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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-10-10 · Heft 41 (10.10.1840) · p. Seite 590

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 41 (10.10.1840)
Date
1840-10-10
Page
Seite 590 (sequence 10)
Language
German
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590 ohnedies (wie allen übrigen orientalischen Weltanschauungen z. B. der Astrologie) die Zeit als ein Objektives in ihren verschiedenen Momenten auf das Weltrcgim, verschiedentlich influirendeS Wesen galt, wußte auch hier die Differenz zwischen Roschhaschana und Jomkipur durch ihre theo-kosmische Relationen noch auffallender und bedeutjamer zu machen, und dieser thät sich im Chassidismus kund. Jeder Chassid muß am Roschhaschana bei seinem Zadik sein, um, wie er sich ausdrückt — „unter seinen Flügeln sich bergen." Denn da sein Zadik vermöge feines heiligen, gottgeweiheten Lebens, dem Himmel naher stehet, so ist er nicht nur für sich von allen Schrecknissen des Gerichtstages fern, denn was hat der Gerechte zu fürchten, wo Gerechtigkeit das Urtheil spricht? (E"nr “nbixb E^nns: E'p-L), sondern er kann selbst Andere am Gerichtstage vertreten; er vermag durch sein Gebet inben) das strenge Gericht zu mildern, er vermag durch „sein Schofarblasen" den Ankläger (p2) zum Schweigen zu bringen. Er vermag dies alles, weil er durch seine tiefe Kenntniß der Kabbala, die Staatsmaschiene des Himmels (»•'p-H smsba) kennt, weil er dir da fungirenden Herren Engel und Vorgesetzten zu seinen Gönnern und Freunden zahlt"). Der Chassid laßt daher alles im Stiche, scheuet keine Mühe und Kosten, und unternimmt die weitesten Reisen um zu seinem Zadik auf rh zu fahren, wenn auch ein anderer Zadik ganz in seiner Nahe wäre; denn nur bei und durch seinen Zadik hofft er getrost am Gerichtstage (■pn Er) zu erscheinen und sich eines glücklichen Ausgangs zu erfreuen. — Anders ist's am b'r, dem Lage der Versöhnung und unendlichen Erbarmung; da bleibt der Chassid zu Hause, und erflehet sich lichen, Gerichte (fcW-iJH üniaba'p spn Nmsbu) veranlaßt« auch die Einführung der damals geltenden weltlichen Gerichtsordnung in das Himmelsgecicht, daher in der ersten Gerichtssektion (n"^) das Abschreiben, und in der zweiten (dr) das Besiegeln der Dekrete (p *ik). Die Kabbala, der alles nicht genügte, instituirte noch einen besondern Tag («m dttSMN) für die Empfangnahme jener Dekrete. Corr. *) Welcher ordentliche Zadik stehet nicht mit Gabriel und bb» auf dem intimsten Fuß? — Corr. selbst Gnade und Erbarmung von seinem unendlichen Vater im Himmel; er ist ein reuiger Büßender, und den nimmt Gott an diesem Tage vermöge seiner jetzt vorwaltenden unendlichen Milde und Allgüte wohlgefällig aus; — Daher der panische Schrekken und das bange Gemüth des Chassid im rin, dagegen sein heiteres, getrostes und feierliches Wesen am br, was beim Nichtchassid jedoch nicht so auffallend ist. — Zum häuslichen Leben der Chassidim gehört gewiß auch ihr Benehmen gegen ihre Frauen; hierin ist zu bemerken, daß sie letztere mehr als Weib denn als Frau betrachten. Von einem häuslichen, stillen Eheleben kann ja keine Rede sein, weil der Chassid eigentlich nie zu Hause ist; und mehr im Kreise seiner Gemeinde als in dem seiner Familie lebt. Zudem kommt noch ihre Keuschheit und Zurückgezogenheit von dem zweiten Geschlechte überhaupt; es giebt Chassidim, die mit ihren Frauen nie ein vertrauliches Wort gesprochen haben, aus Furcht gegen die Vorschrift von Abot „sprechet nicht viel mit einem Weibe selbst nid)tmit dem Eurigen" * gesündigt zu haben. Der Chassid sagt nie, wenn er von seiner Frau spricht, „mein Weib," sondern „das Weib" oder bloß „sie" oder „die nvree," um jede innigere Verschwägerung ches Gedankens mit der geschlechtlichen Sinnlichkeit zu meiden. Er fliehet jedes schlüpferige Gespräch, er verabscheuet jedes zweideutige Wort, das in ihm einen unkeuschen Gedanken erregen könnte. Denn die ideelle Verunreinigung ist ihm noch schrecklicher als die materielle (nach dem Ausspruche des Talmuds: crwp may ■mmn irrr'Ey?:, weil dort das Edelste des Menschen — der Gedanke — in den Schlamm der viehischen Wollust versinkt *). Nachdem wir nun den einen Bestandtheil des chassidischen Organismus — nämlich den Chassid — kennen gelernt, so wollen wir auch dem andern und zwar wichtiger» Bestandtheil desselben d. i. dem Zadik, unsere Betrachtung zuwenden. — *) Einen ri'T’E? kann nur bp» wegwlschen, daher der ppin «nd “ieiO, bei denen es auf den reinen Gedanken so sehr ankommt, bei ihrer menschlichen Schwäche so oft die nipu fceguenticen müssen. Corr

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