und in Freiheit zu setzen." Der Ausdruck „begnadigen" versetzte mich in sieberhafte Aufregung. Ohne einen Augenblick zu verlieren, eilte ich zum Pascha hin, den ich eben so günstig gestimmt fand wie am Tage vorher. Nach den gewöhnlichen.Begrüßungen sagte ich ihm: „Ew. Hoheit sehen mich von einem lebhaften Schmerz durchdrungen, dem nur Sie Einhalt thun können." Was ists? „Eine Wvhlthat macht die andere nothwendig. Der Act der Gerechtigkeit, den Ew. Hoheit vollzogen, ist eine unermeßliche Wohlthat, doch müßte sie erfolglos bleiben, wenn Sie ihm nicht eine zweite folgen lassen." Erklären Sie sich. „Ein Satz in dem Befehl Ew. Hoheit an Scherif-Pascha lautet folgendermaßen: ,Die Herren Montesiore und Cremieur haben mich gebeten, die Gefangenen zu begnadigen? Bei uns in Europa versteht man unter Begnadigung die Vergebung, die man Schuldigen gewährt. Nun hat aber weder Sir Moses noch habe ich jemals gesagt, unsere unglücklichen Brüder von Damaskus seien schuldig." Mein Ferman nennt sie ja auch nicht schuldig! „Vergebung, Ew. Hoheit! es wird darin gesagt, wir hätten um ihre Begnadigung nachgesucht. Um diese zu erlangen, hätten wir sie erst für schuldig halten müssen, sie sind aber schuldlos in meinen wie in Sir Moses Augen. Ew. Hoheit werden nicht wollen, daß eine Handlung, die uns erst so viele Freude verursachte, nun zum Gegenstände bitterer Trauer für uns werde!" Nein, gewiß nicht, versetzte der Pascha mit einem Lächeln voll unbeschreiblicher Güte, was wollen Sie in meinen Erlaß verändert wissen? „Nichts, Ew. Hoheit, als nur das einzige Wort Afou (Gnade)." So mag man es weglassen. „Jetzt erst sind wir vollkommen glücklich. Heule erheben sich in allen Synagogen Alexandriens Segenswünsche für Ew. Hoheit; in weniger als einem Monat wird man in allen israelitischen Tempeln Europas die Wohlthaten des Himmels auf Sie herabschworen, und in zwei Monaten wird Ihr Name auf dem Erdenrunde gesegnet und gepriesen werden." Um so besser, versetzte Mohammed-Ali, ich wünsche die Juden zufrieden zu stellen. — Unser Gespräch ging dann auf andere Dinge über. Im Fortgehen entschuldigte ich mich bei dem Pascha darüber, daß ich ihn so oft belästige. „Kommen Sie wenn Sie wollen, antwortete er, und. seien Sie immer der besten Aufnahme gewiß." Der Triumph, diese Ehrenerklärung erwirkt zu haben, ist noch größer als der, mir dem uns die Freilassung unserer Glaubensgenossen erfüllte. Die Nachricht hat unfern Feinden eben so viel Bestürzung, wie unfern Freunden Freude verursacht. Noch wollen wir den Pascha bitten, in einem Ferman die auf Blutschuld lautende Anklage für eine Verleumdung zu erklären. Erlangen wir dies, so gedenke ich auch um die Abschaffung der Tortur nachzusuchen. Unsere projecrirte Reise nach Damuskus ist leider durch die politischen Verhältnisse unmöglich geworden, übrigens ist sie, seitdem die Gefangenen sich auf freiem Fuß befinden, nicht mehr eigentlich nöthig." Alexandrien, 6. Sept. (L. A. Z.) Ich theile Ihnen ein Dokument mit, welches in Europa Aufsehen erregen wird: es ist der am 38. Aug. von Mehmed-Ali an Scherif-Pascha, Gouverneur von Damaskus, erlassene Befehl, durch welchen dem seit sechs Monaten so oft besprochenen Prozesse plötzlich ein Ende gemacht wird. Er lautet wörtlich folgendermaßen. (Der Korrespondent theilt hier den von uns bereits veröffentlichten Befehl mit, und sagt

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