Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1840)
- Date
- 1840-10-10
- Page
- Seite 588 (sequence 8)
- Language
- German
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588 Theologie. Der Chassidismus in Polen von Julius Marcusson B . . . . » (Dritter Artikel.) (Fortsetzung.) An den Sabbats- und Festtagen weicht natürlich die Tagesordnung von der an den Werkeltagen bedeutend ab. Es würde uns zu weit führen, alle Einzelnheiten aufzusühren, jedoch müssen wir aus ihrer Auffassung des sabbatlichen Ruhetags dieses hervorheben, daß sie seine — des Sabbats — vom Mosaismus ererbte Bedeutung als Bundeszeichen zwischen Gott und Israel (pai ■'i'p Dbnyb «in m* ■aa) auf eine sinnig personisizirte Weise ausgenommen haben, so daß dieser Tag als ein Vermählungstag des Herrn mit seiner Gemeinde (nrp Hapr; oy bis-i«"1 no:a) gefeiert wird, doch nur in dem Sinne als die Rückkehr des Ensof, nachdem er — als Gott — das Universum aus sich emanirt hatte, zum Beschauen seiner Selbst — als Datura naturaos — d. h. zum Ansichsein zurück. (— als Remes: «edt ra« na *>d kommentirt niasi a1'«?:«). Da aber nach menschlicher Vorstellung, das Bewußtsein der Thätigkcit mit dem der Selbstzufriedenheit und der Freude Hand an Hand gehet, so müßte dies auch aus die Gottheit in höchster Potenz — übertragen werden (rwaa 'r, nna*’), und daher dieser Tag der Beschauung auch der der höchsten Freude werden (Sohar, jobm snrnn Nr-iman Nny» nit) und so ist bei den Chassidim „Freude" das Losungswort für die Sabbat-Feier. — Die vom Talmud angeordneten drei Gastmäler (m-ns’ö b) werden den drei Patriarchen Abraham, Jsak und Jakob als den Erzvätern Israels geweihet; und wer vermag die Unzahl aller neugebackenen, — bisweilen sinnigen — Ceremonien während derselben zu übersehen? — Sie sind der Gipfel der chaffidischen Exaltation, und ein so mächtiges Band für alle ihre Mitglieder, wie für Nicht-Chassidim kaum Tempel und Gottesdienst. — Es ist ja die Tafel des Herrn, des Königs der Welt, die die Erzväter Israels mit ihrer Gegenwart verherrlichen (an wo ntt rrn »irtwi pe:» tw , Vffl-np pmsn bpm, tobaa tr-iTD »-wob pvi« K«-np), woran der Chafsid Theil nimmt, und sich gütlich thut. Was Wunder, daß er in Gemeinschaft solcher hohen Gäste sich sehr geehrt fühlt, und über jeden Nicht-Chassid verächtlich herabsiehet? — Daher gar mancher Antagonist (narna), wenn er das Unglück hatte, gerade in diesem Augenblick in ihre Mitte zu gerathen, nicht ganz unversehrt davon kam. — Am Sabbat, wird der Zadik, vorzüglich während der Tafel von einem heiligen Geiste («iipn rrn) im spirirtNachdem, verschiedene Hymnen (nvr’aT) von dem heitern Chore seiner Taselgäste, feierlich abgesungen wurden, während dem der Zadik, mit geschlossenen Augen, und regungslosem Körper, wie in einen magnetischen Schlaf versunken war, in welchem er — nach chassidischer Versicherung — in den Zustand der gänzlichen Abstraktion des Geistes von seiner körperlichen Umgebung (r’TOft mtattsnn) tritt, erwacht er nun mit entflammtem Gesichte und — sagt Tora, d. i. eine kabbalistische Interpretation irgend einer Stelle des Pentateuchs (gewöhnlich der Wochenparascha). Dieser Vortrag wird extemporirt, und muß natürlich je nach der Fähigkeit des Individuums verschiedentlich aussallen. Manche Blicke sind zwar vom kabbalistischen Gesichtspunkte aus betrachtet, in der That tief und überraschend, doch sind selbst diese unter einem großen Schutt von Gedankenatomen vergraben, und gewöhnlich ist der ganze Vortrag nichts als ein undurchdringlicher Chaos, ein unverständlicher Wortschwall, wovon weder Zuhörer noch Sprecher das Mindeste verstehet; Ja manche ihrer Bibelinterpretationen müßten von einem nüchternen, unbefangenen Zuhörer als höchst verletzend und absurd **) verworfen werden; doch für den in seinem Wahne befangenen Chassid ist nichts ungenießbar. Jede Tora, die vom Munde seines Zadik kommt, ist heilig; und je weniger er sie verstehet, *) Zumal wahrend der rpfipb« sttü'D beim Ausgange des Sabbat; und obschon in den Abendstunden immer pnn ra>« ist, so ist doch am Sabbat gerade das Entgegengesetzte psm 8P1 vorherrschend. Corr. *•) NDbND 8b« mina aas Tb-1». Corr.