Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1840)
- Date
- 1840-10-10
- Page
- Seite 585 (sequence 5)
- Language
- German
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383 Allerdurchlauchtigster großmächtigster König Allergnädigster König und Herr! Ew. Königl. Majestät wagen wir Abgeordnete der hiesigen israelitischen Gemeinde, im Gefühle der höchsten Dankbarkeit und Liebe, sür die gegen die Deputation unsrer Glaubensgenossen zu Berlin huldreichst ausgesprochene Versicherung Königl. Gnade, die Versicherung unsrer unerschütterlichen Treue und Anhänglichkeit ganz unterthänigst zu Füßen zu legen. Durch die unter den Repräsentanten unsrer christlichen Mitbürger leider noch bestehenden Religions- Vorurtheile, sind wir des hohen Glückes nicht theilhaftig, unsre heißen Wünsche und Empfindungen, für das ewige Wohl unsres Königshauses, ^öffentlich dort zum Himmel hinauf zu senden, wo Tausende sich heute einfinoen dürfen, um ihre Freude über den unsrer Stadt zu Theil gewordenen hohen Besuch laut werden zu lassen. Ew. Königl. Majestät werden indeß den Ausdruck unsrer innigsten Verehrung auch hier von uns entgegen zu nehmen allergnäd. geruhen, wo wir anstatt zierlicher Empsangsförmlichkeit, nur mit treuen Preußenherzen und echter Unterthanenliebe den Ort einfach schmücken. Von gleichen Gefühlen beseelt betet heute unsre jüdische Gemeinde in stiller Andacht für das Glück ihres hohen Königl. Herrscherpaares, vor dem Herrn aller Confessronen, vor dem keine Religions-Verschiedenheit gilt, und dessen Vertreter wir in unsrem geliebten Landesvater verehren. Hoch leuchtet das preuß. Regentenhaus in ewig Achtem Glanze Europa als Vorbild herab, denn es darf jeder Unterthan hier dem Throne der Gerechtigkeit nahen, auf dem des herrschenden Vaters glorreiche Hand seinen Kindern nur Glück und Trost spendet. Mit Vertrauen bitten Ew. Königl. Majestät wir unterthänigst um die Fortdauer Dero gnädigen Schutzes und Wohlwollens, in dem wir in tiefster Ehrfurcht ersterben. Dirschau, den 12. Sept. 1840. (Gez.) N. N. N. N. Freudig erbebten unsre Herzen, als Sr. Majestät, sofort, nach höchst eigner Empfangnahme des Schreibens, solches erbrachen, und uns, wie auch Ihre Majestät die Königin, huldvoll und gnädig grüßte. Wir folgten dem Wagen und gaben unsre Gefühle durch lauten Jubel und Hurrarufen kund. Ohne daß wir die Absicht einer Beschwerde hatten, haben Sr. Majestät dem Landrath des hiesigen Kreises v. Schlieben, zu befehlen geruhet, die Sache sofort zu untersuchen, und schleunigst darüber zu berichten. Am 17. wurden wir bereits vernommen, wo wir den Verlauf der Sache zu Protokoll gaben, dessen Abschrift wir besitzen, und warten jetzt das Resultat ab. . Wir erkennen hierin die Gnade Gottes, und preisen uns glücklich Unterthanen eines Königs zu sein, der sein. Volk durch hohe Herrschertugenden be» glückt. Möge der Allgütige Ihm ein Langes Leben schenken, damit es Ihm gelinge, das hohe Werk unsres hochseligen Königs zu vollenden. Der Vorstand der israel. Gemeinde S. I. Lebenstein. David Herrmann. Deutschland. Schwerin, 19. Sept. (Hamb. N. Z.) Der heutige Tag war ein wichtiger, bedeutungsvoller für die Bekenner des mosaischen Glaubens in Mecklenburg-Schwerin. An ihm fand in hiesiger Synagoge die feierliche Jntroduction des Herrn Dr. Holdheim (bisherigen Rabbinen in Frankfurt a. d. O.) als Großherzogl. Landesrabbinen statt. — Ein erfreuliches Zeichen religiöser Eintracht und wahrer Frömmigkeit war die Anwesenheit fast aller hiesigen Geistlichen der protestantischen und katholischen Konfession, nicht minder die Gegenwart zahlreicher christlicher Zuhörer aus verschiedenen Ständen. Belgien. Brüssel, 4. Sept. (Morgenbl.) Auch hier folge eine Schilderung jüdischer Zustände aus einer christlichen Feder. — La graude kermesse! La grande kermesse! Wie Kinder wochenlang vorher Plane und Anstalten machen, um den Geburts¬ oder Namenstag des Großvaters zu feiern, so Brüssel mit der grande kermesse. Alles strengt sich an, das Beste zu bringen: die Geistlichkeit schreibt Prozessionen aus, kündigt Ablaß an auf dreißig, auf sechzig, auf hundert Tage; die Stadtbehörden veranstalten öffentliche Volksschauspiele, .Pferderennen, Fi-