Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1840)
- Date
- 1840-10-10
- Page
- Seite 592 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3225119-3225161--03040-3312557- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
592 (Metempsychose maa: bubs),9) eine Theorie, die die Kabbala von srühern Philosophemen ererbt, doch auf ergenthümliche Weise ausgebildet hat. Dem'Zadik wurde nun nicht nur seine eigen erworbene Frömmigkeit, sondern zugleich diejenige irgend einer grossen Person der Borzeit zugeschrieben. Die ärmere Gegenwart vermählte man mit der reichen Vergangenheit, um den Zadik in eine strahlende, unerreichbare Höhe zu versetzen. Ja, weil im Chassidismus alles konkret und sur Io point bestimmt sein muß, so wurden förmliche Generations-Tabellen (niedergelegt im c^huban isa) verfertigt, worin die verschiedenen Metempsychoscn aller historischen Personen, wo, wann und wie sie jedeSmal auf den Schauplatz dieses Lebens aufgetreten sind, speziell genealogisch angegeben wird; und so wagten sie die Seelenwanderung der ersten Menschen, (Adam, Kain und Abel) in allen ihren Metamorphosen bis in die Gegenwart °) Die kabbalistische Weltanschauung der Alleinheit, der Uni'tat der Körper- und Geistccwelt, die Vorstellung, daß selbst jenseits Körper und Seele mit einander verschwägert bleiben werden, daß, so wie hienieden der Körper nur als Hülle der Seele lebt und empfindet, ebenso die Seele in den paradiesischen Gefilden nur in der Hülle ihres (freilich, verklärten) Körpers der Seligkeit theilhaft werden wird (naa:N a-2b), die tiefe Ahnung, daß das Universum als solches eine nie mehr zu vermehrende Totalität bilden müsse, wodurch die Kabbala zu ihrer Emanationsthcorie gelangt war, bestimmten sie auch zur Annahme jenes ursprünglich orientalischen (spater pytagoraischen) Philosophems der Metewpsychose. — Die Vergleichung des Makcokvsmus mit dem Mikrokosmus spricht ausschließlich dafür; denn so wie der Kabbalist die jetzige Welt, nur als das gegenwärtige Glied einer unendlichen Reihe da gewesener und zerstörter Welten betrachtet, (in kabbalistischer Sprache ö'-vna D',b?. die zerbrochenen Gefäße,) so daß die jetzige Welt vermöge des ununterbrochenen progressiven Prozesses als Folge der Manifestation des Ensofs höher stehet als alle frühem; ebenso ist ihm wieder jedes Individuum in dieser Welt in einem ununterbrochenen progressiven Prozeß der Erhebung begriffen, so daß das Mineral zur Pflanze, diese zum niedern (unreinen), dann zum hohem (reinen) Thier, hernach zum Menschen (Geist im Körper) und dann zum Engel (reinem Geist) sich metamvrphosirt. — Corr. herab zu verfolgen.9) Wenn Jemand noch über die Autorität eines Zadik's, als eines Sohnes der Gegenwart, sich hinwegsetzen wollte, so würde er es keineswegs wagen, wenn er im Zadik die neue Ausgabe eines königlichen David, oder eines weisen Salomo zu erblicken glaubt. Ja dies war eme. herrliche Maske für die Unwissenheit und offenbarste Berdienstlosigkeit. Denn wenn man diese Blöße bei einem Zadik entdeckt haben wollte, so war zugleich ein Gilgul zur Hand, der sie mit noch erhöhctem Glanze deckte. (So wird z. B. dem ersichtlichen Mangel aller Jntellektualität der Gilgul Sauel's, dieses Heros der Bescheidenheit, der von seiner geistigen Ueberlegenheit nichts.merken lassen wollte, so wie dem Mangel aller sonderlichen Frömmigkeit etwa der Gilgul von bayan ■'rin, der seine übermenschliche Frömmigkeit jedem menschlichen Blicke entzog, vorgeschützt; u. a. m.) ”) Im Grunde jedoch kann von einer eigentlichen Wahl des Zadik von Seiten der Chassidim kaum die Rede sein; weil sie weder beorderte Wähler noch einen förmlichen Wahlakt — wie etwa bei einer Rabbinen-Wahl — haben, sondern es bildet sich der Zadik gleichsam aus sich selbst. — Derjenige Chassid nämlich, der dem Zadik am Nächsten stehet, den dieser bei jeder Gelegenheit, (zumal bei Tische mit einem und Händedruck) auszeichnet und ihm — 9) So hat der Zadik Rabbi I. die Seele von dem großen König Salomo (ffvan naba naa: biaba), daher seine Prunksucht — obschon für einen Frommen ungeziemend — zu erklären. Der Zadik Rabbi M... ist Gilgul von Samai, vaher sein — unwürdiger — Jähzorn. Der Zadik Rabbi I. in B ... ist Gilgul von Hillel, daher seine unbegranzte Milde. Corr. ") So wie die heiligsten Personen der Vorwelt für d^baaba der so wurden andererseits die größten historischen Scheusale für trbiaba der Ante-Chassidim ausgesucht, um sie damit der höchsten Verabscheuung Preis zu geben. So wurde mancher Gegner des Zadik als Gilgul Korah's, der sich gegen Moses auflehnte, bezeichnet, und mancher Aufgeklärte, der die Regierung über die Umtriebe der Chassidim aufmerksam machte, wurde als Gilgul Haman's ausgerufen, u. a. m. Corr.