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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-10-10 · Heft 41 (10.10.1840) · p. Seite 591

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 41 (10.10.1840)
Date
1840-10-10
Page
Seite 591 (sequence 11)
Language
German
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o91 Frägt man, was ist der Zadik? wodurch zeichnet er sich vom Chassid aus, und wie geschieht jene große Metamorphose des Chassid zum Zadik? — so ist die Antwort Nichts, was sich einzeln darstellen ließe. — Man würde sehr irren, wenn man den Zadik durchaus als den frömmsten und gelehrtesten Chassid sich denken wollte, der deshalb auch aus der Menge zum Zadik erwählt wurde; denn nur zu oft lehrte die Erfahrung das Gegentheil. — Wie mancher Chassid hat schon sein Leben mit Kasteiungen aller Art (manpdi d^rro) abgehärmt, die strengste chassidische Kasuistik (rrippis die sogenannte Jüdischkeit) beobachtet, durch Aufopferung zu einem Erfolg im Studium des Sohar und der Kabbala gelangt, ja selbst in dringenden Momenten (prnn nrad) manche kleine Mofsim (d-nsia) auf eigener Faust unternommen und mit Glück ausgeführt, und doch bei all dem bei den Chassidim nie als Zadik gegolten, während mancher anerkannter Zadik nicht nur kein so abgesagter Feind alles Genusses, in dessen Hause nichts weniger als Frugalität zu finden ist, sondern selbst in intellektueller Kraft sowol im talmudischen als kabbalistischen Wissen ("unccai rfc:n) vielen seiner Untergebenen bei weitem nachstchet. — Doch unter den Motiven, die sich bei jeder neuen Kreirung eines Zadiks wiedersinden, dürften folgende etwa die wichtigem sein. — Zuerst d-’ddn "N'vbn iBwa. Es ist nämlich eine große Empfehlung für den Rebi'schm Kandidaten — wenn ich mich so ausdrücken darf — viele anerkannte Zadikim oft und lange frcquentirt zu haben, um so, wie sie sich ausdrücken, deren Heiligkeit rranp und Kraft ro unmittelbar eingesogen zu haben. — Ja die Aufwartung eines renomirten Zadiks ist so wichtig, daß sie allein schon den Geringsten seiner Umgebung (freilich durch Unterstützung günstiger Umstände) zum höchsten chassidischen Range — zum Zadik — zu erheben vermag *). Sie sind überzeugt, daß der Zadik von einer heiligen Atmosphäre umhüllt ist, die Alles, was in ihrem Kreise *) So wurde z. B. der Fuhrmann des Rabi L. S., der mit ihm die bekannten Reisen um die Welt mittelst nsrep gemacht haben soll, nach dessen Tode als sein Nachfolger proklamirt, und sigurirt jetzt noch als großer Zadik. — Corr. länger verweilet, ganz durchdringt, und so zu höherm Wesen umschafft °). Der Chassidismus, der überall zu seinen Meinungen Belege in der heiligen Schrift aussucht, erwähnt auch hier des Elisa, der Wasser auf die Hände Elia's gegossen, so wie seines Steckens, der in den Händen seines Dieners Gechesi wunverthätig war; obschon der wahren Prophetie ganz andere Attribute zukommen, die keinem Sterblichen mehr vergönnt sind. Zweitens das Erblichkeitsrecht (,dentadrr nprn md« nbn:). Dieses ist bei der Erwerbung der Rebi'schen Würde ein gültiger Rechtstitel; doch unterlegen die Chassidim, der sonst als bloßem Werke des Zufalls betrachteten Geburt eine höhere objektive Bedeutung, indem sie den Zufall selbst von der Geburt ausschließen; und in derThat wie kann es auch, in einem Universum, das die manifestirte höchste Vernunft selbst ist (ppb? brna) noch irgend einen unvernünftigen Zufall geben? — Da aber nach ihrem Jrrthum der Zadik in den Weltlauf überall eingrcifen und ihn modisiziren kann; so wähnen sie, der Zadik wähle sich im Himmel aus dem dortigen Seelen-Magazin (rii-:'d:n “nn die höchsten Seelen für seine zu erzeugende Nachkommenschaft aus ml libitum.«') Von bedeutendem Einflüsse auf die Geburt und Autorität des Zadik war ihre Theorie der Seelenwanderung «) Dieses erstreckt sich selbst auf Sachen und Geräthschaften, die zum öftern Gebrauche des Zadik gedient haben, welche nicht nur als mnp ■'bd geschätzt, sondern selbst als Träger einer höhern Kraft angesehen werden. So vermochte die Pfeife eines verstorbenen Zadiks Wunder zu thun. So wurde ein Pantoffel eines Zadiks als schützender Genius mit Gold ausgewogen; und so hat man einmal den Stecken eines seligen Zadiks gegen Himmel geführt, um die Wolken um den Mond zu verscheuchen, und ihn zu N-db wid'p fähig zu machen!! — Dies alles sind keine Erdichtungen sondern Thatsachen. Zwar theilt der bessere Chassid keineswegs diesen plebejschen Aberglauben, aber der chassidischen Masse kommt dieses gar nicht sonderlich vor. — Corr. *) So hat der Zadik Rabbi M. in R. für alle seine fünf Söhne die größten nitts» gewählt!! — Corr.

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