Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 4 (1840)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1840)
- Date
- 1840-10-10
- Page
- Seite 584 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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584 ften der jüdischen Unterthanen, indem die vier Deputirten den Tag vor der Huldigung nach ihrem Ritus in Gegenwart des Ministers des Innern, Hrn. v. Rochow, vereidigt wurden, und im ausgedehnten Sinne an allen Huldigungs-Feierlichkeiten darauf Theil nehmen mußten. Denn sie wurden nicht nur zur K. Tafel gezogen, sondern erhielten auch jeder noch eine Huldigungs-Medaille als Erinnerung an diesen feierlichen Act. Mühlhausen, 18. Sept. (Privatmitth.) Obgleich unsere Gemeinde hier nur aus 20—22 Familien besteht, so hat sie demnach beschlossen, eine neue Synagoge erbauen zu lassen, und die dazu gehörigen Mittel unter sich selbst aufgebracht. Mit lobenswerthem Eifer nimmt sich unser Vorsteher Herr S. A. Oppe der Sache an. Ihm zur Seite aber stehen auch noch viele andere Mitglieder unserer Gemeinde, und Jeder trägt mit Freuden sein Scherflein bei. Am Montag, den 7. September, wurde der Grundstein zu diesem neuen Gotteshause gelegt. Am Bauplatze hatten sich alle Gemeinde-Mitglieder versammelt. Die Handlung begann mit Absingung eines Hallelujah, worauf der Dr. Cohn ein Dokument verlas, welches die nähern Berichte über den Bau dieser Synagoge, über den Zustand unserer Gemeinde u. s. w. enthielt und welches mit einem Exemplar des Testamentes des hochseligen Königs von Preußen, mit einem Exemplar des hiesigen Wochenblattes, der Allg. Zeitung des Judenthums und mit einem hebräischen Gedichte, verfaßt von Herrn D. Mankiewitz, in einer Büchse von Zink verwahrt in den Grundstein gelegt wurde. Hierauf sprach 1)r. Cohn einige Worte über die hohe Bedeutung des Tages und über die des Ortes, worauf wir standen, und forderte die Gemeinde auf, stets in Einigkeit und Liebe zu leben, da diese den Grundstein zu allen hohen und edlen Thaten bilden. Darauf folgte die eigentliche Handlung der Grundsteinlegung, und unser Vorsteher Herr S. A. Oppe ergriff den Hammer, und indem er einige Worre mit großer Rührung sprach, worin er Gott dankte für die hohen Freuden, die er ihm und uns allen bereitet hat, that er die ersten Schläge, worauf die übrigen Mitglieder der Gemeinde dasselbe thaten. Nun erfolgte von Seiten unseres Predigers die Einsegnung des Ortes, und ein Gebet zum Herrn um fernen Segen für das Werk, und um seinen Schutz für die Arbeiter. Zum Schluß ward der 150. Psalm abgesungen, und die Feier war vollendet, nicht ohne tiefen Eindruck bei jedem Einzelnen zu hinterlassen, der gewiß segensreiche Früchte tragen wird. Noch will ich einen frommen Verein unserer Frauen erwähnen, der durch den vr. Cohn seit einem Jahre gestiftet wurde, und welcher seine Mitglieder verpflichtet, für arme, kranke, sterbende und todte Frauen mit menschenfreundlicher Liebe zu sorgen. Der Verein hat seit seiner Entstehung leider schon oft Gelegenheit gehabt,' seine Wirksamkeit zu zeigen, und die einzelnen Mitglieder desselben bemühen sich, ihre Pflichten gewissenhaft zu erfüllen. Möge Gott ihnen dazu seinen Segen verleihen und die Kraft, stets das Gute aus reinen, liebevollen Absichten zu üben. Dirschau, 23. Sept. (Privatmitth.) Ueber den Vorfall in Dirschau erhalten wir folgende authentische Nachricht: Um den Empfang Sr. Majestät des Königs und der Königin, bei höchst Ihrer Durchreise am 12. h. aufs feierlichste zu begehen, sah sich der hiesige Magistrat veranlaßt, die gesammte Bürgerschaft, mit Ausnahme der gesammten Judengemeinde, vorzuladen, um die zweckmäßige Anordnung eines feierlichen Zuges zu treffen. Ebenso wurden Mädchen aus allen Ständen zur Frau Bürgermeisterin berufen, damit auch diese einen Zug bilden und Ihrer Majestät der Königin, durch Eine aus Ihrer Mitte, ein Huldigungsgedicht überreichen lassen. Auch davon sind die Mädchen unsrer Confcssion ausgeschlossen worden, wenn gleich diese in jeder Beziehung den Christlichen gleichgestellt werden können. Jeder, der gleich uns seinen Monarchen liebt, muß anerkennen, wie sehr wir durch solche Zurücksetzung gekränkt wurden. Traurig sahen wir dem allgemeinen Jubel zu, und wußten nicht, wie auch wir unsre Anhänglichkeit und Treue unsrem geliebten Herrscherpaare zu erkennen geben könnten, bis der Entschluß zur Reife gedieh, daß auch wir, wenn gleich von unsren christlichen Mitbürgern ausgeschlossen, dennoch ihrem Beispiele folgen können. Von wahrem Patriotismus beseelt gingen 12 der Angesehensten unsrer Gemeinde, als Deputirte, I. I. M. M. bei höchst Ihrer Durchreise am 12. ti. entgegen und überreichten Sk. Majestät auch unsre Huldigung in folgenden Worten.