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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1840-10-10 · Heft 41 (10.10.1840) · p. Seite 587

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
4 (1840)
Issue
Heft 41 (10.10.1840)
Date
1840-10-10
Page
Seite 587 (sequence 7)
Language
German
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587 feste zu ihrem Andenken feiert, daß in Mitte dieses Volks, sage ich, die Juden froh und glücklich im vollsten Genüsse aller bürgerlichen und politischen Gleichheit leben, und was noch mehr als dieses All les ist, der Gleichheit mit ungeschmälertem Vertrauen genießen, und dieses Vertrauens sich auch würdig zeigen. Der Vorwurf, den man den Juden macht, daß der Handelsgeist bei ihnen vorherrsche, verschwindet in Belgien, wo die ganze Nation ihn theilt, wo Alles Handel treibt, vom Minister bis zum Lauer, und wo selbst Personen von der ältesten Aristokratie, wie Villain XIV. rc., die Börse besuchen. Uebrigens giebt es in der belgischen Armee und unter den Gelehrten viele jüdische Namen, die mit eben so vieler Achtung genannt werden, als die Firma der großen jüdischen Handelshäuser zu Antwerpen und Brüssel. An der hiesigen Universität sind mehrere Professoren dieses Glaubens, deren Namen auch in der deutschen Gelehrtenwelt bekannt sind und von welchen ich nur den gelehrten Juristen Oulif zu citiren brauche. Man erzählte mir, daß unter den belgischen Ossizieren, welche bei der französischen Armee in Algier Dienste genommen haben, sich zwei Juden besinden. Hier ist die Emancipation der Juden eine vollständige, denn keiner denkt an ihre Religion. Wenn hie und da Vorurtheile sich breit machen, wie eben die graude kermesse, so muß man doch gerecht sein und gestehen, daß sie mehr dem Namen als der Person gelten, mehr den Juden, als dem Juden; der Name ist der Geschichte verfallen, aber die Personen der Gesellschaft. In Deutschland ist es umgekehrt; die Juden möchte man schon emancipiren, wenn man nur den Juden nicht neben sich dulden müßte. — Indessen haben die hiesigen Juden, wie auch die Juden in Frankreich und Italien, einen Umstand für sich, der ihre sociale Emancipation erleichtert: es ist die weniger markirte Aeußerlichkeit. Nicht als ob der belgische, französische, italienische Jude anders aussähe als der deutsche, aber der Deutsche sieht anders aus als der Franzose, Italiener und Belgier. Mitten unter den deutschen blauen Augen, blonden Haaren und hellen Gesichtsfarben trägt der Jude sein Glaubensbekenntniß zur Schau in seinen schwarzen Locken, in seinen glühenden Augen; sein dunkler Teint verräth ihn sogleich als einen, den daS heilige Wasser der Taufe nicht gewaschen hat, und was sein Gesicht noch verschweigt, das sagt er durch Gestikulation, durch die Bewegungen seiner Hände, wenn er spricht. Aber in Frankreich, Italien, Belgien, wo Alles schwarze Augen, und schwarzes Haar und dunkeln Teint hat, wo jeder beim Sprechen gestikulirt, fallt diese Unterscheidung von Außen so ziemlich weg, und der erste Schritt zur socialen Emancipation ist von selbst geschehen. Man kann diese Bemerkung schon in Wien machen, wo die bürgerlichen Rechte der Juden um kein Haar größer sind als im übrigen Oesterreich, wahrend ihre sociale Stellung eine viel angenehmere ist. Und warum? Weil erstens der Zusammenfluß von Fremden, namentlich Italienern und Griechen, den Juden unter diesen verschwinden läßt; andernseits hat der Wiener selbst in Haaren, Blick und Teint etwas dem Juden Aehnliches, und mancher Wiener von gutem römisch - katholischem Glauben wurde in Prag und andern Städten für einen Sohn Abrahams, Isaaks und Jakobs gehalten, und erhielt einen Vorgeschmack der christlichen Liebe, mit welcher die Söhne des neuen Testaments die des alten behandeln. Eine andere Stütze der socialen Emancipation der Juden in Belgien wie in Frankreich ist das Gesetz der Civilehe. Dadurch, daß der Segen der Kirche oder der Synagoge nicht absolut nothwendig ist, und der Streit über gemischte Ehen nie stattsinden kann, ist die Hauptscheidewand zwischen Jude und Christ niedergerissen, und ich kenne aus persönlicher Bekanntschaft Familien, wo Christ und Jüdin, und Jude und Christin in glücklicher Ehe leben und ihre Kinder theils im Glauben der Kirche, theils im Glauben der Synagoge erziehen. Es ist schon oft ausgesprochen worden: die Gestattung der Ehe zwischen Juden und Christen ist das vollständigste Mittel der Besserung der äußern wie der innern Verhältnisse der Juden.

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